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Vor der Fed-Entscheidung : Kauft Amerikas Notenbank weniger Anleihen?

Der aktuelle Fed-Chef und seine Nachfolgerin: Ben Bernanke und Janet Yellen. Bild: AFP

In der Vorweihnachtswoche lädt Amerikas Notenbank wieder zu dem Ratespiel, ob sie endlich ihre Anleihekäufe verringert. Ein Überblick über die wichtigsten Argumente.

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          Die Notenbank Federal Reserve in Washington lädt abermals zu dem seit dem Sommer beliebten Ratespiel, ob sie ihre Anleihekäufe von 85 Milliarden Dollar im Monat verringern wird oder nicht. Im Frühsommer hatte der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke die Verringerung für die kommenden Monate in Aussicht gestellt, falls die Wirtschaft sich hinreichend gut entwickele, und damit einen rasanten Zinsanstieg ausgelöst. Im September schreckte die Fed dann vor der eigenen Courage zurück, auch weil die Lage am Arbeitsmarkt gar nicht mehr nach Verbesserung aussah.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Am Dienst und Mittwoch nun tagt der Offenmarktausschuss wieder. Das Ergebnis gibt es am Mittwoch um 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Danach wird Bernanke in seiner letzten Pressekonferenz die Entscheidung erläutern. Zugleich legt die Fed neue Prognosen für Wachstum und Inflation vor.

          In Umfragen sind die Analysten und Volkswirte, die eine Minderung der Anleihekäufe schon in dieser Woche erwarten, weit in der Minderheit. Die meisten der Analysten setzen auf die übernächste Sitzung im März, weil die Fed dann – im Gegensatz zur Januarsitzung – wieder eine Pressekonferenz abhalten wird. Der ehemalige Fed-Vorsitzende Donald Kohn erklärte Ende vergangener Woche, er würde mit einer Rücknahme der Anleihekäufe bis kommendes Jahr warten. „Es ist aber ein knappe Entscheidung“, sagte Kohn.

          Wirtschaftliche Erholung ist stabiler

          Das liegt vor allem daran, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten auf eine stabilere wirtschaftliche Erholung hinweisen. Die Rendite der Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist darob auf 2,88 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 7 Prozent, gegenüber 7,8 Prozent im September 2012, als die Fed das Ankaufprogramm auflegte. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der neuen Stellen durchschnittlich um 195.000 gewachsen, gegenüber rund 150.000 im Herbst 2012. Das reale Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal um – auf ein Jahr gerechnet – 3,6 Prozent. Der Einzelhandel berichtet bislang von einem soliden Weihnachtsgeschäft.

          An all diesen Zahlen kann man mäkeln und auf Sondereffekte verweisen, die sie besser aussehen lassen als sie in Wirklichkeit sind. Tatsächlich aber stellen sie eine deutliche Verbesserung gegenüber Herbst 2012 dar, wie sie die Fed für eine Minderung der Anleihekäufe gefordert hatte. Die offene Frage ist: Ist der Offenmarktausschuss davon überzeugt, dass die positiven Daten auf Dauer so bleiben?

          Bedenken könnten die Geldpolitiker entwickeln, weil der Preisdruck zuletzt sank. Der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben, der von der Fed als Inflationsmaß bevorzugt wird, lag im Oktober nur noch 0,7 Prozent höher als vor einem Jahr. Dabei strebt die Notenbank eine Rate von 2 Prozent an.

          Im Politischen spricht für einen Beginn des Ausstiegs aus den Anleihekäufen die Einigung der Parteien im Kongress auf einen Budgetkompromiss, der bis 2015 weitestgehend Ruhe im Fiskalstreit und sogar steigenden Ausgaben der Bundesregierung verheißt. Die Fed hat in den vergangenen Monaten intensiv betont, wie sehr der ihrer Meinung nach übertrieben schnelle Sparkurs in diesem Jahr das Wachstum gebremst habe. Dass jetzt sogar für zwei Fiskaljahre die Ausgaben steigen sollen, sollte die Fed aus ihrer Perspektive somit beruhigen.

          Ein Wermutstropfen dabei ist, dass mit dem Budgetkompromiss noch keine Einigung auf eine Erhöhung der Schuldengrenze verbunden ist, die Anfang März notwendig wird. Hier bahnt sich neue fiskalische Unsicherheit an. Am Sonntag kündigte Paul Ryan, der republikanische Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Abgeordnetenhaus an, die Partei werde Anfang des kommenden Jahres ihre Bedingungen für eine Anhebung der Schuldengrenze stellen.

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