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Energiegewinnung : Texas‘ Fracker erschrecken die Scheichs

Fracking-Anlage in der Nähe von Texas Bild: AFP

Amerika erlebt die zweite Welle des Ölbooms durch Fracking. Diesmal in Texas. Keine guten Nachrichten für die Ölscheichs.

          Das Permbecken ist viermal so groß wie Niedersachsen. Es bedeckt Texas und ragt im Nordwesten ein Stück nach New Mexico hinein. Dass die Gesteinsformation reichlich Rohöl und Erdgas birgt, ist alt bekannt. Schon 1921 wurde dort die erste Ölquelle erschlossen. Immer wieder wurde gebohrt, Öl und Gas gefördert und abtransportiert, mal mehr, mal weniger, je nach Preis und Nachfrage. Doch seit die Bergbaumethoden des „hydraulic fracturing“ und des horizontalen Bohrens auf breiter Front Einsatz finden, können alte Vorkommen neu erschlossen werden. Dank der technischen Entwicklung  werden verwaiste mittelgroße Ölfelder plötzlich zu Giganten mit dem Potential, den ganzen Weltmarkt durcheinander zu wirbeln.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Im November vergangenen Jahres vermeldete die staatliche Behörde für Geologie den Abschluss der Vermessung des mitten im Permbecken gelegenen Ölfelds Wolfcamp. Das Resultat: Es ist das größte Vorkommen, das in den Vereinigten Staaten je vermessen wurde. Größer als Bakken, die Gesteinsformation, die in North Dakota einen Boom ausgelöst hatte. Nur noch das legendäre saudi-arabische Vorkommen Ghawar ist noch reichhaltiger, im Moment. In Wirklichkeit haben die Geologen nicht mehr Öl aufgespürt, sie haben nur neu ermittelt, wie weit die alten Quellen mit neuen Methoden ausgebeutet werden können.

          Spätestens seit die staatlichen Geologen das Potential von Wolfcamp besiegelt haben, gibt es kein Halten mehr. Jeder Ölförderer will ein Stück vom Permbecken. 22 Milliarden Dollar investierten Ölkonzerne in die Permbecken-Region, mehr als in jede andere Ölregion der Welt, vermelden die Analysten vom Energiedienst  Rystad. Im Januar gab Exxon bekannt, dass es 111.000 Hektar Land im Herz des Permbeckens erworben hat für rund 6,6 Milliarden Dollar. Doch der wahre Pionier heißt auch so: Pioneer Natural Resources. Der langjährige Chef der Firma, Scott Sheffield, entschied schon 2005, alle internationalen Beteiligungen zu verkaufen und sich nur auf Vorkommen in Texas zu konzentrieren. 2011 setzte er komplett auf die neuen Bergbaumethoden des Frackings und des horizontalen Bohrens. Schon in den späten achtziger und neunziger Jahren hatte er von sich zurückziehenden Ölfirmen das Land in der Größe des Bundesstaates Rhode Island oder 314.000 Hektar gesichert. Kaum ein Unternehmen ist so gut positioniert, das Permbecken auszubeuten.

          Den neuen texanischen Ölboom hatte nicht jeder im Kalkül. Im April 2015 hatten die Vereinigten Staaten mit  einer Fördermenge von knapp 10 Millionen Fass (ein Fass fasst 159 Liter) einen Spitzenwert erreicht - vor allem dank der Fracker. Doch weil die Organisation der Erdölländer Opec ihre eigene Produktion konstant hielt, wurde der Weltmarkt mit Öl geradezu überschwemmt. Im folgenden Preiskampf gingen viele kleine amerikanische Ölförderer unter, sie konnten mit Preisen von weniger als 50 Dollar je Fass nicht überleben. Seit April 2015 ging die Förderung in den Vereinigten Staaten stetig nach unten. Doch seit Oktober 2016 geht es nach Angaben der staatlichen Energy Information Agency wieder aufwärts. Und das ist vor allem den Texanern zu verdanken.

          Trump will geschützte Regionen für Fracker erschließbar machen

          „Wir erleben gerade die zweite Welle des amerikanischen Angebotswachstum“, sagte Fatih Birol, Chef der Internationalen Energy Agency, auf einer Ölkonferenz in Houston. Der Boom konzentriert sich im Permbecken, weil die Gesteinsformation besonders günstige Voraussetzungen bietet. Man muss sie sich wie einen Baumkuchen vorstellen. Viele der Schichten bergen Öl und Gas. Die neue Technik, die vertikales und horizontales Bohren kombiniert, erlaubt die gleichzeitige Ausbeutung von gleich mehreren Schichten.       

          Die Unternehmen, die den Preiskrieg mit der Opec überstanden haben, konnten zudem die Kosten dramatisch senken. Heute sieht sich das einstige Ölkartell amerikanischen Unternehmen gegenüber, die selbst mit einem Verkaufspreis von 50 Dollar je Fall Gewinne erzielen, nicht nur in der Permbecken-Region.

          Rückendeckung bekommen die kleinen und großen amerikanischen Ölkonzerne von der neuen Regierung des Präsidenten Donald Trump. Er will geschützte Regionen für die Fracker erschließbar machen und die Auflagen für die Förderung reduzieren.

          Für die Opec sind das alles eher schlechte Nachrichten. Sie hatte sich im November unter Führung von Saudi-Arabien durchgerungen, die Förderung zu drosseln. Auch Russland als Nicht-Opec-Mitglied erklärte sich bereit, die Produktion einzuschränken mit dem Ziel, die Preise für Öl hochzuhalten. Jetzt droht ihnen, dass die Amerikaner die Produktionslücke ausgleichen - dank der texanischen Fracker.

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