https://www.faz.net/-gqe-8ysts

Sinkende Schiffe : Südchinesisches Meer bleibt gefährlichste Region für Seefahrt

Sinkender Öltanker im Roten Meer Bild: dpa

Die meisten Schiffe sinken im südchinesischen Meer. Autonome Schiffe könnten die Sicherheit dramatisch verbessern, so die Allianz-Versicherung

          2 Min.

          Die Seefahrt scheint sicherer zu werden, doch immer noch ist das Südchinesische Meer der gefährlichste Flecken für Schiffe. Im vergangenen Jahr kam es zu 85 Totalverlusten unter den Handelsschiffen. Das waren allerdings 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Durchschnittsalter der verlorenen Schiffe lag bei 28 Jahren.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Der internationale Schiffstransport steht für rund 90 Prozent des Welthandels, so dass die Sicherheit der Schiffe kritisch ist für die globale Wirtschaft“, heißt es in einem Bericht der Allianzversicherung. Auf zehn Jahre gerechnet sank die Zahl der Verluste um 29 Prozent, der Verlust von großen Schiffen sank im selben Zeitraum sogar um 50 Prozent. Die Allianz führt dies zum einen auf eine verbesserte Sicherheitskultur zurück. Zum anderen aber spiele wohl auch der verringerte Verkehr aufgrund der schwierigen Lage der Branche eine Rolle.

          Mit 23 Totalverlusten liegt der Wert der Verluste im Südchinesischen Meer bei mehr als einem Viertel aller verlorenen Schiffe. Nach Angaben der Versicherung aus München herrscht in der Region zwischen China, Vietnam und den Philippinen schon seit mehr als zehn Jahren das höchste Risiko. Die Zahl der dort gesunkenen Schiffe liegt mehr als doppelt so hoch wie diejenige der zweitgefährlichsten Region der Welt, dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer. Mit 30 halten Frachtschiffe den höchsten Anteil unter den Totalverlusten. Die Zahl der Havarien von Schiffen sank um 4 Prozent auf 2611.

          Allerdings warnt die Allianz vor wachsenden Risiken: In der Krise der Branche nehmen die die Zusammenbrüche von Reedereien zu – jüngst Hanjin und in Deutschland Rickmers. Damit steigt der Druck, Kosten zu senken. Dies führe zu einer Vernachlässigung der Pflege und des Unterhalts der Schiffe und zum Kostendruck bei den Mannschaften. „Politische Risiken wachsen, wobei die Drohszenarien im Jemen und im Südchinesischen Meer zunehmen“, warnen die Analysten der Allianz.

          Ihr Ausblick auf den Tag: Kompakt und prägnant - und mit exklusiven Berichten unserer Korrespondenten. Abonnieren Sie den Newsletter „Agenda“.

          Ein weiteres Risiko bildete der Trend zu höherer Effizienz mit der Verbreitung von „Mega-Schiffen“: „Der Verlust eines großen Containerfrachters oder Passagierschiffes in umwelt-sensitiven Gewässern kann Milliarden von Dollar kosten, die sich bis auf 4 Milliarden summieren könnten, wenn zwei große Schiffe betroffen sind“, warnen die Versicherungsfachleute.

          Hoffnung macht auch für die Seefahrt autonomes Fahren: Menschliches Versagen stehe für 75 Prozent von 15.000 Versicherungsfällen auf See in den vergangenen fünf Jahren, heißt es bei der Allianz. Dies entspreche einem Wert von 1,6 Milliarden Dollar. „Autonome Schiffe könnte die maritime Sicherheit verbessern und die Bewegung von Gütern auf See in einem Maße revolutionieren, wie es seit der Einführung der Container nicht mehr erlebt wurden“, erklärt die Allianz. Sie rechnet damit, dass erste selbstgesteuerte Schiffe schon in drei Jahren über die Meere kreuzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.