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Vereinigte Staaten : Autogewerkschaft vor den Volkswagen-Toren

Bald auch Gewerkschaftler? Arbeiter im VW-Werk in Tennessee Bild: AP

Volkswagen lässt in Amerika den Einzug der Autogewerkschaft abstimmen. Für die UAW wäre ein positives Votum ein Coup: Sie hat es noch in kein Werk eines ausländischen Herstellers geschafft.

          2 Min.

          Jetzt wird es ernst für die amerikanische Autogewerkschaft UAW. Die Mitarbeiter im amerikanischen Werk von Volkswagen in Chattanooga (Tennessee) werden in der kommenden Woche darüber abstimmen, ob sie sich von der UAW vertreten lassen wollen. Am Montag setzte die Arbeitsbehörde National Labor Relations Board (NLRB) eine Geheimwahl für den 12. bis 14. Februar an. Für die UAW steht viel auf dem Spiel, denn VW könnte zum ersten amerikanischen Werk eines ausländischen Herstellers werden, bei dem die Gewerkschaft einzieht. UAW-Präsident Bob King hat es zu einer Top-Priorität seiner seit Jahren mit Mitgliederschwund kämpfenden Gewerkschaft erklärt, sich bei den Standorten ausländischer Unternehmen zu etablieren. Er versucht es auch in den amerikanischen Werken von Daimler und Nissan, aber nirgendwo ist er seinem Ziel so nahe wie jetzt bei VW.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          VW will in Chattanooga einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild gründen, da das Werk der einzige Standort des Konzerns in der Welt ohne Arbeitnehmervertretung ist. Nach amerikanischem Recht kann so ein Betriebsrat nur eingerichtet werden, wenn er mit einer Vertretung durch eine Gewerkschaft verbunden ist, und dieser Umstand öffnet nun der UAW die Tür.

          Das Vorhaben stößt aber auf einigen Widerstand. Die südlichen amerikanischen Bundesstaaten, in denen sich VW ebenso wie Daimler und BMW mit ihren Werken angesiedelt haben, gelten als gewerkschaftsfeindliches Revier. Amerikaner machen die Gewerkschaften mitverantwortlich für die Turbulenzen der Autoindustrie in den vergangenen Jahren, etwa weil sie den Unternehmen allzu großzügige Sozialleistungen abgerungen haben. Prominente Politiker in Tennessee haben sich in scharfen Worten gegen einen Einzug der Gewerkschaft bei VW ausgesprochen. UAW-Chef King gibt sich zuversichtlich. Er sagte der F.A.Z. in einem Gespräch vor wenigen Wochen, dass eine „klare Mehrheit“ in dem VW-Werk eine Vertretung durch die UAW befürworte.

          Miserabele Absatzzahlen

          Unterdessen hat VW am Montag einmal mehr miserable Absatzzahlen für Amerika vorgelegt. Im Januar fiel die Zahl der verkauften Autos gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent. Zwar meldeten viele Hersteller schwache Januar-Zahlen, aber VW schnitt besonders schlecht ab. Auf dem Gesamtmarkt sanken die Verkaufszahlen um 3 Prozent. Unternehmen machten vor allem das schlechte Wetter im vergangenen Monat für das schleppende Geschäft verantwortlich.

          Die Zahlen vom Automarkt haben zusammen mit schwachen Konjunkturdaten am Montag zur schlechten Stimmung an der Wall Street beigetragen. Nachdem schon der Januar enttäuschend war und erhebliche Kursverluste brachte, verdüsterte sich das Bild am ersten Handelstag im Februar weiter. Der Dow-Jones-Index sackte um 326 Punkte auf 15372 Punkte ab. Der S&P 500 fiel um 41 Punkte auf 1742 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rutschte um 107 Punkte auf 3997 Punkte.

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