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Übernahme : Dai-ichi Lebensversicherer kauft amerikanischen Konkurrenten

Bild: dpa

Es wäre die größte Übernahme durch einen japanischen Lebensversicherer: Dai-ichi Life Insurance will seinen amerikanischen Wettbewerber Protective Life für umgerechnet 4,3 Milliarden Euro erwerben.

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          Der japanische Lebensversicherer Dai-ichi Life Insurance will seinen amerikanischen Wettbewerber Protective Life kaufen. Das gab der drittgrößte japanische Lebensversicherer am Mittwoch in Tokio bekannt. Die geplante Übernahme soll voraussichtlich zum Januar kommenden Jahres abgeschlossen werden. Mit einem Volumen von 582,2 Milliarden Yen (4,3 Milliarden Euro) wäre dies die größte Übernahme eines ausländischen Unternehmens durch einen japanischen Lebensversicherer. Japanische Medien hatten bereits vor wenigen Tagen über den Schritt spekuliert. Wegen der rapide alternden und schrumpfenden Bevölkerung sehen japanische Versicherungsunternehmen auf dem heimischen Markt kaum noch Wachstumschancen. Mit dem Kauf der im amerikanischen Bundesstaat Alabama ansässigen Protective Life – die Nummer 20 auf dem amerikanischen Markt – wird Dai-ichi bei Versicherungsprämien mit Japans Nummer 1 auf dem Markt für Lebensversicherungen, der Nippon Life Insurance Co., gleichziehen, hieß es.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Dai-ichi will das Geschäft mit der Ausgabe neuer Aktien für 250 Milliarden Yen finanzieren und auf seine Barreserven zurückgreifen. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen die neuen Aktien im Juni 2015 ausgegeben werden. Dai-ichi will 70 Dollar je Aktie für den amerikanischen Lebensversicherer zahlen – das sind 34 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag vergangener Woche. Die Verhandlungen über die Übernahme haben im März begonnen. Wie es heißt, er-wägt Dai-ichi in Zukunft weitere Übernahmen von Versicherungsunternehmen oder Beteiligungen auf dem amerikanischen Markt. Der Vorstandschef von Protective Life, John Johns, hat die Führung von Dai-ichi dazu ausdrücklich ermuntert, berichtete er in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“, nachdem die Übernahme in Tokio bekannt gegeben worden war. „Wir glauben, dass das eine große Gelegenheit für Wachstum ist“, sagte Johns.

          In Tokio hieß es, dass Johns und die Führungsmannschaft bei Protective Life auch nach der Übernahme durch die Japaner für das Geschäft in Amerika verantwortlich bleiben. Es sei aber geplant, zwischen den beiden Lebensversicherern eng zusammenzuarbeiten und auch Mitarbeiter und Management an den jeweils anderen Firmensitz zu schicken.

          Dai-ichi sieht in seinem Drei-Jahresplan bis 2016 vor, rund 300 Milliarden Yen in die Übernahme ausländischer Versicherungsunternehmen zu investieren. Weil Lebensversicherer auf dem schrumpfenden japanischen Markt kaum noch Wachstumschancen sehen, setzen sie auf ausländische Märkte – vor allem auf die deutlich profitableren Märkte in Amerika und Europa. Dai-ichi hat bereits Versicherungsunternehmen in Vietnam und Australien gekauft und in Unternehmen in Indien und Indonesien investiert. Weil Gewinne in Schwellenländern allerdings erst nach einiger Zeit zu erzielen sind, steht Dai-ichi seit seinem Börsengang im April 2010 unter wachsendem Druck, sich stärker Europa und Amerika zuzuwenden. Die Übernahme von Protective Life ist ein erster großer Schritt in diese Richtung.

          Im vergangenen Jahr hat die 1902 gegründete Dai-ichi bei Prämien einen Umsatz von 4,35 Billionen Yen erzielt. Die 1907 ins Leben gerufene Protective Life meldete für das letzte Geschäftsjahr Umsätze von 2,98 Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten machen etwa 22 Prozent des weltweiten Marktes für Versicherungen aus. Es wird erwartet, dass der amerikanische Markt auch in Zukunft deutlich stärker wachsen wird als der amerikanische.

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