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Keine Lohnrunde : Höchststrafe für Toshiba und Sharp

Toshiba: In der Bilanz gepfuscht Bild: Reuters

Tief versunken in wirtschaftlichen Schwierigkeiten setzen Toshiba und Sharp in der Lohnrunde aus. Generell dämpfen Japans Gewerkschaften ihre Lohnforderungen – zum Verdruss der Regierung.

          Für die japanischen Elektronikgiganten Toshiba und Sharp ist es die Höchststrafe. Ihre Hausgewerkschaften müssen in diesem Jahr nicht an der Frühjahrslohnoffensive teilnehmen. Das hat jetzt die Gewerkschaft der Elektronikindustrie in Japan beschlossen. Für Toshibas Gewerkschaft ist der Verzicht auf die Lohnrunde ein Novum. Früher gehörte sie zu den Führern der Lohnrunde, die traditionell kriegerisch als Offensive bezeichnet wird. Sharps Gewerkschaft nimmt schon zum vierten Mal an der Lohnrunde nicht mehr teil.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Ausschluss ist ein Zeichen für die Misere, in die sich beide Unternehmen hineingewirtschaftet haben. Toshiba leistete sich einen betrügerischen Bilanzskandal, der dem Unternehmen nun hohe Verluste und einen tiefgreifenden Umbau beschert. Sharp und seine Mitarbeiter zahlen den Preis für Managementfehler, die das einstige Vorzeigeunternehmen an den Rand des Untergangs geführt haben. Schon diese Woche, so wird erwartet, wird Sharp entscheiden, ob es sich vom taiwanischen Unternehmen Hon Hai Precision Industry (Foxconn) aufkaufen oder von der staatsnahen Japan Innovation Network Corporation retten lassen will.

          Im konsensorientierten Japan fällt die Nicht-Teilnahme an der Lohnrunde als ungewünschte Abweichung auf und muss insoweit als Strafe angesehen werden. Zugleich aber steht die Entscheidung der Dachgewerkschaft für den Realismus, mit dem sie die wirtschaftliche Lage der angeschlagenen Unternehmen einschätzt und im Interesse des Überlebens der Unternehmen vom gewerkschaftlichen Gruppendruck absieht. Anders als manchmal in Deutschland geschieht diese Abweichung vom impliziten Branchentarifvertrag ganz offen und ehrlich und nicht hinter verschlossenen Türen.

          Moderate Forderungen der Gewerkschaften

          Die Gewerkschaften wichtiger Unternehmen der Elektronikindustrie wie Hitachi oder Mitsubishi Electric fordern wie ihre Kollegen bei den Autobauern eine Anhebung des Grundgehalts um 3000 Yen (25 Euro im Monat). Diese Forderung ist spürbar moderater als in den Jahren zuvor.

          Vergangenes Jahr forderten die Autobaugewerkschaften noch das Doppelte, setzten sich damit aber bei Unternehmen wie Toyota oder Nissan nicht durch. In Regierungskreisen wird schon gespottet, dass in diesem Jahr die Arbeitgeber mehr anbieten als die Gewerkschaften fordern. Der mächtige Wirtschaftsverband Keidanren legt seinen Mitgliedern in diesem Jahr freilich nahe, höhere Einkommen eher in Form von Boni und nicht als Anhebung des Grundgehalts zu zahlen.

          Regierung und Notenbank ermuntern dagegen zu kräftigen Lohnsteigerungen. Sie erhoffen sich davon einen wichtigen Anschub, um in Japan endgültig die leichte Deflation zu überwinden. Bedenken, dass höhere Löhne den Unternehmen im Wettbewerb gerade mit südostasiatischen Arbeitern die Lage erschweren, fallen dabei unter den Tisch. Für die Großunternehmen wäre es die dritte jährliche Lohnerhöhung nacheinander. Die Reallöhne – unter Einbezug der Inflation - fielen im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent, das vierte Jahr nacheinander.

          Große und mittelgroße Unternehmen zögern indes, sich zu binden. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters erklärten 84 Prozent der Unternehmen, sie erwarteten Lohnerhöhungen von weniger als 2 Prozent. 30 Prozent wollen das Grundgehalt nicht anheben, nur 9 Prozent haben das eingeplant.

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