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Südchinesisches Meer : Der unterschätzte Konflikt

Konflikt im Südchinesischen Meer: Im Mai kommen sich die Küstenwachen von Vietnam und China gefährlich nahe. Bild: AFP

Die Welt blickt derzeit auf den Konflikt zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen. Doch rund um das Südchinesische Meer wachsen die Risiken dramatisch.

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          Es ist ein schwelender Konflikt, der Diplomaten und Manager bislang eher hinter den Kulissen umtreibt. Die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft im Südchinesischen Meer, derzeit vor allem aufgrund der Wetterlage scheinbar abgeklungen, könnten zu unabsehbaren Folgen führen. „Wenn es jemals zu einem Konflikt im Südchinesischen Meer kommt, werden die Lichter in einigen Ihrer Unternehmen schnell ausgehen“, umriss Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, die Bedrohung auf der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt).

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Staatssekretär Stephan Steinlein, der zweite Mann hinter Außenminister Frank-Walter Steinmeier, sekundierte: „Die Sicherheitsarchitektur in Asien wächst nicht im selben Maße wie die Wirtschaft.“ Er fügte an: „Das Südchinesische Meer besitzt ständiges Konfliktpotential.“ Dazu trage bei, dass die Region die einzige der Welt sei, in der die Rüstungsausgaben über ein Vierteljahrhundert ständig gestiegen seien.

          Militarisierung ohne Sicherheitsordnung

          David Shambaugh, der sich als Professor der George Washington Universität vor allem mit China befasst, warnte vor dem „alles überragenden Wettkampf“ zwischen Amerika und China. „Es gibt eine Militarisierung der Region, aber keine entsprechende Sicherheitsordnung, keine Nato oder ähnliches. Wir erkennen alle Elemente, die es braucht, um Feuer zu fangen.“

          Die amerikanische Kommission für die Überprüfung der Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China hat gerade ihren gut 600 Seiten umfassenden Bericht vorgelegt. Darin wimmelt es von Schilderungen von Zwischenfällen und Beinahe-Zwischenfällen. Die Amerikaner werfen China „zunehmend dreiste und zwingende Aktionen gegen ihre Nachbarn“ vor. „Mit wenigen Ausnahmen verschlechterten sich die Sicherheitsbeziehungen zwischen Amerika und China auch 2014. Die Unruhe im Süd- und Ostchinesischen Meer war der Hauptgrund für die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen.“ Kurz gesagt: „China hat seine Sicherheitsinteressen in Ostasien aggressiv vorangetrieben. Dies führte zu Spannungen, Konfrontation, und nahezu Krisen mit seinen Nachbarn und den Vereinigten Staaten.“ Und: „Chinas Auseinandersetzungen mit Japan bleiben einer der für die Region gefährlichsten Spannungsgebiete.“

          Kein rein militärischer Konflikt

          Doch nicht nur militärisch wird der wachsende Zwist ausgetragen: „Die Verletzungen des Handels durch die Chinesen setzen sich fort, und die bilateralen Handelsbeziehungen geraten immer weiter in Schieflage“ kritisiert der Bericht für den amerikanischen Kongress. Auch angesichts des wachsenden Handelsdefizits von gut 318 Milliarden Dollar Ende vergangenen Jahres zugunsten Chinas glaubten inzwischen 52 Prozent der Amerikaner, China stelle eine kritische Bedrohung für künftig lebenswichtige amerikanische Wirtschaftsinteressen da.

          Diese öffentliche Meinung ist das Feld, auf dem außen- und militärpolitisch agiert wird. Nimmt man nun die mehr als selbstsicheren Töne aus Peking hinzu, entsteht rund um das Südchinesische Meer in der Tat ein gegenseitiges Bedrohungsszenario, das die Kehle zuschnürt. Shambaugh sagt es so: „Sicherheit ist der Sauerstoff der Region – ohne kann Asien-Pazifik nicht atmen.“

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