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Überfischung : Die haarige Krabben-Angelegenheit

Echt oder Badewanne? Bild: Picture-Alliance

In ganz Asien kommt derzeit die „haarige Krabbe“ aus Chinas Yangcheng-See als Delikatesse auf den Tisch. Das ruft windige Geschäftemacher auf den Plan – zu Lasten von Umwelt und Gesundheit.

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          Im Osten Chinas sind sie die beliebteste Spezialität der Herbstsaison: „Hairy Crabs“ heißt die Köstlichkeit, die beginnend mit den Feiertagen der „Goldenen Woche“ in China auf den Tisch kommt, wortwörtlich übersetzt: „Haarige Krebse“. Die fellbedeckten Scheren sind für diesen Namen verantwortlich. Für jene, die sie sich leisten können, sind sie ein Festmahl. Kenner schwören auf das cremige Fleisch der Gliederfüßer, dessen Geheimnis eine feine Schicht von im zehnten Mond-Monat zur Reife gelangten Samen bei den männlichen Spezies und Eiern bei den weiblichen ist.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Das Krabbenfleisch soll eine abkühlende Wirkung auf den Körper haben, glauben die Chinesen. Und sind bereit, für die Delikatesse aus dem Yangcheng-See bei Schanghai Hunderte von Yuan pro Krabbe zu bezahlen. Die bietet sehr viel weniger Fleisch als ihr Artgenosse aus dem Meer. Das Kilo der haarigen Krabbe kostet umgerechnet zwischen 90 und 100 Euro. Das sind Preise, die Anreiz zur Industrialisierung der Krabbenzucht bieten. Und so ist es nun auch eingetreten, wie die chinesischen Zeitungen beklagen: der Siegeszug der haarigen Krabbe durch die Gourmetrestaurants in Schanghai und Hongkong ziehe die Zerstörung der Umwelt nach sich, schreibt „China Daily“.

          Die 180.000 Hektar des Yangcheng-Sees teilen sich rund 1000 lizensierte Krabbenfischer für Zucht und Fang – und holen bis zu 2600 Tonnen des wertvollen Fleisches aus dem Wasser. Vorbei sind die friedlichen Tage, als sich die haarige Krabbe wild und fröhlich den Platz in der Nahrungskette selbst gesucht hat und sich hauptsächlich von den Pflanzen und Gräsern des Sees ernährte. Stattdessen fristen sie während der Zucht in riesigen Käfigen ihr Dasein und werden mit künstlich hergestelltem Futter versorgt.

          Chemische Keule

          Die Krabbenfischer selbst hatten dem Tier früher nie viel Beachtung geschenkt und konzentrierten sich lieber auf die Vermarktung des köstlichen, farbenprächtigen Mandarinfischs und des Umbers, einem Schattenfisch. Dann begann Ende der 70er Jahre Chinas wirtschaftlicher Aufstieg. Im britischen Hongkong fing die zunehmende Anzahl an chinesischen Geschäftsmännern und Beamten nach der Köstlichkeit aus der Heimat zu verlangen, je schneller die Küstenstadt Schanghai wuchs, desto schneller stiegen die Preise. Die Gourmets in Bangkok und Singapur begannen die Spezialität zu entdecken.

          Weil das Angebot der Delikatesse dabei nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten konnte, ist es ganz offensichtlich zu allerlei Fehlentwicklungen gekommen. Dem Zeitungsbericht zufolge wird immer öfter wachstumsfördernde Chemie unter das Krabbenfutter gemischt, damit die Krabben schneller und kräftiger wachsen. Das ist zum einen nicht gut für das Ökosystem des Sees. Und auch für den Verzehr sind die chemischen Zusätze alles andere als genusssteigernd.

          99 Prozent Badewannen-Krabben

          Die Krabben, die heute unter der Marke „Yangcheng“ verkauft werden, haben mit dem See nicht mehr viel zu tun. Viel zu teuer ist die Zucht dort durch den Hype geworden. Stattdessen beschreiben frühere Fischer, wie die Krabben in  weit entfernten Gewässern gezüchtet und ein bis zwei Wochen vor dem Verkauf in den Yangcheng-See geschmuggelt werden, damit so der hohe Preis des Originals erzielt werden kann.

          „Badewannen-Krabben“ heißen diese Fälschungen unter Eingeweihten: Yangcheng-Krabben, die im Yangcheng-See gerade mal untergetaucht wurden. Kenner machen eine einfache Rechnung auf: angesichts der Menge an Yangcheng-Krabben, die zwischen September und November verspeist werde und der Menge an Krabben, die im namensgebenden See tatsächlich produziert werden, könnten die echten Originale nur ein  Prozent der Gesamtmenge ausmachen.

          Hinsichtlich des Umweltschutzes haben die Behörden inzwischen gehandelt und große Teile des Sees mittlerweile unter Naturschutz gestellt. Nur noch in kleinen Gebieten ist die Krabbenzucht erlaubt. Was die wachstumsfördernden Mittel im Krabbenfleisch angeht: dazu sind keine Handlungen der Lebensmittelkontrolleure bekannt.

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