https://www.faz.net/-gqe-8gfqp

Präsidentschaftswahlen : So umgarnt Trump die Stahlarbeiter

Trump polarisiert. Bild: Reuters

Donald Trump gewinnt die alten Schwerindustriestandorte. Seine Rhetorik gegen Freihandel macht sich bezahlt. Die Stahlindustrie nutzt die Gunst der Stunde.

          In Pittsburgh/ Pennsylvannia hat United States Steel, Amerikas größter Stahlkonzern, seinen Hauptsitz. Doch produziert wird der Stahl inzwischen anderswo. Das war nicht immer so. Pittsburgh war Amerikas Stadt des Stahls, bis sie in den späten achtziger Jahren die meisten Werke dicht machten. Heute nennt sich das Footballteam nach dem Rohstoff Steelers und Touristen werden in einer Stahlnostalgie-Tour durch Industriedenkmäler geführt. Ende der achtziger Jahre lag die Arbeitslosigkeit zeitweise bei 17 Prozent.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Stadt schien wie gemacht für Donald Trump, den aussichtsreichen Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur. Denn der Immobilien-Unternehmer aus Manhattan pflegt mit seiner Rhetorik gegen Freihandel und Immigration immer in Regionen besonders stark zu gewinnen, die vom industriellen Strukturwandel besonders betroffen waren. „Und jetzt ratet mal, was ich mache, wenn ich Präsident werde“, rief Trump in die johlende Menschenmenge in Pittsburgh in der vergangenen Woche. Trump hat das gleiche Versprechen schon in Indiana gegeben, ein anderer Bundesstaat mit vielen metallverabeitenden Fabriken. Dort finden am 3. Mai die womöglich entscheidenden Vorwahlen, die Trump den Weg zu Präsidentschaftskandidatur öffnen können.

          Protektionismuswerbetour

          Die Vorwahlen in Pennsylvania einschließlich Pittsburgh und in vier weiteren Ostküstenstaaten waren ein Triumph für Trump. Sie waren es auch für Hillary Clinton, die ihre Lektion gelernt hat: Sie werde Verletzungen von Handelsvereinbarungen aggressiv verfolgen und China bestrafen, wenn das Land die Regeln verletzte und mit Produkten zu Dumpingpreisen in den amerikanischen Markt eindringe.

          Wenn es um Stahl geht, reagiert die Politik immer besonders sensibel und- protektionistisch. Der republikanische Präsident George W. Bush verhängte 2002 in seiner frühen Phase der Amtszeit Handelszölle auf ausländischen Stahl, was damals in Washington angesichts vereinter Anstrengungen von Stahlindustrie und verbündeten Gewerkschaftern politisch unvermeidlich galt.

          Die bösen Chinesen

          Heute ist die Situation vergleichbar: United States Steel legte eine offizielle Beschwerde gegen die größten chinesischen Wettbewerber ein bei der amerikanischen Kommission für internationalen Handel: Die Chinesen sprächen ihre Preise ab, klauten vertrauliche Informationen und unterliefen die Importregeln, in dem sie ihre Erzeugnisse falsch etikettierten. Die wegen unfairer Handelspraktiken in den Markt eingedrungenen Stahlprodukte müssten ausgeschlossen werden, fordert US Steel im seltenen Einklang mit der Stahlarbeitergewerkschaft.

          Die Allianz hat Hoffnung, dass der Vorstoß in der Regierung auf fruchtbaren Boden fällt . „Wenn China nicht zeitnah konkrete Maßnahmen ergreift, seine Überkapazitäten einschließlich des Stahlsektors zu reduzieren, dann blieben den Vereinigten Staaten keine Alternative als Maßnahmen zu ergreifen, um die heimische Industrie und die Arbeiter zu unterstützen“, lässt sich Penny Pritzker, Amerikas Handelsministerin zitieren.

          Washington erlebt in den Vorwahlen, wie in Regionen, die von den Folgen der Globalisierung besonders durcheinander gewirbelt werde, die Leute dazu neigen, Trump zu unterstützen, und reagiert . Trump selbst sieht nun guten Zeiten entgegen. In Indiana, einem der letzten wichtigen Vorwahlstaaten, gibt es wichtige Stahlwerke, die unter dem Druck aus China leiden. Trumps Politik zeigt schon Wirkung.

          Weitere Themen

          Trump legt im Streit um Grönland nach Video-Seite öffnen

          „Gemein“ : Trump legt im Streit um Grönland nach

          Der Vorstoß des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Grönland kaufen zu wollen, wächst sich zur diplomatischen Krise aus. In Dänemark wird Trumps Ansinnen von vielen als Affront empfunden. Trump seinerseits findet es „gemein“, dass die Dänen seine Pläne für „absurd″ halten.

          Topmeldungen

          Brände im Regenwald : Das ökologische Endspiel am Amazonas

          Der Amazonas-Regenwald produziert gut ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen. Die andauernden Waldbrände und der Raubbau an ihm sind nicht nur eine ökologische Katastrophe – sondern auch eine humanitäre.
          Zuletzt mehr Schatten: An der Wall Street standen die Aktienkurse zuletzt unter Druck.

          Aktienrückkäufe : Stützpfeiler der Wall Street gerät ins Wanken

          Amerikas Unternehmen kauften im zweiten Quartal weniger eigene Aktien. Angesichts des Handelskonflikts gilt das als weiteres Indiz für die Verunsicherung in den Vorstandsetagen. Bereiten sich die Unternehmen auf den Wirtschaftsabschwung vor?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.