https://www.faz.net/-gqe-8ncvh

Wirtschaftspolitik : Wie Donald Trump die Inflation zurückbringt

Donald Trump will Amerikas Wirtschaftspolitik massiv verändern. Bild: AFP

Sollte der künftige Präsident seine Wirtschaftspolitik durchsetzen können, dann würde zum ersten Mal wieder seit Jahren Bewegung in Amerikas Inflation kommen.

          Seit Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, weisen die Aktienindizes nach oben während die Anleihekurse fallen. Investoren wetten offensichtlich darauf, dass die neue Regierung nicht nur das Wirtschaftswachstum befeuert, sondern auch die Inflation nach oben bringt. Paradoxerweise bekäme die von Donald Trump zuletzt attackierte Chefin der amerikanischen Zentralbank, Janet Yellen, Rückenwind für die Normalisierung der Geldpolitik.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Tatsächlich gehören zu Trumps Agenda drei Unterprogramme, die Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen könnten, zumal die politische  Konstellation mit republikanischer Mehrheit im Kongress die Durchsetzungschancen der Pläne erhöht. Das erste Großprojekt ist die Steuerreform, die nach Angaben von Trumps Berater für Wirtschaftspolitik, Stephen Moore, binnen 100 bis 150 Tagen den Kongress passieren könnte. Sie sieht Entlastung für Unternehmen, für Besserverdiener  und die so genannte Repatriierung von im Ausland gehorteter Gewinne amerikanischer Konzerne vor.

          Trumps Leute sehen gute Chancen für das Projekt, weil es nach mehreren Anpassungen jenem Steuerreformplan gleicht, den Republikaner im Repräsentantenhaus unter Führung von Fraktionschef Paul Ryan entwickelt haben. Das überparteiliche Tax Policy Center hat ausgerechnet, dass Trumps Plan, sollte er komplett verwirklicht werden, zum Wirtschaftswachstum von aktuell knapp  2 Prozent rund 1,7  Prozentpunkte hinzuaddieren würde fürs Jahr 2017.

          Einen zusätzlichen Impuls soll das große Infrastrukturprogramm im Volumen von einer Billion Dollar in zehn Jahren  liefern, dass Trump zum Teil aus den zusätzlichen Steuereinnahmen für repatriierte Konzerngewinne finanzieren. Er hat in seiner Rede nach der Wahl das Versprechen wiederholt und damit klar gestellt, dass es ganz oben auf seiner Agenda steht.

          Der Plan sieht vor, die zurückgeführten Auslandsgewinne pauschal mit zehn Prozent zu versteuern. Trumps Ökonom Stephen Moore erwartet, dass auf dieses Weise allein 150 Milliarden Dollar für den Ausbau und die Erneuerung von Straßen, Brücken und Flughäfen herausspringt. Weitere Erlöse versprechen sich Trumps Berater aus der Verpachtung von Staatsland an Öl- und Gasunternehmen.

          Trump hilft der Fed, die Zinsen zu erhöhen

          Wenn Ökonomen auch die Finanzierung der Vorhaben und das Ausmaß ihrer Wirkung mit sehr großen Zweifeln versehen, besteht doch weitgehend Einigkeit, dass Wirtschaft kurzfristig stimuliert wird. Da die Volkswirtschaft laut Definition der amerikanischen Zentralbank nahe der Vollbeschäftigung arbeitet, erzeugen Trumps Stimulanzen zusätzlichen inflationären Druck. Eine wachsende Wirtschaft sucht mehr Beschäftigte, die sie nur zu guten Löhnen finden. Firmen trachten Lohnsteigerungen durch Preissteigerungen zu kompensieren. Inflation ist die Folge. Trumps Politik bereitet damit das Feld für die Fed, ihre Geldpolitik zu normalisieren. 

          Selbst Trumps hoch umstrittenen Pläne für eine Beschränkung von Immigration und Freihandel beflügelten die Inflation. Im Juli dieses Jahres veröffentlichte der Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen einen Aufsatz mit prophetischer  Qualität. Darin lud er die Leser zu einem Gedankenexperiment ein: Man stelle sich vor, ein Präsident Trump belegte chinesische Importe mit Strafzöllen. Das würde die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu Produkten „Made in USA“ lenken und damit Preise nach oben bringen. Amerikanische Firmen würden in einem Wirtschaftskrieg mit China Kundschaft verlieren und amerikanische Konsumenten sähen sich mit höheren Preisen konfrontiert, doch zugleich würden Firmen laut Eichengreen animiert, ihre Produktion auszuweiten und Leute einzustellen. Eichengreen warnt vor einer solchen Wirtschaftspolitik vor allem wegen geopolitischer  Folgen und  weist zusätzlich darauf hin,  dass eine solche Politik für Amerika nur in einer deflationären Situation wie jetzt positiv wirken könnte.

          Was für den Protektionismus gilt auch für Beschränkung der Immigration und für die Ausweisung illegaler Beschäftigte, beides Politiken, die in Trumps Wahlkampf  eine wichtige Rolle spielten. Ein solches Programm hat schwer wiegende negative Folgen für die Wirtschaft. Aber es würde, in letzter brutaler Konsequenz verwirklicht, das Arbeitskräfteangebot vermindern und hätten damit das Potential, Löhne, Preise und Zinsen nach oben zu bringen. Mittelfristig könnte das wegen steigender Refinanzierungskosten aber vor allem die öffentlichen Finanzen dramatisch unter Druck setzen.

          Kurzfristig erleichtert Trump Yellen den nächsten Zinsschritt. Ihr Vertrag läuft noch bis Februar 2018. Trumps Berater signalisieren, dass der künftige Präsident nicht die Absicht habe, Yellen vorzeitig aus dem Amt zu drängen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tipp von Achim Wiese: Nach dem Sonnen erstmal langsam abkühlen und nicht direkt ins Wasser springen.

          Tipps zur Badesaison : „Eltern müssen mit ins Wasser“

          Mit dem Sommer hat auch die Badesaison begonnen. Einfach so ins Wasser springen sollte man aber nicht: Achim Wiese vom DLRG erklärt, worauf große und kleine Badegäste achten müssen und welches Gewässer am gefährlichsten ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.