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Kalifornien : Milliardär will Hispanics an die Urnen bringen

Der grüne Milliardär von Kalifornien Tom Steyer ist sich auch für Protestmärsche nicht zu schade. Bild: AFP

Der Hedgefondsgründer Tom Steyer ist einer der größten politischen Aktivisten Amerikas. Er will die Erde retten, Donald Trump verhindern und vielleicht Gouverneur von Kalifornien werden.

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          Gewöhnlich legen Milliardäre Wert auf Diskretion und Privatheit, besonders wenn sie Geld für ein politisches Ziel spenden. Doch in diesen Tagen flimmert über die spanischsprachigen Sender Kaliforniens ein Werbespot, in dem der kalifornischen Milliardär Tom Steyer in einer Gruppe von Hispanics (Einwanderern aus Lateinamerika) steht und im Chor ruft: Vota! Wählt! Um der Aufforderung an die hispanische Gemeinde den nötigen Zunder zu geben, wurde der Werbespot eingeleitet mit Ausschnitten aus Donald Trumps Bewerbungsrede für die Präsidentschaftskandidatur, in der die Immigranten aus Mexiko als Vergewaltiger bezeichnete. Tom Steyer hat die Werbespots selbst bezahlt über die von ihm dotierte Organisation Nextgen. Der Mann kann sich das leisten. Er hat eine erfolgreichen Hedgefonds gegründet, geführt und seine Anteile 2012 verkauft, um sich mit voller Kraft, viel Zeit und sehr viel Geld umweltpolitischen und sozialen Zielen zu widmen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Stever gehört zu den großen Förderern alternativer Energien. Er hat erfolgreich und hartnäckig gegen den Bau der Pipeline Keystone gearbeitet, die Öl aus Kanadas Teersänden zu amerikanischen Raffinerien bringen sollte. Mit seinem Geld unterstützte er – weitgehend erfolglos – die Wahlkämpfe von Kandidaten der Demokratischen Partei, die sich für Klimaschutz stark machten. Er gehört zu den Köpfen einer Volksabstimmung in Kalifornien, mit der Zigaretten um zwei Dollar je Packung erhöht werden sollen. Der hohe Preis soll Raucher entmutigen. Das Geld soll für Aufklärung und medizinische Forschung ausgeben werden. Früher hat er erfolgreich eine Volksabstimmung mitinitiiert, die kalifornischen Firmen Steuerprivilegien wegnahm. Aktuell will Steyer nicht nur Hispanics an die Urnen bringen, sondern auch die jungen Leute. Dafür startet seine Organisation Nextgen gerade eine Kampagne an Amerikas Universitäten.

          2014 war Steyer der größte Einzelspender für Politiker mit rund 74 Millionen Dollar, in diesem Jahr hat er keine geringeren Ambitionen. Mitte Mai wurde bekannt, dass er zusammen mit vier Gewerkschaften eine politische, 50 Millionen Dollar schwere Organisation gegründet hat - mit dem Ziel Demokraten in den Kongress und ins Weiße Haus zu bringen. Auch ein Fundraiser-Essen für Hillary Clinton hat er schon organisiert.

          Steyer ist allerdings einer der wenigen Milliardäre, bei denen sich das Engagement nicht aufs Geld spenden beschränkt. Er gründet Organisationen, hält Reden, läuft bei Protestmärschen mit und war für die Verhinderung der Keystone-Pipeline drauf und dran, sich öffentlichkeitswirksam an den Zaun des Weißen Hauses zu ketten. Sein Bruder Jim Steyer, ein Anwalt und Professor an der Stanford-Universität, hat es ihm ausgeredet. Es wäre auch etwas ungewöhnlich gewesen: Tom Steyer stand auf Barack Obamas Kandidatenliste für das Finanzministerium. Auch für das Energieministerium war Steyer im Gespräch - und er hätte nicht nein gesagt, wie er einem Journalisten verriet. 

          Das einzige, was dem Aktivisten mit den großen Taschen noch fehlt, ist in der Tat ein politisches Amt. 2018 wird in Kalifornien ein neuer Gouverneur gewählt. Er könnte seinen Hut in den Ring werfen, spekulieren die großen Zeitungen.

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