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Smartphones : Verliert Apple den chinesischen Markt an Xiaomi?

Besser als ein iPhone? Bild: dpa

Die Chinesen kaufen mehr Smartphones des heimischen Aufsteigers Xiaomi als iPhones – prompt fällt der Kurs der Apple-Aktie. Ist das eine Momentaufnahme oder ein Trend?

          4 Min.

          Als am Montagnachmittag die New Yorker Technologiebörse Nasdaq schloss, war das für einige Unternehmen, die im Silicon Valley beheimatet sind, der Abschluss eines unguten Handelstages. Die Aktie des Kurznachrichtendienstes Twitter war um 5,6 Prozent auf einen neuen Tiefstwert von 29 Dollar gefallen. Der Kurs des Computerhersteller Hewlett-Packard gab um 1,6 Prozent nach.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Insofern ließe sich der Fall der Apple-Aktie um 2,4 Prozent auf 118 Dollar als normale Korrektur interpretieren, wäre der Preis nicht seit Februar bereits um 11 Prozent abgerutscht; wäre er nicht an neun der vergangenen zehn Handelstage gefallen - und hätte die Wall Street nach der Präsentation der Quartalszahlen Ende Juli am Erfolgskurs des iPhone-Herstellers geäußert, weil nicht klar ist, wie sich die Apple Watch im Markt schlägt und Unsicherheit darüber herrscht, ob sich der unbestrittene Verkaufserfolg des iPhones 6 mit dem Nachfolgemodell einfach so fortschreiben lässt.

          China ist der größte Markt

          Vor allem aber ist der Preisfall der Apple-Aktie am Montag bemerkenswert, da zuvor zwei Marktforschungsinstituten übereinstimmend berichtet hatten, Apple habe die Krone im weltweit größten Markt für Smartphones verloren: In China, einem Land mit je nach Messung 500 bis 700 Millionen Smartphonenutzern, lag Apples Marktanteil im Ende Juni abgelaufenen zweiten Quartal den Analysehäusern Canalys und Counterpoint Research mit gut 12 Prozent nur noch an dritter Stelle hinter dem Zweitplatzierten Huawei aus Shenzen und dem hauchdünn führenden Hersteller Xiaomi aus Peking, der in diesem Zeitraum knapp 16 Prozent aller Smartphones in China verkauft hat.

          Das Reich der Mitte ist für Apple nicht irgendeine Verkaufsregion. Die 1,4 Milliarden Einwohner zählende Nation dürfte noch in diesem Jahr zum größten Absatzmarkt für die Kalifornier werden. Die Strahlkraft der Marke in den vielen Millionenmetropolen des riesigen Landes ist riesig. Die Apple-Stores in Peking und Hangzhou sind voll. In Schanghais Trendvierteln brummt die Apple Watch an unzähligen Handgelenken statusbewusster Chinesen. Und als der Autor dieses Artikels jüngst in Hongkong nach dem neuen, hauchdünnen MacBook fragte zwecks Erwerbs, brachen die Apple-Mitarbeiter in mitleidiges Gelächter aus – seit Wochen war das Gerät aufgrund der Nachfrage chinesischer Touristen vom Festland in sämtlichen zehn Apple-Verkaufsstellen der Stadt ausverkauft.

          Momentan vorne

          Tatsache ist: China hat die jüngste Quartalsbilanz von Apple gerettet. Im Vergleich zum Vorjahrszeitraum hat sich der Umsatz des Konzerns in China glatt verdoppelt. Marktanteilszahlen, vor allem für den kurzen Zeitraum von drei Monaten, sind da eher eine Momentaufnahme. Und die Schätzungen von Analysten sind ohnehin mit Vorsicht zu genießen. Bereits in früheren Quartalen hatte Xiaomi schon mal die Marktführerschaft inne. Dass der Hersteller, der oft als „das chinesische Apple“ bezeichnet wird, derzeit am meisten Telefone verkauft, hat auch damit zu tun, dass die Markteinführung des iPhone 6 nunmehr auch schon fast zehn Monate zurückliegt. Xiaomi hingegen hat mit seinem neuen Phablet Mi Note und dem nur ein Sechstel eines iPhones teuren Redmi 2 mit 4,7-Zoll-Bildschirm und den Gehäusefarben „Limettengrün“ und „Pulvergelb“ zwei neue Bestseller auf dem Markt gebracht.

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