https://www.faz.net/-gqe-7qa8x

Territorialstreit im Südchinesischen Meer : China errichtet künstliche Inseln vor den Philippinen

Chinesische Landnahme Bild: AP

Während der Konflikt mit Vietnam um eine chinesische Bohrinsel nicht zur Ruhe kommt, schafft Peking gegenüber Manila offenbar Fakten. Die Landgewinnung nahe der Spratly-Inseln erinnert an die Inseln vor Dubai.

          China errichtet angeblich künstliche Inseln im Südchinesischen Meer, weil die nationale Zugehörigkeit der vorhandenen Eilande umstritten ist. Schiffe aus der Volksrepublik schafften unablässig Sand, Zement, Holz und Stahl herbei, um in der Nähe der Spratly-Inseln Land zu gewinnen, berichtet die Finanzagentur Bloomberg mit Verweis auf philippinische Quellen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Nicht weniger als sechs Staaten beanspruchen das Archipel, darunter die Regierungen in Peking und Manila. Die mehr als 100 Inseln, Atolle und Riffe liegen in einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, außerdem werden hier Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet.

          „Sie erschaffen auf künstliche Weise Inseln, die es seit Beginn der Welt nicht gegeben hat, so wie die in Dubai“, sagte Eugenio Bito-onon gegenüber der Agentur. Er ist der Bürgermeister eines dünnbesiedelten Abschnitts der Spratlys namens Kalayaan (Freiheit), den die Philippinen besetzt halten.

          Territorialkonflikte spitzen sich zu

          Der Vergleich bezieht sich auf die Ferienanlage „Palms Islands“, palmenförmige Aufschüttungen vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate. Wären die chinesischen Anstrengungen erfolgreich, „würde das zur völligen Kontrolle des Südchinesischen Meeres führen“, warnte Bito-onon.

          Chinas Territorialkonflikte im Ostchinesischen Meer mit Japan und im Südchinesischen Meer mit zahlreichen anderen Ländern spitzen sich immer mehr zu. 2012 trotzte die Volkrepublik den Philippinen das Scarborough-Riff in einem militärischen Scharmützel ab. Im  selben Jahr kam es in Peking und anderen Städten wegen des Streits um die Senkaku-Inseln zu antijapanischen Protesten, zu gewalttätigen Übergriffen und zum Boykott von Waren aus dem Nachbarland.

          Seit einigen Wochen geraten Vietnam und China immer handfester aneinander, weil Peking eine Ölplattform vor den Paracel-Inseln in Betrieb genommen hat, die Hanoi beansprucht. Schiffe beider Seiten rammten sich gegenseitig, man schoss mit Wasserkanonen aufeinander, in Vietnam kam es zu Ausschreitungen, denen vier Chinesen zum Opfer fielen.

          Noch ist das Undenkbare undenkbar

          Die Lage wird also nicht gerade gemütlicher in der Region, im Gegenteil. Das gilt auch wieder für die asiatischen Aktienmärkte. Nachdem der Regionalindex MSCI Asia Pacific ohne Japan gestern auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert war, verliert er heute 0,1 Prozent an Wert.

          Erklärt werden die Einbußen mit den verhaltenen Aussichten der Weltbank für die internationale Wirtschaft. Die Organisation hat ihre Wachstumserwartung verringert, weil die Lage in vielen wichtigen Ländern weiterhin schwierig sei. Namentlich für die Vereinigten Staaten, für China, Russland, Indien und Brasilien wurden die Prognosen zurückgenommen.

          Diese wirtschaftliche Unsicherheit gilt schon in friedlichen Zeiten. Nicht auszudenken, welche Turbulenzen es gäbe, falls die Territorialdispute eskalierten.

          Weitere Themen

          Wie China zur Industrie-Supermacht werden will Video-Seite öffnen

          Asien in Zahlen – Teil 3 : Wie China zur Industrie-Supermacht werden will

          China will zu den stärksten Wirtschaftsmächten der Welt aufschließen. Die Regierung hat deshalb einen ambitionierten Plan aufgelegt, der das Land auch technologisch an die Spitze bringen soll. Im Rest der Welt ist „Made in China 2025“ umstritten.

          Neues Angebot für die Deutsche Bahn Video-Seite öffnen

          Im Tarifstreit : Neues Angebot für die Deutsche Bahn

          Nach dem bundesweiten Streik zu Wochenbeginn ringen die Deutsche Bahn und die Gewerkschaften weiter um eine Einigung im Tarifstreit für die 160.000 Beschäftigten. Nun soll ein neues, verbessertes Angebot vorgelegt werden.

          Topmeldungen

          Bayern 3:3 in Amsterdam : „Ein sensationell gutes Spiel“

          Beim 3:3 der Münchner in Amsterdam spielt der Fußball verrückt. Trainer Niko Kovac ist zufrieden. Doch die Partie offenbart einige Baustellen beim FC Bayern. Vor allem einer spricht sie an.

          Vor EU-Gipfel in Brüssel : Maas bleibt hart bei Brexit-Vertrag

          Nach ihrem überstandenen Misstrauensvotum will Theresa May das Brexit-Abkommen in Brüssel nachverhandeln – doch dafür sieht die Bundesregierung kaum Chancen. Man sei „auf alles vorbereitet“, sagt der Außenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.