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Kritik via Twitter : Trump führt Toyota auf politisches Glatteis

Toyota will abwarten, bis der designierte amerikanische Präsident Trump seine Politik konkretisiert. Bild: AP

Japans größter Autobauer, Toyota Motor, wehrt sich gegen Vorwürfe und Drohungen des künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Doch Toyota hält sich alle Optionen offen.

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          Das bislang letzte Mal, dass der japanische Autobauer Toyota Motor in den Vereinigten Staaten in arge politische Bedrängnis kam, war zu Beginn dieses Jahrzehnts. Amerikanische Behörden untersuchten Rückrufe und Vorfälle scheinbar unerklärlicher Beschleunigungen von Toyotas Fahrzeugen, die zu Todesfällen geführt hatten. Es ging um rutschende Fußmatten, klemmende Gaspedale und eine angeblich fehlerhafte Elektronik. Der junge Unternehmenschef Akio Toyoda kam persönlich nach Washington, um im Kongress Rede und Antwort zu stehen. An seiner Seite erklärte der Präsident von Toyota Nordamerika, dass viele Toyotas amerikanische Fahrzeuge seien, weil sie in Amerika gebaut würden. „Sie meinen, die Schuld liegt bei den Amerikaner?“, pfiff ihn die Vorsitzende des Kongressausschusses daraufhin an. Für den Fortgang der Befragung war die Episode aus Toyotas Sicht nicht hilfreich.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          In den kommenden Monaten droht Toyota in Amerika ein ähnliches politisches Glatteis, auf dem sich leicht ausrutschen lässt. Der künftige Präsident Donald Trump hat in einer Nachricht auf dem Internetdienst Twitter Toyota direkt wegen geplanter Investitionen in Mexiko angegriffen. Wie schon anderen Autobauern droht er mit einem Strafzoll auf die Einfuhr in die Vereinigten Staaten. Amerikas Autobauer Ford hatte Anfang der Woche als Folge der Trumpschen Drohungen auf eine Milliardeninvestition in Mexiko verzichtet.

          „Toyota Motor sagt, es wolle ein neues Werk in Baja, Mexiko bauen, um Corollas für die Vereinigten Staaten zu bauen. NIEMALS!“, zwitscherte Trump. Toyota solle ein Werk in den Vereinigten Staaten bauen oder eine „große Grenzsteuer“ zahlen.

          Trumps Zwitscherei enthält einen dicken Fehler. Toyota hat schon ein Werk in Baja, in dem Tacoma-Pickups und Vorprodukte für die Tacoma gebaut werden, die Toyota in einem Werk in Texas herstellt. Dort will Toyota bis 2018 die Produktion von 100.000 auf 160.000 ausbauen. An einem neuen Werk aber baut Toyota nicht in Baja, sondern in der mexikanischen Provinz Guanajuato. Dort will Toyota von 2019 an rund 200.000 Corollas im Jahr bauen, die die Corolla-Produktion im amerikanischen Bundesstaat Mississippi ergänzen sollen. Im Gegenzug gibt Toyota die Corolla-Produktion in Kanada auf, wo das Unternehmen künftig größere Autos bauen will.

          Toyota zeigt sich pragmatisch

          Toyotas Reaktion auf den Trumpschen Vorwurf  folgt dem klassischen Muster: Der Autobauer präsentierte sich als guter amerikanischer Unternehmensbürger, „corporate citizen“, und verwies auf seine Investitionen in Amerika, wo es schon seit 1972 produzieren lässt. Zehn Werke plus Produktionsstätten von angeschlossenen Unternehmen, 136.000 Mitarbeiter, ein Investitionsvolumen von addiert fast 22 Milliarden Dollar. Rund 1,3 Millionen Autos baut Toyota in den Vereinigten Staaten, wie Angaben vom März 2016 zeigen.

          Demgegenüber ist Toyotas Engagement in Mexiko noch gering. Tatsächlich hinkt Toyota anderen Autobauern hinterher, die in den vergangenen Jahren Mexiko im nordamerikanischen Freihandelsraum Nafta zunehmend als Produktionsstandort entdeckt haben. Im Werk in Baja beschäftigt Toyota gerade mal 1100 Mitarbeiter, im neuen Werk in Guanajuato sollen es etwa 2000 werden. Zudem lässt Toyota bei Mazda in Mexiko Kleinwagen bauen. Andere Autobauer sind in Mexiko aktiver.

          So scheinbar abwehrend Toyotas Antwort auf Trump ausfällt, so sehr ist der Autobauer Realist. Das verdeutlicht eine Bemerkung von Akio Toyoda, dem Gründerenkel und Präsidenten, womöglich eine Reaktion auf Trumps Zwitscherei. „Wir werden unsere Optionen bewerten, wenn wir sehen, welche Politiken der künftige Präsident ergreift“, sagte Toyoda. Das lässt alle Optionen offen.

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