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Unternehmer gegen Donald Trump : Auf Distanz zum Weißen Haus

Kenneth Frazier, Chef des amerikanischen Pharmariesen Merck, verlässt aus Protest Trumps Beraterteam (Archivbild). Bild: EPA

Merck-Chef Kenneth Frazier hat genug davon, Donald Trump zu beraten – und bietet dem Präsidenten öffentlich die Stirn. Ein anderer prominenter Manager folgt seinem Beispiel.

          4 Min.

          Die diversen Beratungsgremien von Top-Managern, die der amerikanische Präsident Donald Trump ins Leben gerufen hat, werden von weißen Männern dominiert. Frauen oder ethnische Minderheiten wie Afro-Amerikaner sind unterrepräsentiert, ebenso wie dies in Chefetagen amerikanischer Unternehmen der Fall ist. Wenn Trump sich mit seinen Beratern aus der Wirtschaft trifft, lässt er aber Vertreter dieser unterrepräsentierten Gruppen oft direkt neben sich sitzen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das hat den Effekt, dass die Gremien auf den Bildern, die hinterher in Medien zu sehen sind, weniger uniform erscheinen als sie es in Wirklichkeit sind. Mary Barra, die Vorstandsvorsitzende des Autoherstellers General Motors, hatte bei Sitzungen im Weißen Haus schon mindestens zweimal den Platz direkt neben Trump. Gleiches gilt für Kenneth „Ken“ Frazier, den Afro-Amerikaner an der Spitze des Pharmakonzerns Merck & Co.

          Trumps Probleme mit Frauen und Nicht-Weißen

          Sich auf eine solche Beraterrolle einzulassen, ist für weibliche und schwarze Manager womöglich ein besonderer Balanceakt. Trump ist schließlich schon oft mit sexistischen Äußerungen aufgefallen, und ihm ist vorgeworfen worden, die Sympathien rechtsextremer „White Supremacy“-Gruppen zu kultivieren, die Überlegenheit von Weißen gegenüber anderen Rassen propagieren.

          Der Merck-Chef hat trotzdem zunächst beherzt die Chance ergriffen, einen direkten Dialog mit Trump führen zu können. „Danke, Mister President, es ist gut, hier zu sein,“ sagte er im Februar bei einer Sitzung im Weißen Haus. Hinterher hatte er vor laufenden Fernsehkameras nur Gutes zu berichten und lobte das große Interesse an Steuersenkungen, das Trump signalisiert habe.

          Bei einem anderen Treffen sagte Frazier zur Freude des Präsidenten, dass Merck & Co. die Produktion für ein Krebsmedikament zurück in die Vereinigten Staaten bringe. „Das ist sehr gut“, sagte Trump und schüttelte Frazier die Hand.

          Scheidepunkt Charlottesville

          Mit der Harmonie ist es nun freilich vorbei. Zu Wochenbeginn legte der 62 Jahre alte Pharmamanager abrupt seinen Sitz im „American Manufacturing Council“ nieder, von dem sich Trump Hilfe bei der Stärkung der verarbeitenden Industrie im Land verspricht. Frazier reagierte damit auf Trumps zögerliche Distanzierung von rechtsextremen Gruppen nach gewalttätigen Ausschreitungen am Wochenende im amerikanischen Charlottesville.

          Der Präsident hatte Neonazis und andere Gruppierungen weißer Nationalisten, die den Aufmarsch in der Stadt organisierten, zunächst im Gegensatz zu vielen anderen Politikern nicht ausdrücklich verurteilt, sondern nur vage von „Gewalt auf vielen Seiten“ gesprochen. Erst im Laufe des Montags ließ er sich zu einer direkten Kritik der Extremisten hinreißen.

          Für Frazier kam das zu spät. Ohne Trump direkt beim Namen zu nennen, sagte er in einer Stellungnahme, Amerikas Führung müsse jeglichen Ausdruck des Hasses und der Überlegenheit einzelner Gruppen „klar zurückweisen“.

          Tobsuchtsanfall des Präsidenten

          Es war ein riskantes Manöver, schließlich ist die amerikanische Regierung ein wichtiger Kunde von Merck & Co. Trump nahm es alles andere als gelassen hin. Noch bevor sich er sich am Montag dazu durchrang, sich ausdrücklich von Neonazis zu distanzieren, griff er Frazier mit einem sarkastischen Twitter-Eintrag an.

          Nun, da Frazier das Gremium verlassen habe, werde er ja mehr Zeit haben, die „Abzockerpreise“ für Medikamente zu senken, sagte Trump. Und am Montag Abend legte er noch einmal nach und sagte, Merck & Co. sei ein Spitzenreiter in punkto „höheren und höheren Arzneimittelpreisen“ und ziehe gleichzeitig Arbeitsplätze aus Amerika ab.

          Es ist nicht ganz klar, warum die Reaktion des Präsidenten so zornig ausfiel. Vor Frazier haben schon einige andere prominente Manager wie Elon Musk vom Elektroautohersteller Tesla und Bob Iger vom Unterhaltungskonzern Walt Disney Beratungsgremien aus Protest verlassen, ohne ähnlich scharf attackiert zu werden.

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