https://www.faz.net/-gqe-7vd9t

Wall Street : Hedgefonds leiden unter Marktturbulenzen

  • -Aktualisiert am

Handel an Wall Street Bild: AP

Den Hedgefonds an der Wall Street gehen nach dem überraschenden Rückzug der großen Pensionskasse Calpers langsam die Argumente aus. Prominente Fondsmanager haben im Oktober mit ihren Wetten wieder kräftig daneben gelegen.

          2 Min.

          Hedgefonds in Amerika müssen nach dem angekündigten Rückzug der kalifornischen Pensionskasse Calpers den Verlust anderer großer Kunden fürchten. Geschwächt werden die Argumente für Anlagen in Hedgefonds jetzt auch noch von Verlusten prominenter Branchenstars. Die Hedgefonds Jana Partners, Discovery Capital und Paulson & Co. haben im Oktober bislang zwischen 5 Prozent und 11 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 ist trotz eines turbulenten Handelsverlaufs im gleichen Zeitraum nur um 3,5 Prozent gefallen. Für Hedgefonds ist das peinlich, weil sie oft damit werben, aufgrund ihrer flexiblen Anlagestrategien in allen Marktlagen überdurchschnittlich gut abzuschneiden.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          So wurde John Paulson, der Gründer von Paulson & Co. an der Wall Street berühmt, weil er vor der Finanzkrise korrekt auf fallende Häuserpreise gewettet hatte. Das Glück verließ Paulson in diesem Monat jedoch. Er und andere Konkurrenten hatten mit dem Vollzug der angekündigten Übernahme des irischen Pharmakonzens Shire durch den amerikanischen Konkurrenten Abbvie gerechnet. Der Kurs von Shire brach allerdings ein, als der 54-Milliarden-Dollar-Zusammenschluß überraschend abgesagt wurde. Auch die Kurse anderer Unternehmen, die grenzüberschreitende Fusionspläne hegen, gerieten deswegen unter Druck. Die Verluste von Paulsons Advantage Fonds summieren sich in diesem Jahr schon auf fast 22 Prozent. Jana, dessen wichtigster Fonds im Oktober um 5 Prozent fiel, litt unter Wetten auf Energiettitel. Zahlreiche Fonds hatten angesichts der wirtschaftlichen Erholung in den Vereinigten Staaten die Schwäche in Asien und Europa unterschätzt, hieß es an der Wall Street.

          Calpers, die Pensionskasse für den öffentlichen Dienst des amerikanischen Bundesstaates Kalifornien und die größte ihrer Art in den Vereinigten Staaten, hatte die Branche im September geschockt. Calpers kündigte an, sich im Laufe des kommenden Jahres komplett aus Anlagen in Hedgefonds zurückziehen zu wollen. Ted Eliopoulos, der Chefanleger von Calpers, hatte den Sinneswandel mit den Kosten und der Komplexität der Fonds begründet. Calpers hatte zuletzt 4 Milliarden Dollar in 24 Hedgefonds und sechs sogenannte Dachfonds investiert – ein im Vergleich zu anderen Pensionskassen kleiner Teil seiner Gesamtanlagen. Da Calpers in der Investmentbrache aber als Vordenker und Trendsetter bekannt ist, scheint die Wirkung des Rückzugs weit über die konkrete Summe hinausreichen. In San Francisco hat der städtische Pensionsfonds kürzlich eine Abstimmung über die Anlage von 15 Prozent seines verwalteten Vermögens in Hedgefonds vertagt. Im texanischen Austin erwägen die Vermögensverwalter des örtlichen Pensionsfonds für die Polizei, dem Beispiel von Calpers zu folgen und alle Anlagen aus Hedgefonds abzuziehen.

          Hedgefonds können im Gegensatz zu traditionellen Investmentfonds  sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse von Aktien oder anderen Wertpapieren wetten. Zudem versuchen sie häufig mit geliehenem Geld den Einsatz und die Renditen zu erhöhen. Dafür verlangen sie aber hohe Gebühren. Hedgefonds berechnen ihren Kunden in der Regel Managementgebühren von 2 Prozent des verwalteten Vermögens und einen Anteil von 20 Prozent am Gewinn.

          Während der Finanzkrise vor sechs Jahren waren Hedgefonds nicht so stark unter Druck geraten wie der breite Aktienmarkt. Seit fünf Jahren hängt die durchschnittliche Wertentwicklung der Fonds dem seit 2009 haussierenden Aktienmarkt kontinuierlich hinterher.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Armin Laschet, der neue Parteivorsitzende einer gespaltenen CDU.

          Neuer CDU-Vorsitzender : Mit Laschet auf Nummer Sicher

          So eindeutig Armin Laschet sich gegen Friedrich Merz durchsetzen konnte, so gespalten bleibt die Partei. Laschet wird die Kanzlerkandidatur ansteuern. Die Entscheidung darüber fällt in den Landtagswahlen.

          Panne bei CDU-Parteitag : „Das Mikro stand auf Grün“

          Hans-Werner Adams war der heimliche Star des CDU-Parteitags – obwohl er gar nichts gesagt hat. Im Interview spricht der CDU-Delegierte über Probleme mit der Technik, Fassbier – und seine Meinung zum Ausgang der Wahl zum Vorsitzenden.

          Nach Niederlage : Merz will Wirtschaftsminister werden

          Die Wahl um den CDU-Parteivorsitz hat Friedrich Merz verloren. Dem Sieger Armin Laschet hat er nun angeboten, als Wirtschaftsminister in die Bundesregierung einzutreten – und zwar in die jetzige. Die Kanzlerin will ihr Kabinett allerdings nicht umbilden.
          Der Feind, gegen den neue Verdachtstheorien in Politik und Gesellschaft immer militanter agitieren, ohne ihn erkennen zu wollen, ist die Komplexität der Lage selbst.

          Verdachtstheorien : Das Komplott war die Geschichte selbst

          Schon in den sechziger Jahren riefen die politischen Ereignisse bei vielen Zeitgenossen tiefes Misstrauen hervor. Was verrät die Konjunktur von Verschwörungstheorien über die geistige Situation der Zeit?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.