https://www.faz.net/-gqe-7nj2u

Schwellenländer : TIP wird zum Reizwort für Geldanleger

Bangkok boomt Bild: REUTERS

BRIC(S) ist out, zu schlechter Ruf. Neue Abkürzungen machen die Runde PINE, CNIPB oder aber TIP: Thailand, Indonesien, Philippinen. Und manches ist derzeit günstig zu haben.

          Sind es heiße Gelder von Spekulanten? Stehen Investoren hinter den Anlagen? So oder so – jedenfalls fließen in diesen Tagen wieder erhebliche Mengen Geldes nach Südostasien. Dabei hat sich in den Ländern auf den ersten Blick nicht viel geändert, seit westliche Anleger ihre Gelder seit Herbst vergangenen Jahres rasch abzogen. Indonesien ist immer noch in einer latenten Krise und steht vor einer Wahl. Thailands politisches Chaos findet kein Ende. Und auf den Philippinen sind viele Korruptionsfälle ungelöst, bleibt die Inflationsrate mit gut 4 Prozent hoch.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dennoch scheint die Anlegergemeinschaft die Furcht wieder verlassen zu haben. Im März flossen 1,6 Milliarden Dollar in die drei Länder Südostasiens. Der Finanzagentur Bloomberg zufolge war dies der höchste Zufluss seit Januar vergangenen Jahres. Noch im vierten Quartal 2013 hatten Spekulanten dem Trio 4,2 Milliarden Dollar entzogen – eben weil sie die Märkte für überhitzt hielten und der Politik nicht trauten. Und weil sich nur verkaufen lässt, was einen Namen hat, haben Fondsmanager nun schon eine neue Kategorie ausgerufen: TIP – für Thailand, Indonesien und die Philippinen.

          Was aber hat sich wirklich geändert? Nicht viel. Südostasien war und ist eine der vier Teilregionen Asiens, nach China, nach dem Trio Japan, Korea und Taiwan und neben Indien. Es war und ist ein Scharnier zwischen Ost- und Südasien. Es wächst weiter zusammen. Es zählt Banken, deren Stärke deutlich gewachsen ist. Es ringt stärker gegen die grassierende Korruption. Es leidet an einigen Orten unter hohen Leistungsbilanzdefiziten. Es muss mit politischen Machtkämpfen leben. Das war im Herbst 2013 so, und das stimmt auch noch im April 2014. Geändert hat sich in diesen sechs Monaten lediglich die Wahrnehmung der Anleger. Geändert hat sich die Richtung des Herdentriebes.

          Wer also der nachhaltigen Überzeugung ist, dass Südostasien Werte zu bieten hat, kann nun wenigstens etwas günstiger zugreifen. Zwar haben die Kurse der Aktien in den drei genannten Ländern seit Jahresbeginn schon wieder 9 Prozent gewonnen. Der Jakarta Composite Index hat seit Anfang Januar 13 Prozent gut gemacht, auch weil bekannt wurde, dass der starke Gouverneur von Jakarta, Joko Widodo, zur Wahl für das Präsidentenamt antritt. Zugleich versprach die Zentralbank, das Leistungsbilanzdefizit von 3,2 auf 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Der Philippine Stock Exchange Index gewann im selben Zeitraum 9,7 Prozent. Die Inflationsrate ist im Februar erstmals innerhalb eines halben Jahres gesunken. In Thailand steigen die Kurse von Flughafen und Hotels, seit die Regierung den Ausnahmezustand aufgehoben hat. Dabei bewertet der Index in Thailand die Aktien der Unternehmen derzeit mit dem 12,5fachen der geschätzten Gewinne in den nächsten zwölf Monaten. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 15. In Indonesien fiel die Bewertung von 16 auf 15, auf den Philippinen sank das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 auf 17.

          Im Vergleich dazu hat der Index der Schwellenländer seit Anfang des Jahres gut 5 Prozent verloren. Das lässt die südostasiatischen Werte noch stärker glänzen. Trotz der Anstiege liegen die Bewertungen der TIP-Indizes immer noch gut 9 Prozent unter der Spitze des vergangenen Jahres. Bringen wir es auf den Punkt, sind Chancen und Risiken kaum verändert. Nur einige Sonderangebote sind zu haben. Zumindest gemessen an den Höchstpreisen des vergangenen Jahres.

          Am Donnerstag aber zeigte sich schon, wie volatile die Geldflüsse sind. Kaum das die amerikanische Zentralbank signalisierte, Zinserhöhungen schneller vornehmen zu wollen, wogten Anlegergelder aus Asien wieder Richtung Amerika. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific fiel bis zum Mittag um 1,2 Prozent. Der Kospi in Seoul gab 0,8 Prozent nach, der australische S&P/ASX 200 Index büßte 0,7 Prozent ein. Der Hang Seng in Hongkong notierte 0,8 Prozent leichter, der Topix in Japan verlor 0,6 Prozent seines Wertes.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Undatierte Aufnahme der „Stena Impero“

          Straße von Hormus : Iran stoppt Öltanker im Persischen Golf

          Die Lage im Persischen Golf spitzt sich zu. Nach eigenen Angaben setzt Iran einen britischen Öltanker in der Straße von Hormus fest. Ein zweites aufgebrachtes Schiff ist mittlerweile wieder freigegeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.