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„Trumponomics“ : Amerika erwägt Ende des Freihandels mit Südkorea

Samsung-Smartphone: Mag Donald Trump nun so gar nicht Bild: AFP

Mit dem Wasserstoffbombentest wächst die Bedrohung durch Nordkorea. Ausgerechnet jetzt stößt Amerika den Verbündeten Südkorea vor den Kopf und erwägt, den bilateralen Freihandel aufzukündigen.

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          Die Börse in Südkorea hat die Handelswoche mit einem kräftigen Abschlag begonnen. Der Leitindex Kospi lag zum Handelsauftakt am Montag 1,1 Prozent im Minus und konnte die Verluste später nur zum Teil wieder aufholen. Als ein Grund für das Minus wurde in Seoul der angeblich erfolgreiche Test einer Wasserstoffbombe durch Nordkorea am Sonntag genannt. Auf den Aktienkursen lastet aber auch eine andere Nachricht, die die wirtschaftlichen Aussichten in Südkorea eintrübt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Offenbar erwägt der amerikanische Präsident Donald Trump, den Freihandelsvertrag mit Südkorea nicht nur nachzuverhandeln, sondern ihn zur Gänze aufzukündigen. Amerikanische Medien berichteten am Wochenende, dass die Entscheidung dazu schon in dieser Woche fallen könne. Aufgeschreckt durch die Nachricht begannen amerikanische Wirtschaftsverbände wie die Handelskammer, politischen Gegendruck aufzubauen und ihre Mitglieder gegen einen Rückzug aus den Freihandelsvertrag zu mobilisieren, heißt es in den Berichten.

          Theaterdonner oder echte Drohung?

          In Seoul werden die Gedankenspiele Trumps zum Freihandelsvertrag mit Südkorea, dem engen Verbündeten seit Jahrzehnten, argwöhnisch betrachtet. Eine Aufkündigung des Vertrags, der das Kürzel Korus trägt, würde die amerikanisch-südkoreanischen Beziehungen deutlich belasten und das in einer Zeit, in der die gemeinsame Bedrohung durch Nordkorea immer stärker wird.

          Nordkoreas Bestreben, einen Keil zwischen Washington und Seoul zu treiben, erhielte Auftrieb. Über eine Aufkündigung des Korus-Vertrags entscheidet der amerikanische Präsident alleine ohne Zustimmung des Kongresses. Der Vertrag würde nach einem halben Jahr hinfällig, sobald Trump den Südkoreanern den Rückzug angekündigt hätte.

          Trump hatte direkt nach Amtsantritt den Abschied Amerikas aus dem pazifischen Freihandelsvertrag TPP mit elf Partnerstaaten verkündet. Im nordamerikanischen Freihandelsvertrag Nafta mit Kanada und Mexiko strebt er Änderung zugunsten der Vereinigten Staaten durch Neuverhandlungen an. Der Präsident begleitet diese Gespräche mit Drohungen, auch Nafta aufzukündigen.

          Ein Rückzug Amerikas aus den bilateralen Freihandelsvertrag mit Südkorea passte in diese protektionistische Strategie. Offen ist aber, ob die Drohung mit einer Aufkündigung des Vertrages ernst gemeint oder nur Theaterdonner ist, um die südkoreanische Regierung zum Einlenken in Nachverhandlungen zu bewegen.

          Amerika durch Korus nicht benachteiligt

          Die Versuche der Regierung von Trump, mehr Vorteile durch Nachverhandlungen zu erlangen, verliefen bisher nicht sonderlich erfolgreich. Die südkoreanische Regierung verweigert sich dem Ansinnen und verlangt zunächst eine bilaterale Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Folgen des 2012 in Kraft getretenen Vertrages. Erste Gespräche der beiden Länder mittels einer Videokonferenz im August endeten ohne klares Ergebnis.

          Nach Einschätzung der Regierung in Seoul haben von dem Freihandelsvertrag sowohl Südkorea als auch die Vereinigten Staaten durch vertiefte Handelsbeziehungen und mehr Direktinvestitionen von Unternehmen des Partnerlandes profitiert. Die Regierung Trump erzürnt indes, dass das Defizit Amerikas im Güterhandel mit Südkorea sich seit Inkrafttreten des Vertrags auf 27,6 Milliarden Dollar in etwa verdoppelt hat. Dabei unterschlägt die Regierung, dass die Vereinigten Staaten im selben Zeitraum ihren Überschuss im Dienstleistungshandel auf 10 Milliarden Dollar ausgebaut haben.

          Mehr amerikanische Autos, aber nicht mehr südkoreanische Handys

          Die Argumentation der Amerikaner, dass sie durch den Freihandelsvertrag benachteiligt würden, steht auch aus anderen Gründen auf wackeligen Beinen. Das bilaterale Handelsbilanzdefizit Amerikas mit Südkorea resultiert zu einem großen Teil im Handel mit Autos und elektronischen Geräten. Der Korus-Freihandelsvertrag hat die Handelsposition Amerikas in diesen Bereichen aber nicht geschwächt.

          Der Import von südkoreanischen Handys und Speicherbausteinen in die Vereinigten Staaten war schon vor dem Freihandelsabkommen zollfrei, gemäß einer Übereinkunft im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO. Und die amerikanischen Autobauer haben ihren Export nach Südkorea in den ersten Jahren des Freihandelsvertrags in etwa verdreifacht. Ihr Marktanteil an den Neuzulassungen in Südkorea ist zwar gering, vor allem im Vergleich zu Erfolgen deutscher Importeure. Doch gemessen in Dollar haben die Amerikaner weit mehr Autos in Südkorea verkauft als vor dem Korus-Vertrag.

          Ökonomen führen das größere Handelsbilanzdefizit Amerikas mit Südkorea deshalb nicht auf die Regeln des Freihandelsvertrages zurück, sondern schlicht und einfach darauf, dass die Vereinigten Staaten seit 2011 kräftig wachsen und mehr Güter importieren. Südkoreas Wirtschaft dagegen hat sich nun in den vergangenen Jahren sehr verhalten entwickelt, was den Import schwächt.

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