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Neue Studie : Verdirbt Fracking das Trinkwasser?

Vermutlich doch nicht so unbedenklich wie gedacht: In einer aktuellen Studie der amerikanischen Umweltbundesbehörde kommt Fracking nicht so gut weg. Bild: AP

Die amerikanische Umweltbehörde will jetzt nicht mehr völlig ausschließen, dass sich Fracking negativ auf die Qualität des Trinkwassers auswirkt. Dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gefällt das gar nicht.

          Voriges Jahr veröffentlichte die amerikanische Umweltbundesbehörde die Rohfassung eines Berichts über das Fracking und dessen Wirkung auf das Trinkwasser. Der Kernsatz der 1200 Seiten starken Studie enthielt die Botschaft, dass die spezielle Fördermethode keinen landesweiten, systemisch weitreichenden Einfluss auf das Trinkwasser hat. Es war der Satz, den die gesamte Industrie immer wieder zitierte, während einzelne Wissenschaftler Anstoß an ihm nahmen. Jetzt ist die finale Version des Berichts erschienen. Und der entscheidende Satz fehlt.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          In dem finalen Report, der im Auftrag des Kongresses den Stand der Wissenschaft spiegeln soll, heißt es nun, unter bestimmten Umständen kann Fracking das Trinkwasser doch gefährden. „Es gab Umstände, unter denen das Fracking Trinkwasser-Quellen beeinträchtigt hat“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde Reportern. Ob damit ein systematisches Risiko verbunden sei, könne die Bundesbehörde aber mangels Daten nicht beantworten. Das Amt glaubt aber, die Bedingungen zu kennen, unter denen die Risiken fürs Trinkwasser größer sind.

          Fracking ist eine Bergbaumethode, für die große Mengen Wasser, Sand und Chemikalien in eine unterirdische Felsformation gepumpt werden, um das Gestein aufzubrechen, damit es Gas und/oder Öl freigibt. Das Risiko für Trinkwassergefährdungen steigt, so die Autoren der Studie, wenn für die Prozedur Wasser aus limitierten Grundwasservorkommen gepumpt wird. Die Behörde warnt auch davor, dass die Chemikalienmischung in Grundwasserreservoirs gelangen könne. Schließlich ist die Entsorgung des in der Regel kontaminieren Abwassers mit Risiken verbunden. Oft wird es in vorhandene versiegende Ölquellen gepumpt und kann darüber theoretisch ins Grundwasser geraten. In der Rohfassung war noch von wenigen Fällen die Rede, im finalen Befund fehlt dieser Hinweis.  

          Trump will Fracking fördern

          Das von der Öl- und Gasindustrie bezahlte American Petroleum Institute attackierte den Bericht unverzüglich nach der Veröffentlichung als unwissenschaftlich und politisch inspiriert. Es sei schon jenseits des Absurden, dass die Regierungen quasi zum Abschied eine Kehrtwende vollziehe. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der neuen Regierung, um faktenbasierter Wissenschaft wieder ein Platz im öffentlichen Diskurs zu geben.“

          Der künftige amerikanische Präsident Donald Trump hat sich im Wahlkampf nachdrücklich fürs Fracking ausgesprochen und will zusätzliches Staatsland für die Förderung fossiler Brennstoffe zugänglich machen. Enger Berater von Trump ist der Fracking-Pionier und Milliardär Harold Hamm. Für die Führung der Umweltbehörde hat Trump den Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Scott Pruitt, vorgesehen, der bisher oft erfolgreich als Kläger gegen die von der Umweltbehörde erlassene Saubere-Energie-Direktive (clean energy plan) und andere Verordnungen aufgefallen ist. Pruitts zentrales Argument vor Gericht war aber nicht, dass zu viel Umweltschutz schade, sondern dass sich die Umweltbundesbehörde zu viele Rechte anmaße.

          Trumps Energieminister soll der ehemalige texanische Gouverneur Rick Perry werden, der zuletzt 2012 nachweisbar Zweifel am Mitwirken des Menschen am Klimawandel formulierte. Gestern traf Donald Trump den Microsoft-Gründer Bill Gates, der aktuell seinen Wagniskapitalfonds für Energietechnologien der Zukunft bewirbt.

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