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Keine Reha für Anlagebetrüger : Uni Chicago lässt „fabelhaften Fab“ fallen

  • -Aktualisiert am

Der nicht mehr ganz so „fabelhafte Fab“ Bild: REUTERS

Der wegen Betrugs in Diensten von Goldman Sachs verurteilte Fabrice Tourre sollte ein Seminar für Wirtschaftsstudenten leiten. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist der Universität von Chicago nun offenbar zu viel geworden.

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          Fabrice Tourre, der als „fabelhafter Fab“ Wall-Street-Geschichte geschrieben und im vergangenen Jahr wegen Betrugs verurteilt wurde, tut sich mit seinem Karrierewechsel schwer. Der ehemalige Angestellte der Investmentbank Goldman Sachs promoviert derzeit im Fach Volkswirtschaft an der Universität von Chicago. Ab Ende März sollte Tourre ein Seminar für fortgeschrittene Studenten leiten. Thema: „Elemente volkswirtschaftlicher Analyse 3“, eine Einführung in makroökonomische Theorie.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Nachdem das „Wall Street Journal“ und andere amerikanische Medien darüber berichtet hatten, wurde der Universität die Aufmerksamkeit offenbar zu viel. Tourre wurde in dieser Woche kurzfristig und ohne Angabe von Gründen als Dozent abgesetzt. Derartige Lehrveranstaltungen gehören zu den Voraussetzungen für eine Promotion in Chicago. Tourre werde die Vorgaben auf andere Weise erfüllen können, hieß es.

          Tourre war im vergangenen August von einem Geschworenengericht in New York wegen Wertpapierbetrugs verurteilt worden. Die Börsenaufsicht SEC hatte Tourre in dem vielbeachteten Verfahren vorgeworfen, als Angestellter von Goldman Sachs vor sechs Jahren Investoren beim Kauf von komplexen Hypothekenanleihen getäuscht zu haben. Zu den Investoren gehörte auch die deutsche Bank IKB. Es war einer der seltenen Fälle in Zusammenhang mit der Finanzkrise, in denen es zu einem Prozess gegen eine Einzelperson kam.

          Goldman Sachs hatte die Vorwürfe der SEC schon 2010 mit einem außergerichtlichen Vergleich und einer Rekordstrafe von 550 Millionen Dollar beigelegt. Der Fall Tourre hatte auch wegen kurioser Emails Aufsehen erregt, die der damals 28 Jahre alte Franzose an seine Freundin geschickt hatte. Er erweckte darin den Eindruck, einen Zusammenbruch der Finanzmärkte vorhergesehen und den Kunden von Goldman dennoch zum Scheitern verurteilte Produkte aufgedrückt zu haben. „Das ganze Gebäude steht vor dem Kollaps … einzig möglicher Überlebender, der fabelhafte Fab“, fabulierte Tourre damals.

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