https://www.faz.net/-gqe-85ej6

Übernahmegerüchte : Weight Watchers soll geschluckt werden

  • -Aktualisiert am

Jean Nidetch, Gründerin von Weight Watchers,bei einer Feier 1995 Bild: AP

Der Diätspezialist steckt in einer schweren Krise. Im Zeitalter von Apps und Fitnessgeräten haben immer weniger Menschen Lust auf die berühmten Gruppentreffs. Jetzt soll es einen Kaufinteressenten geben.

          2 Min.

          Vor wenigen Wochen feierte Fitbit ein glänzendes Debüt an der Börse. Das für Fitnessarmbänder bekannte amerikanische Elektronikunternehmen erlebte an ersten Handelstag einen kräftigen Kurssprung. Die Börse bewertet Fitbit derzeit mit mehr als 8,5 Milliarden Dollar. Das ist eine stattliche Summe für ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von 745 Millionen Dollar erzielt hat. Aber das war eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr, und die Investoren setzen mit der hohen Bewertung auf weiteres Wachstum.

          Aktienkurs vom im freien Fall

          Aber während Fitness voll im Trend liegt, tun sich die Anbieter traditioneller Diäten schwer. Das bekommt Weight Watchers zu spüren, eine der wohl berühmtesten Adressen im Geschäft mit Gewichtsverlust. Dem für seine Gruppentreffen bekannten Unternehmen laufen die Kunden davon. Der Aktienkurs ist geradezu im freien Fall und hat seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung ist auf nur noch rund 230 Millionen Dollar abgesackt, und das, obwohl Weight Watchers in seinem jüngsten Geschäftsjahr noch fast doppelt so viel Umsatz machte wie Fitbit.

          Nun könnte das Unternehmen, das zu etwas mehr als 50 Prozent der in Luxemburg ansässigen Investmentgesellschaft Artal Group gehört, vielleicht verkauft werden. Nach einem Bericht der „New York Post“ erwägt ein nicht genannter Hedge-Fonds den Kauf des von Artal gehaltenen Anteils. Der Bericht gab dem Aktienkurs von Weight Watchers einen lange nicht gekannten Aufwind und ließ ihn um mehr als 8 Prozent steigen.

          Lange dabei

          In einer von kurzlebigen Diättrends geprägten Welt hat sich Weight Watchers eigentlich erstaunlich lange gehalten. Gegründet wurde das Unternehmen schon im Jahr 1963 von Jean Nidetch, einer übergewichtigen Hausfrau aus New York. Sie hatte nach einigen erfolglosen Diäten die Idee, es in der Gruppe zusammen mit anderen Frauen zu versuchen. Damit schaffte sie es, abzunehmen, und sie machte aus diesem Konzept von Gruppentreffs ein Geschäft und gründete Weight Watchers. Nidetch ist im April dieses Jahres gestorben.

          In einer Zeit, in der es immer mehr billige oder kostenlose Smartphone-Anwendungen („Apps“) gibt, die sich um Ernährung und Fitness drehen, lassen sich aber immer weniger Menschen überzeugen, Gebühren für das Angebot von Weight Watchers zu zahlen. Solche Apps wie auch die Popularität von Fitnessgeräten wie den Fitbit-Armbändern setzen dem Unternehmen zu. Und auch Computeruhren wie die Apple Watch haben Fitnessfunktionen. Weight Watchers hat selbst zugegeben, nicht schnell genug auf diese Veränderungen des Wettbewerbsumfeldes reagiert zu haben.

          Umsatz schrumpt

          All das hat tiefe Spuren im Geschäft hinterlassen. In seinem jüngsten Quartalsbericht meldete das Unternehmen, dass die Zahl der aktiven zahlenden Mitglieder gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent abgestürzt ist. Der Umsatz schrumpfte um mehr als 10 Prozent. Vorstandsvorsitzender Jim Chambers zeigte sich enttäuscht und gab eine ernüchternde Bestandsaufnahme: „Es wird länger dauern, als wir dachten, um wieder zu Wachstum zurückzukehren.“  

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die AfD-Fraktion im deutschen Bundestag berät sich nach der gescheiterten Wahl von Mariana Harder-Kühnel zur Bundestagsvizepräsidentin.

          Bundestagsarbeit : Die AfD macht nicht mit

          Früher einigten sich die Fraktionen im Bundestag auf eine Tagesordnung. Aber die AfD ist immer dagegen. Was tun?
          Frauen demonstrieren kurz nach Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2017 in Washington

          Entscheidende Wählergruppe : Trumps Frauen-Problem

          Frauen in den Vorstädten könnten über den Sieg bei der amerikanischen Präsidentenwahl entscheiden. Donald Trump umwirbt diese Wählergruppe intensiv. Nicht alle der Angesprochenen finden sein Vorgehen gut.
          Konrad Zuse hat nicht nur den ersten funktionierenden Computer gebaut.

          Deutscher Informatiker : Der unterschätzte Konrad Zuse

          Der Erfinder des modernen Computers hat noch mehr vollbracht: Dazu zählen eine Programmiersprache – und Pionierleistungen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.