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Wall Street : Neun Jahre Gefängnis wegen Insiderhandels

  • -Aktualisiert am

Martoma mit seiner Frau Bild: Reuters

Ein Geschworenengericht hatte Mathew Martoma, einen ehemaligen Angestellten des umstrittenen Hedgefonds SAC Capital, im Februar wegen illegaler Aktiengeschäfte verurteilt. Bei der Festsetzung des Strafmaßes zeigte der zuständige Richter jetzt keine Milde.

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          Preet Bharara agierte so gnadenlos wie es sich für einen Bundesstaatsanwalt von Manhattan ziemt, der sich in den vergangenen Jahren den Spitznamen „Sheriff der Wall Street“ erworben hat. Mindestens acht Jahre Gefängnis hatten seine Leute für Mathew Martoma gefordert, den im Februar von einem Geschworenengericht wegen Insiderhandels verurteilten früheren Fondsmanager des Hedgefonds SAC Capital.

          Norbert Kuls
          (nks.), Freier Autor

          Der zuständige Bundesrichter Paul Gardephe folgte den Argumenten Bhararas. Auf neun Jahre setzte er am Montag das Strafmaß fest. Dazu muss der 40 Jahre alte Martoma auch den Bonus von 9,4 Millionen Dollar zurückzahlen, den er 2008 von SAC-Gründer Steven Cohen erhalten hatte. Martoma hatte vertrauliche Informationen über Ergebnisse klinischer Tests genutzt, um mit Wetten auf zwei Pharmaaktien 276 Millionen Dollar für SAC Capital zu verdienen. „Die Summen, um die es hier geht, sind atemberaubend und die Höhe der Strafe muss ausreichen, um andere abzuschrecken“, begründete Gardephe seine Entscheidung. (Im amerikanischen Rechtssystem entscheidet eine Jury über Schuld und Unschuld von Angeklagten. Der Richter führt durch den Prozess, weist die Geschworenen an und setzt das Strafmaß fest.)

          Die Strafe gegen Martoma ist eine der härtesten, die je wegen derartiger Delikte verhängt wurden. Die bisher längste Gefängnisstrafe wegen Insiderhandels, 12 Jahre, verhängte ein Bundesrichter in New Jersey 2012 gegen einen ehemaligen Wirtschaftsjuristen. Martomas Anwälte, die ein Revisionsverfahren ankündigten, hatten auf mildernde Umstände plädiert. Ihr Mandant, dessen Frau sich im Gerichtssaal Tränen aus den Augen wischte, hat drei kleine Kinder.

          ...die Großen lässt man laufen

          Milde hätte sich Martoma wohl erkaufen können, wenn er mit der Staatsanwaltschaft kooperiert und gegen Cohen ausgesagt hätte. Der Branchenstar war das große Ziel von Bharara gewesen, der seit 2009 einen großen Feldzug gegen Insiderhändler an der Wall Street führt. Insgesamt haben sich seither 81 Leute schuldig bekannt oder sind von einem Gericht verurteilt worden. Allein acht davon waren wie Martoma ehemalige Mitarbeiter von SAC Capital.

          Martoma war Bhararas letzte und größte Chance, auch Cohen dingfest zu machen. Zum ersten Mal wurde Cohen bei diesem Fall nämlich direkt mit fragwürdigen Geschäften in Verbindung gebracht. Es ging um die Aktien der Pharmakonzerne Elan und Wyeth, die SAC auf Anweisung von Cohen im Juli 2008 verkaufte – kurz bevor öffentlich gemacht wurde, dass Tests für ein wichtiges Alzheimermedikament negativ ausgefallen waren.

          Bevor Cohen den Verkauf und zusätzliche Wetten auf fallende Kurse dieser Titel anordnete, hatte er nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft 20 Minuten lang mit Martoma telefoniert. Der wiederum war einen Tag zuvor von einem Arzt über die Testergebnisse informiert worden. FBI-Agenten und Vertreter der Staatsanwaltschaft drängten Martoma dazu, den Inhalt des Telefongesprächs preiszugeben. Aber der Fondsmanager blieb standfest und riskierte einen Prozess, obwohl er schon 2010 von Cohen entlassen worden war.

          Cohen persönlich wurde nicht belangt. Zwar musste sein Hedgefonds in Vergleichen mit Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht SEC die Rekordstrafe von 1,8 Milliarden Dollar zahlen. Dazu darf Cohen kein Geld externer Investoren mehr verwalten. Er nannte SAC Capital deswegen in Point72 Asset Management um und verwaltet nun nur noch sein eigenes, auf 10 Milliarden Dollar geschätztes Vermögen. Weiter anhängig ist ein zivilrechtliches Verfahren der SEC, die ihm die Verletzung seiner Aufsichtspflichten vorwirft. Im vergangenen Jahr verdiente Cohen nach Angaben des Fachmagazins Alpha 2,4 Milliarden Dollar. Damit rangierte er unter den Spitzenverdienern seiner Branche auf Platz zwei.

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