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Zinsrekord in Japan : 0,001 Prozent für eine Unternehmensanleihe

Die Zentrale der japanischen Notenbank steht in Tokio. Bild: dpa

So sieht Kapitalismus aus, wenn die Zentralbank das Zinsniveau drückt. Eine Tochtergesellschaft von Toyota hat am Dienstag Kapital für den rekordniedrigen Zinssatz von 0,001 Prozent aufgenommen.

          Toyota Finance, eine Tochtergesellschaft des Autobauers Toyota Motor, hat am Dienstag eine Anleihe über 20 Milliarden Yen (164 Millionen Euro) mit einer Laufzeit von drei Jahren zu einem Zinssatz von nur 0,001 Prozent aufgenommen. Das ist der niedrigste Zins, den je ein japanisches Unternehmen für Kapital am Anleihemarkt bezahlen musste. So sieht Kapitalismus aus, wenn die Zentralbank mit negativen Zinsen das Zinsniveau drückt und mit Käufen die Nachfrage nach Anleihen aufbläht. Noch im April hatte Toyota Finance eine Anleihe mit drei Jahren Laufzeit zu einem Zins von 0,02 Prozent aufgelegt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der rasante Verfall des Zinsniveaus für Unternehmensanleihen in den vergangenen Monaten belegt, wie sehr die Bank von Japan in den Kapitalmarkt eingreift. Zum Zinssatz von 0,001 Prozent erbringt eine Investition von 100 Millionen Yen (820.000 Euro) gerade mal einen Ertrag von 1000 Yen oder 8 Euro. Dennoch ist das Interesse an Unternehmensanleihen groß, nachdem die Renditen japanischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis zu 10 Jahren in den negativen Bereich gerutscht sind. Der Kauf von Staatsanleihen lohnt sich eigentlich nur noch in Sonderfällen wie einer Finanzierung im Ausland und der Hoffnung auf Erträge beim Tausch von Wechselkursrisiken.

          Hohe Nachfrage induziert großes Angebot

          Auch bei langfristigen Unternehmensanleihen schlägt mit den sinkenden Zinsen die steigende Nachfrage von Investoren durch. Toyota Motor nahm Ende Mai 40 Milliarden Yen über zehn Jahre zum Zinssatz von 0,09 Prozent und 20 Milliarden Yen über 20 Jahre für 0,343 Prozent auf. Für diese Laufzeiten sind auch das Rekordtiefs. Unternehmen drängen zur längerfristigen Schuldaufnahme. Von Januar bis Mai legten japanische Unternehmen Anleihen über insgesamt 350 Milliarden Yen mit einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren auf. Das ist ein 17-Jahreshoch.

          Die durchschnittliche Rendite von Anleihen japanischer Unternehmen lag nach einer Zusammenstellung von Bank of America Merrill Lynch am Montag bei 0,17 Prozent und damit um etwa die Hälfte niedriger als vor einem Jahr, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Erfolg der Geldpolitik lässt auf sich warten

          Die Bank von Japan hatte im Januar überraschend einen negativen Zinssatz auf Teile der Überschussreserven der Banken eingeführt. Auf das Zinsniveau am Anleihemarkt drückt auch die quantitative Lockerung der Zentralbank. Sie kauft im Volumen von 80 Billionen Yen im Jahr Staatsanleihen. Zugleich hält die Bank aus früheren Ankäufen Unternehmensanleihen im Umfang von 3,2 Billionen Yen und Commercial Papers von 2,2 Billionen Yen. Dieses Volumen hält die Bank derzeit konstant.

          Entgegen der Hoffnungen der Zentralbank haben die niedrigen Zinsen bislang nicht zu einem durchgreifenden Investitionsschub in Japan geführt. Ministerpräsident Shinzo Abe hat für den Herbst angekündigt, dass die Regierung mit einem öffentlichen Investitionsprogramm in noch unbekanntem Umfang von dem niedrigen Zinsniveau profitieren wolle.

          Am Mittwoch beginnt die Europäische Zentralbank mit dem Kauf von Unternehmensanleihen, um ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Schon jetzt sinken die Renditen auf Unternehmensanleihen auch in Europa.

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