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Strafzölle : Südkorea kämpft für seine Waschmaschinen gegen Amerika

Südkoreanische Waschmaschinen könnten aufgrund der Zölle in Amerika bald teurer werden. Bild: AFP

Südkorea will vor der Welthandelsorganisation gegen neue amerikanische Schutzzölle vorgehen. Das Land hat gelernt: Mehr Investitionen in Amerika schützen vor Donald Trumps Protektionismus nicht.

          Diese Entscheidung fiel nicht im Schonwaschgang: In einer schnellen und harten Reaktion will Südkorea eine Beschwerde gegen Amerika bei der Welthandelsorganisation (WTO) einreichen. „Die Entscheidung der Vereinigten Staaten, Zölle auf südkoreanische Waschmaschinen und Solarpaneele zu erheben, sei unverhältnismäßig und offensichtlich eine Verletzung der WTO-Regeln“, sagte Handelsminister Kim Hyun-chong am Dienstag in Seoul. Zuvor hatte der amerikanische Präsident Donald Trump Schutzzölle auf Waschmaschinen und Solarpaneele verhängt. Amerika und Südkorea beginnen damit einen zweiten Handelskrach, nachdem Trump die Südkoreaner auch schon zur Neuverhandlung des bilateralen Freihandelspakts genötigt hat. Damit will Trump unter anderem bessere Marktbedingungen für amerikanische Autobauer in Südkorea durchsetzen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit den Schutzmaßnahmen wird Amerika im ersten Jahr einen Zoll von 20 Prozent auf die ersten 1,2 Millionen eingeführten Waschmaschinen erheben. Jede weitere Waschmaschine wird mit einem Zoll von 50 Prozent belegt. Solarzellen und -module über eine Einfuhrmenge von 2,5 Gigawatt werden mit einem Zoll von 30 Prozent verteuert. Die Zölle werden im Zeitablauf abgebaut.

          Südkorea ist durch die Schutzzölle auch als Exporteur von Solarpaneelen betroffen. Besonders schwerwiegend aber sind die Zölle auf Waschmaschinen. Der amerikanische Hersteller Whirlpool, der sich bei der Regierung in Washington beschwert hatte, steht in scharfer Konkurrenz zum südkoreanischen Hersteller Samsung Electronics und LG Electronics. Die Schutzzölle richten sich indes nicht nur gegen Südkorea, sondern nur mit wenigen Ausnahmen gegen fast alle Länder.

          Samsung Electronics erklärte, die Entscheidung der amerikanischen Regierung sei ein großer Verlust für die amerikanischen Verbraucher und Arbeitnehmer. LG Electronics will sich nach eigenen Aussagen bemühen, Vertragspartner und Verbraucher in Amerika zu schützen.

          Trump reaktiviert mit der Entscheidung ein Gesetz von 1974, wonach Unternehmen Zollschutz vor ausländischer Konkurrenz erlangen können, wenn sie nachweisen, dass sie durch einen plötzlichen Importanstieg ernsthafte Nachteile erleiden. Amerika hatte die Regel zuletzt 2002 unter Präsident George W. Bush angewandt, um Stahlhersteller zu schützen. Bush zuckte dann zurück, nachdem die Welthandelsorganisation die Zölle für unzulässig erklärt hatte. Südkorea sieht gute Chancen, dass es mit einer eventuellen Klage gegen die Vereinigten Staaten vor der WTO durchkommen wird. Die Regierung in Seoul will versuchen, mit anderen betroffenen Ländern eine Allianz gegen die amerikanischen Schutzzölle zu bilden.

          Der Fall ist ein Menetekel für andere Unternehmen und Regierungen, die hoffen, sich mit mehr Investitionen in den Vereinigten Staaten vor dem Protektionismus Trumps schützen zu können. Denn in gewisser Weise sind die Schutzzölle eine Ohrfeige für die südkoreanischen Hersteller, die ihre Investitionen in Amerika ausweiten. Samsung Electronics hatte erst im Januar die Waschmaschinenproduktion in einem neuen Werk in Süd-Carolina mit 600 Mitarbeitern begonnen. LG Electronics bemüht sich derweil, die Herstellung in einem neuen Werk in Tennessee früher als vorgesehen zu starten.

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