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„Stock Connect“ : Wann öffnet China seinen Aktienmarkt?

Börse in Hongkong Bild: AP

Spätestens ab dem heutigen Montag sollte die ganze Welt in China Aktien kaufen dürfen. Doch nun weiß niemand, wann die „Stock Connect“ zwischen Hongkong und Schanghai kommt. Der Börsenbetreiber schiebt die Studentenproteste vor.

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          Als „Miniglobalisierung“ feierte es die Credit Suisse, andere als „Meilenstein auf Chinas Weg der Öffnung“: das geplante Programm „Stock Connect“. Mit ihm können Investoren aus aller Welt – und Privatleute über einen Broker – über die schon immer freie Börse Hongkong nun Aktien chinesischer Festlandfirmen kaufen, die nur in Festlandschina an der Börse in Schanghai notiert sind und bisher nicht oder nur mit allerlei Ausnahmegenehmigungen von einzelnen Investoren erworben werden durften. Auf 2 Billionen Dollar Marktkapitalisierung schätzt die UBS den Wert der knapp 600 Unternehmen, deren Anteile nun für internationale Investoren handelbar werden. „Zu groß“ sei dieser Batzen, als dass man ihn ignorieren könne, jubelten jüngst die Investmentbanker von Goldman Sachs.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          An einem „Montag im Oktober“ werde der Startschuss für die neue Börsenverbindung fallen, hatte der Betreiber versprochen. Dass nun an diesem letzten Oktober-Montag die Aktienkurse in Hongkong und Schanghai im Minus sind statt im Plus, hat mit Enttäuschung zu tun: die Stock Connect, der „Meilenstein“ – sie gibt es schlichtweg noch nicht. Und noch nicht mal der Börsenbetreiber weiß, wann die chinesischen Behörden die Genehmigung erteilen.

          Er habe keine Ahnung, wann die Stock Connect eröffnet werden solle, sagte Charles Li, Chef der Hongkonger Börse am Sonntag. Die chinesischen Regulatoren hätten kein Datum genannt, sicher sei nur: die Genehmigung fehle weiterhin. Er könne den Behörden nicht vorgreifen, sagte Li, um anschließend dennoch die Mutmaßung in den Raum zu stellen, die Studentenproteste in Hongkong hätten die Eröffnung der Stock Exchange verhindert: „Es würde mich nicht überraschen, wenn wichtige Entwicklungen in Hongkong wie diese einen Entscheidungsfaktor darstellen würden.“ Hongkongs Ruf als Hort von Stabilität und Rechtsstaatlichkeit stehe auf dem Spiel. Dass die Stock Exchange komme, stehe jedoch außer Zweifel: „Die Frage ist nicht ob, sondern wann.“

          Verzögerung mit anderen Worten

          Die Frage nach dem Wann ist in China allerdings entscheidend. Dass die Zentralbank vergangenes Frühjahr einen Zeitplan zur Zinsliberalisierung festschreiben wollte, wies die eigene Regierung kurz darauf mit den Worten zurück, vor einem festen Termin müsse eine solche Reform erst ihren „geregelten Gang“ gehen, in China ein anderes Wort für Verzögerung.

          So warten auch ein Jahr nach der Eröffnung der mit vielen Vorschusslorbeeren behängten Freihandelszone in Schanghai die Marktteilnehmer immer noch darauf, dass Güter und Dienstleistungen in nennenswerter Qualität und Anzahl dort auch wirklich frei handelbar werden. Selbst Ministerpräsident Li Keqiang hat jüngst bei einem Besuch in Schanghai bemängelt, wie langsam die Reform vorangehe – was bei vielen Beobachtern zur Frage geführt hat, wer denn eigentlich über den Reformprozess entscheide, wenn nicht die Regierung.

          Vergangenen April hatte Li die Stock Connect vorgestellt, wonach auch in der Theorie jeder Deutsche über einen Broker von der Hongkonger Börse (Marktkapitalisierung: 3,3 Billionen Dollar) direkt an der Börse in Schanghai (2,6 Billionen) A-Aktien erwerben kann (A steht für Aktien aus Schanghai mit Notierung in Yuan, während H-Aktien die in Hongkong gehandelten Werte bedeuten). Insgesamt soll das Programm bei täglich 23,5 Milliarden Yuan gedeckelt sein (2,9 Milliarden Euro). Händler hatten gehofft, dass Peking die Quoten später anhebt, wenn das Programm erfolgreich ist. Nun hoffen sie vor allem, dass die Stock Connect überhaupt startet.

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