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Börsenkurse in Bangkok : Thailands Wirtschaft leidet mit dem König

Bild: Reuters

Der nahende Tod des Monarchen und dessen Nachfolge belasten Südostasiens zweitgrößte Volkswirtschaft.

          2 Min.

          Die Stimmung in Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft verdüstert sich immer weiter. Während die sozialen Netzwerke im Internet mehr und mehr von den Farben des Königshauses, pink und gelb, dominiert werden, verlieren die Börsenkurse in Bangkok weiter an Wert. Denn der am längsten amtierende Monarch der Welt, König Bhumibol Adulyadej, scheint seinen jahrelangen Kampf gegen den Tod zu verlieren. Was ohne ihn aus dem Königreich wird, ist weitgehend offen. Schon beim Putsch der amtierenden Militärjunta 2014 war immer wieder angeklungen, dass die Generäle die Macht über einen Wechsel im Königshaus hinaus halten wollten.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Am Donnerstagmorgen gaben die Kurse zur Eröffnung in Thailand weitere 1,63 Prozent nach. Damit hat der Index seit Montag fast 10 Prozent seines Wertes verloren. Ausländische Fonds hatten dem Land bis Dienstag schon fast eine halbe Milliarde Dollar entzogen aus Furcht vor dem unklaren Kurs des Landes nach einem Tod des Königs. Am Mittwochabend hatte das Königshaus verlauten lassen, die gesundheitliche Lage des Königs bleibe instabil. Sein Leben hängt an zahlreichen Maschinen. Der 88jährige liegt seit fast zehn Jahren in Krankenhäusern.

          Derzeit beten die Menschen vor dem Siriraj Krankenhaus in Bangkok. Auch die vom Volk verehrte Königin Sirikit ist seit einem Schlaganfall im Sommer 2012 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Putsch-General Prayut Chan-ocha hatte seine Fahrt in die Industrieregion Chonburi abgebrochen, weil er in der Hauptstadt Kronprinz Maha Vajiralongkorn begrüßte. Eine geplante Reise ins Nachbarland Laos sagte der Juntachef ab. Der Prinz ist als Nachfolger erwählt, obwohl viele im Volk ihn für einen Playboy halten. Viel Zeit verbringt der 64jährige Prinz in Bayern, wo er ein Anwesen erwarb, mit wechselnden Gespielinnen aufritt und von Paparazzi in Posen abgelichtet wird, die sich aus thailändischer Sicht für einen König nicht ziemen. Das Volk säe lieber seine Schwester Maha Chakri Sirindhorn als Nachfolgerin auf dem Thron. Sie und ihre beiden Schwestern eilten ebenfalls zum Vater. Der König amtiert seit 1946.

          Allein schon die Wortwahl, dass die Lage des Königs „instabil“ sei, ist für den Palast äußerst ungewöhnlich. Sofort nach dem ersten Komuniqué brachen denn auch die Börsenkurse ein, und haben sich seitdem nicht erholt. Die Furcht geht dahin, dass der Tod das Land weiter destabilisiere. Es ist seit dem Militärcoup 2006 zerrissen zwischen der Elite von Bangkok und dem Militär, das sie stützt, auf der einen Seite, und den abgesetzten Regierungen um die Thaksin-Familie, die vor allem von der Landbevölkerung im Norden und Studenten in Ehren gehalten werden auf der anderen Seite.

          Der Tod des Königs könnte eine Trauerperiode hervorrufen, die mehr als ein Jahr dauert. Zwar wird es offiziell keinen Zweifel an seiner Folge durch den Kronprinzen geben, den das Militär stärkt. Doch im Volk rumort es.

          Spätestens seit der Machtübernahme der Junta lahmt die Wirtschaft in Thailand, das große Pläne etwa als Automobilstandort hatte. Der Schleier des Todes des Königs dürfte die Wirtschaft noch weiter belasten, allein schon über einen ausgebremsten Konsum. Das Militär wird wohl zudem die für das nächste Jahr angekündigte Wahl aufschieben. Die Generäle denken nicht an einen Rücktritt, bis nicht der heutige Prinz als Nachfolger felsenfest auf dem Thron sitzt.

          Seit vergangenem Sonntag, als die erste Warnung aus dem Palast drang, sind die Aktien und die Währung Baht täglich gefallen. Die Kursentwicklung am Mittwochnachmittag gab einen Vorgeschmack: Da verlor der Index nach den neuerlich schlechten Nachrichten fast 7 Prozent seines Wertes. Der Außenwert des Baht fiel so rasch, wie zuletzt vor drei Jahren.

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