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Wachstum : Japan und Indien enttäuschen

Textilfabrik in Gurgaon, Nord-Indien Bild: REUTERS

Die Nummer zwei und drei der asiatischen Volkswirtschaften legen schwache Zahlen vor. Während in Japan die privat Nachfrage drastisch sinkt, steigen in Indien die Preise.

          Keine guten Nachrichten aus Japan und Indien: Die Nummer zwei und drei der asiatischen Volkswirtschaften bleiben in schwierigem Fahrwasser. In Japan leidet das Wachstum stark unter der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Indien bekommt die Teuerung nicht in den Griff. Zudem wird ein schwächer als erhoffter Monsunregen die Landwirtschaft belasten. Von ihr hängen immer noch 40 Prozent der Inder ab – auch wenn der Agrarsektor nur noch 14 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Zwischen April und Juni schrumpfte die japanische Wirtschaft so stark, wie zuletzt in Folge des verheerenden Tsunami im März 2011. Im zweiten Quartal ging die Wirtschaftsleistung Japans um 1,7 Prozent zurück – dies ergibt eine hochgerechnete Jahresrate von 6,8 Prozent. Die private Nachfrage, die 60 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, gab auf das Jahr hochgerechnet um 19,2 Prozent nach. Die privaten Investitionen gingen um fast 10 Prozent zurück. Die Menschen hatten das erste Quartal genutzt, um ihre Anschaffungen noch vor der angekündigten Erhöhung der Verbrauchssteuer von 6 auf 8 Prozent Anfang April zu tätigen. Im Oktober 2015 soll die Steuer ein weiteres Mal auf dann 10 Prozent angehoben werden.

          Ministerpräsident Shinzo Abe hofft nun auf eine rasche Erholung im dritten Quartal. Doch deutet die Entwicklung im Juni in eine andere Richtung. Der Ausstoß in Japan sank so rasch wie zuletzt im März 2011. Wirtschaftsminister Akira Amari erklärte am Mittwochmorgen in Tokio, die Regierung stehe bereit zu handeln, wenn sie es für nötig erachte. Analysten spekulierten, die Bank of Japan werde ihre Konjunkturhilfen weit in das nächste Jahr fortsetzen. Die Japaner spüren auch die höhere Inflationsrate: Im Juni stiegen die Preise im Jahresvergleich um 3,6 Prozent. Die Preise für Lebensmittel legten sogar um 5,1 Prozent zu.

          Inflation macht Indien zu schaffen

          Während höhere Preise in Japan Hoffnung auf ein dauerhaftes Ende der Deflationsspirale machen, leiden die Inder unter viel zu schnell steigenden Preisen. Im Juli lagen die Verbraucherpreise in Indien 8 Prozent über dem Vorjahreswert. Sie klettern sogar wieder schneller: Der Anstieg im Juni hatte bei 7,4 Prozent gelegen. Lebensmittel kosteten im Juli sogar schon wieder gut 9 Prozent als im Sommer vergangenen Jahres. Die weiter steigenden Preise zwingen Notenbankgouverneur Raghuram Rajan, den Leitzins mit 8 Prozent weiter hoch zu halten. Das aber belastet die Wachstumsrate und bleibt damit auch unter der neuen Regierung in Delhi ein Politikum. Das Wachstum der Industrieproduktion verlangsamt sich: Hatte sie im Juni noch 5,6 Prozent zugelegt, wuchs sie im Juli noch um 3,4 Prozent. Rajan hat sich verpflichtet, den Anstieg der Konsumentenpreise bis Januar 2015 unter 8 Prozent, im Jahr darauf unter 6 Prozent zu drücken. Die Notenbank verhandelt mit der Regierung, ein Inflationsziel von 4 Prozent plus oder minus 2 Prozentpunkte ab 2016 einzuführen.

          Druck auf die Preise kommt nun aber auch von einer Seite, die die indische Regierung nicht beeinflussen kann: Der Monsun ist deutlich schwächer, als erhofft. Er muss traditionell rund 70 Prozent des jährlichen Wasserbedarfs Indiens decken, liegt aber derzeit nur bei 87 Prozent seines langjährigen Durchschnittswertes. Damit ist vorgezeichnet, dass Lebensmittel wieder teurer werden, weil die Ernten geringer ausfallen werden.

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