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Welttoilettentag : Toiletten als kulturelles Problem

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Nicht für alle das Non-plus-ultra des Toilettengangs Bild: dpa

Viele Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberen Toiletten - darauf weisen die UN mit dem Welttoilettentag hin. Für Flüchtlinge in Deutschland können Toiletten ein kulturelles Problem sein - etwa, weil sie Wasser statt Papier gewohnt sind.

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          Toiletten hierzulande können ein kulturelles Problem sein - das betont die German Toilet Organization (GTO) anlässlich des Welttoilettentags am 19. November. So seien viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, keine Sitztoiletten gewohnt. Außerdem sei es in anderen Kulturkreisen üblich, Wasser statt Toilettenpapier zur Reinigung zu verwenden. Das gelte etwa im Islam als Voraussetzung für rituelle Reinheit.

          Als Reaktion auf solche Probleme hat die GTO zusammen mit dem Technischen Hilfswerk (THW) ein Empfehlungspapier zum Thema Sanitäranlagen für Flüchtlingsunterkünfte erstellt. Darin wird unter anderem zwischen Sitz- und Hocktoiletten sowie zwischen „Wischern“ und „Waschern“ unterschieden. Hilfsorganisationen und Sozialverbände sollen so auch Empfehlungen für den Bau sanitärer Anlagen bekommen.

          „In allen Einrichtungen sind idealerweise beide Nutzungsmöglichkeiten zu berücksichtigen und Toiletten (inklusive Ausstattung) für unterschiedliche Kulturen zur Verfügung zu stellen“, heißt es in dem Papier. Weil das oft nicht möglich sei, könnten die Probleme nur mit Kommunikation und Aufklärung abgemindert werden. Hierfür sollten in den Unterkünften „Hygieneberater“ eingesetzt werden - etwa Menschen aus dem arabischen Raum, die schon länger in Deutschland lebten. Der Verein unterstützt die Helfer vor Ort unter anderem beratend.

          „Es gibt immer wieder Berichte aus Flüchtlingsunterkünften, in denen Frauen und Männertoiletten nicht getrennt sind“, sagte der GTO-Sprecher. Frauen besuchten solche Toiletten häufig wegen mangelhafter Sicherheit und Privatsphäre nicht. „Übergriffe sind in den engen und distanzlosen Unterkünften keine Seltenheit.“

          Zudem gebe es noch ein anderes Problem: „Es gibt vereinzelt Berichte aus Gemeinden mit großen Flüchtlingsunterkünften, deren Kläranlagen aufgrund der höheren Einwohnerzahl oder einer Vielzahl von Chemie-Toiletten an der Kapazitätsgrenze laufen oder versagen“, sagte der Sprecher. Hinzu komme, dass mobile Toiletten knapp würden.

          Die German Toilet Organization e. V. ist ein gemeinnütziger Verein. Er möchte das Bewusstsein für saubere und nachhaltige Toiletten- und Abwassersysteme verstärken.

          Die Vereinten Nationen haben den 19. November zum Welttoilettentag erklärt. Etwa 2,5 Milliarden Menschen haben nach UN-Angaben keinen Zugang zu einfachster Sanitärversorgung. Das diesjährige Motto lautet „Bessere Sanitärversorgung für bessere Ernährung“. Es soll darauf aufmerksam machen, dass auf Toiletten übertragene Krankheiten besonders in ärmeren Ländern zu Unterernährung führen können - etwa wenn als Folge von Durchfall wertvolle Kalorien verloren gehen.

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