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Umfrage : Asiaten fürchten Militärkonflikt mit China

Zankapfel: Die Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer. Bild: dpa

Sieben von zehn Asiaten haben Angst davor, dass der Konflikt zwischen China und einem seiner Nachbarländer im Ost- und Südchinesischen Meer eskalieren könnte. Das hat eine amerikanische Umfrage ergeben.

          2 Min.

          In der Bevölkerung Asiens nehmen die Befürchtungen zu, dass die diversen Territorialstreitigkeiten in der Region zu einem Militärkonflikt zwischen China und einem seiner Nachbarländer führen könnten. Das hat eine Umfrage des amerikanischen Pew Research Centre ergeben. Demnach sorgen sich sieben von zehn der Befragten auf den Philippinen, in Japan, Vietnam, Südkorea und Indien über eine mögliche Eskalation der Dispute im Ost- und Südchinesischen Meer. In allen elf untersuchten asiatischen Ländern teile mindestens die Hälfte der Menschen diese Sorge. In Amerika seien es sogar Zweidrittel der Befragten, in China 62 Prozent. Am höchsten war die Befürchtung eines Konflikts mit China auf den Philippinen mit 93 Prozent.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Mit dem Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht, der Aufrüstung des Militärs sowie einem zunehmend selbstbewussten Auftreten Pekings haben sich die Konflikte um Territorien und Seegebiete in der Region in den vergangenen Jahren verschärft. Peking streitet sich mit Tokio um eine Inselgruppe, die in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt wird. Im Konflikt mit Vietnam geht es vor allem um die Paracel- und die Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer. Mit den Philippinen geht es um die Spratly-Inseln und einige weitere Atolle, Riffe und Seegebiete. Auch Malaysia und Brunei erheben Anspruch auf die Spratlys, die sich mit denen Chinas überschneiden. Im Konflikt mit Indien steht der Grenzverlauf zwischen den beiden Ländern in Frage.
          Mit Blick auf Asien hat die Umfrage zudem ergeben, dass Amerika in der Gunst der Menschen immer noch deutlich besser dasteht als China. Immerhin haben 49 Prozent der Befragten aus weltweit 43 Ländern ein positives Bild von China, im Vergleich jedoch zu 65 Prozent von den Vereinigten Staaten. Drei der asiatischen Länder, die im Territorialstreit mit dem Nachbarn liegen, nannten China als größte Bedrohung für ihr Land: Japan, die Philippinen und Vietnam. Dagegen sehen die Menschen in China, Pakistan und Malaysia die Vereinigten Staaten als größte Bedrohung. In Indonesien wird Amerika sowohl als wichtigster Verbündeter als auch als größte Bedrohung gesehen. Für alle anderen asiatischen Länder ist Amerika der wichtigste Verbündete.

          Weltweit glaubt die Hälfte der Befragten, dass China irgendwann die Vereinigten Staaten als dominante Supermacht ersetzen wird. Doch trotz der klaren Unsicherheit, die der Aufstieg Chinas bei den Nachbarländern auslöst, wird der wirtschaftliche Erfolg nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance gesehen. Weltweit sehen 53 Prozent der Menschen Chinas wachsende Wirtschaftsmacht als positiv für ihr eigenes Land, 27 Prozent sehen sie negativ. Dementsprechend uneinheitlich ist das China-Bild der Befragten in den asiatischen Ländern. Während China in Pakistan, Bangladesch, Malaysia, Indonesien, Thailand und Südkorea überwiegend positiv gesehen wird, herrscht in den Ländern mit Territorialdisputen ein negatives China-Bild vor, so wie auch in Europa und den Vereinigten Staaten. In Deutschland sehen 64 Prozent der Menschen China in einem schlechten Licht, 28 Prozent in einem guten.

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