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Donald Trump : Bloß raus aus Washington

„König“ Donald in seiner Sommerresidenz Mar-a-Lago. Bild: AFP

Donald Trump verbringt seine Wochenenden regelmäßig in seinem Luxusklub in Florida. Für viele Betriebe in der Region ist das ein Albtraum.

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          Donald Trump hat einmal gesagt, wenn er Präsident wäre, würde er das Weiße Haus nur selten verlassen. Er würde kaum noch Zeit haben, seine vielen Golfplätze zu besuchen, weil er sich in Washington „den Arsch aufreißen“ werde.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Den früheren Präsidenten Barack Obama wiederum hat Trump regelmäßig dafür attackiert, dass er neben dem Regieren Zeit zum Golfen fand. Obama spiele mehr Golf als Tiger Woods, ätzte er. „Wir haben keine Zeit für so etwas. Wir müssen arbeiten.“

          Privatklub statt „Arsch aufreißen“

          All das ist nun, da Trump tatsächlich Präsident ist, Geschwätz von gestern. Seit seinem Amtsantritt im Januar hat Trump regelmäßig am Wochenende Washington verlassen. Sein bevorzugtes Ziel dabei war Mar-a-Lago, sein protziger Privatklub in Palm Beach in Florida.

          Hier war er schon an fünf Wochenenden, seit er Präsident ist, und er hat die Anlage selbst „Winter White House“ getauft. Trump ist auch wiederholt beim Golfspielen gesichtet worden. Ein Ende der Florida-Trips ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: In der nächsten Woche will Trump den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Mar-a-Lago empfangen.

          Drei Millionen Dollar Steuergelder jedes Wochenende

          Für den amerikanischen Steuerzahler sind Trumps ständige Reisen nach Florida in seiner Präsidentenmaschine Air Force One ein teures Vergnügen. Schätzungen zufolge schlägt jeder Besuch mit drei Millionen Dollar zu Buche.

          Auch für den Landkreis Palm Beach County geht Trumps Reiselust ins Geld. Nach Angaben von Lois Frankel, der für die Region zuständigen Kongressabgeordneten, haben Trumps bisherige Besuche hier allein bei der örtlichen Polizei schon zusätzliche Kosten von 1,7 Millionen Dollar verursacht.

          Bitte weniger oft kommen

          Der Besuch aus China in der kommenden Woche werde mit 280.000 Dollar zu Buche schlagen. Frankel hat in dieser Woche einen Brief an Trump geschrieben, und ihn darum gebeten, dafür zu sorgen, dass die Regierung die in Palm Beach anfallenden Kosten übernimmt. Andernfalls möge er doch bitte seine Trips nach Florida künftig reduzieren.

          Besonders hart trifft Trumps Präsenz in Florida den Lantana Airport, einen kleinen Flughafen ganz in der Nähe von Mar-a-Lago. Der Flughafen muss seinen Betrieb fast vollständig einstellen, wenn Trump vor Ort ist. Er fällt in einen Zehn-Meilen-Radius, innerhalb dessen zum Schutz des Präsidenten bei dessen Anwesenheit keine Privatmaschinen fliegen dürfen.

          Privatflughafenbetreiber unter Präsidenten-Druck

          Lantana ist auf genau solche Privatflüge spezialisiert, zum Beispiel für Flugschüler und Touristen. Die Linienflüge auf dem größeren und ebenfalls sehr nahe an Mar-a-Lago gelegenen Palm Beach International Airport dürfen dagegen auch bei Trumps Anwesenheit weiter abheben. Für den Lantana-Flughafen sind die Wintermonate die wichtigste Zeit des Jahres, und gerade an Wochenende herrscht hier üblicherweise Hochbetrieb, was Trumps Anwesenheit in jüngster Zeit besonders schmerzhaft gemacht hat.

          Lantana-Betreiber Jonathan Miller sagte der Nachrichtenagentur „Associated Press“, einer seiner Mieter, ein Hubschrauberunternehmen, habe den Flughafen wegen der ständigen Betriebsunterbrechungen schon verlassen, was ihn 440.000 Dollar an jährlichen Einnahmen kosten werde. Der Flughafen beschäftigt dem Bericht zufolge 200 Menschen.

          Restaurant-Gäste bleiben weg

          Auch andere Betriebe in der Region beklagen sich. Der Besitzer eines Restaurants in der Nähe von Trumps Klub sagte der „New York Times“ kürzlich, während der Anwesenheit des Präsidenten seien an einem Samstag wegen der massiven Sicherheitsvorkehrungen 70 Personen mit Reservierungen nicht erschienen.

          Freilich ist Trumps Präsenz keineswegs nur ein Übel. Beauftragte für Wirtschaftsförderung und Tourismus reiben sich die Hände, weil sie meinen, Trump beschere ihnen Gratiswerbung, die unter dem Strich gut für die Region sein werde. Und auch für Mar-a-Lago selbst gibt es offenbar keinen Grund zur Klage. Die Aufnahmegebühr in den Klub ist nach Trumps Wahl auf 200.000 Dollar verdoppelt worden.

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