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Amerikanische Zentralbank : Wagt die Fed die Zinswende?

Der Sitz der Fed in Washington Bild: Reuters

Wissenschaftler und Ökonomen spekulieren heftig über eine mögliche Zinswende. Ein genauer Blick zeigt, wie die Chancen auf eine Zinserhöhung stehen vor der entscheidenden Sitzung der amerikanischen Notenbank.

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          Es wäre ein kleiner Schritt für die Fed, aber ein großer für die Menschheit: Diesen Eindruck gewinnt zwangsläufig, wer die Vorberichterstattung, die Ökonomenkommentare und die  Analystenwarnungen verfolgt hat, die die heutige turnusmäßige Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) eingeläutet hat. Diesmal waren die Fanfaren der Auguren besonders laut, weil die amerikanische Zentralbank die Zinswende einleiten könnte, nachdem der Leitzins seit Dezember 2008 nahe null steht.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Motive der Fed sind einigermaßen klar: Sie sieht eine zu lange Null-Zinsphase als krankhaft an, den niedrigsten Leitzins sieht sie durch die besonderen Umstände der Finanzkrise und deren Bewältigung gerechtfertigt. Doch jetzt deuten einige Daten darauf hin, dass es der amerikanischen Volkswirtschaft wieder gut geht. Sie wächst laut Internationalem Währungsfonds dieses Jahr um 2,5 und nächstes Jahr um 3 Prozent.  Die Arbeitslosigkeit ist auf ein Tief von 5,1 Prozent gesunken. Die Reallöhne steigen langsam.

          Wo steckt die Inflation?

          Was an diesem Erholungsprozess allerdings beunruhigt, ist die Preisentwicklung. Von einer Volkswirtschaft, die wieder in Schwung kommt, würde man einige Erhitzungstendenzen erwarten, die sich in der Preisentwicklung spiegeln. Doch die Inflation bleibt verschwunden, die Preise für Konsum in Städten ist im August sogar leicht gesunken. Rechnet man allerdings  Benzin und Lebensmittel aus dem Index heraus, dann ist die Steigerung größer. Die Fed will erklärter Maßen den Leitzins erhöhen, wenn die Inflation einigermaßen  sicher auf die zwei Prozent zugeht.

          Viele führende Ökonomen in den Vereinigten Staaten sind gegen eine Zinswende zu diesem Zeitpunkt, sie sehen ein asymmetrisches  Risiko. Eine Zinswende könnte demzufolge Turbulenzen und Kapitalabflüsse aus in den Schwellenländern provozieren und auch in der heimischen Wirtschaft Schäden anrichten. Das Risiko, das Einsetzen der Inflation zu verpassen sei dagegen gering, argumentiert zum Beispiel der Harvard-Ökonom Larry Summers. Denn von Inflation sei weit und breit nichts zu sehen.

          Fed-Vize Stanley Fischer dagegen hat angedeutet, dass er eine Zinswende befürwortet: Zu langes Warten habe auch seine Nachteile, die Lage werde dann nicht klarer, sondern nur anders unklar.  Die Wetten sehen so aus: 30 Prozent glauben, dass die Fed einen kleinen Schritt wagt, 70 Prozent dagegen glauben an einen Aufschub. Es gibt noch zwei Sitzungen der Fed in diesem Jahr, auf denen sie über die Zinswende beraten könnte.

          Die Notenbank Fed

          Das Federal Reserve System - kurz Federal Reserve oder einfach Fed - ist die Notenbank Amerikas. Die mächtige Organisation kontrolliert einige der wirtschaftlichen Stellschrauben der Vereinigten Staaten. Ihre Entscheidungen haben oft unmittelbaren Einfluss auf die weltweite Geld- und Wirtschaftspolitik. Präsidentin der Fed ist Janet Yellen (69). Sie ist die erste Frau an der Fed-Spitze in der 100-jährigen Geschichte der Zentralbank.

          Die 1913 vom amerikanischen Kongress gegründete staatliche Organisation leitet die amerikanische Geldpolitik. Außerdem kontrolliert und reguliert sie die Banken des Landes und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe. Übergeordnete Ziele der Fed sind eine möglichst hohe Beschäftigung, stabile Preise sowie günstige Zinsen. (dpa)

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