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Größter Kohlehafen der Welt : Streit um Barrier Riff geht in die nächste Runde

Der Hafen von Abbot Point Bild: dpa

Im Osten Australiens soll der größte Kohlehafen der Welt entstehen. Doch in der Nähe liegt auch das Great-Barrier-Riff. Und das sorgt für Streit. Die Landesregierung hat nun einen Kompromiss vorgelegt.

          Eines der umstrittensten Industrieprojekte der asiatisch-pazifischen Region geht in die nächste Runde: Die Investoren des weltgrößten Kohlehafen im Osten Australiens wollten den Aushub in der Nähe des Großen Barrier-Riff im Meer abschütten. Nun hat die Landesregierung des australischen Bundesstaates Queensland festgelegt, dass die immense Menge an Sand und Schlamm an Land gebracht werden soll, um dort als Füllmasse für das Trockenlegen künftiger Hafengelände genutzt zu werden. Zahlen soll dies der Steuerzahler. Nun muss die australische Regierung in Canberra dem geänderten Plan zustimmen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Umweltschützer und Wissenschaftler waren Sturm gelaufen gegen den Plan der Investoren GVK Hancock Group, hinter der mit Gina Rinehart die reichste Frau Australiens steht, und der indischen Adani Enterprises. Sie wollten mehr als 3 Millionen Kubikmeter Aushub vor dem Riff heben und dann an anderer Stelle ins Meer pumpen.

          Das Riff gilt als die größte lebende Struktur der Welt. Es ist seit 1981 Weltnaturerbe. Der Meerespark umfasst ein Gebiet von rund 350000 Quadratkilometern –  so groß wie Deutschland. Mehr als 2000 Arten von Fischen und rund 4000 Arten von Korallen leben hier. 63.000 Arbeitsplätze hängen am Geschäft mit dem Riff. Die Vereinten Nationen (Unesco) drohen zu prüfen, ob das Abschütten des Schlamms den Status des Riffs als Weltnaturerbe gefährde – das hätte großen, negativen Einfluss auf den Tourismus in Australien.

          Der Hafen Abbot Point ist auf ein Volumen von 50 Millionen Tonnen Kohle jährlich ausgelegt. Er soll auf 130 Millionen Tonnen jährlich ausgebaut werden. Die Konzerne wollen sie in Queensland fördern und dann nach Indien verschiffen. Das Investitionsvolumen liegt bei mehr als 16 Milliarden Dollar. Der Wert der Kohle-Vorkommen, die durch Abbot-Point erschlossen werden, wird auf fast 30 Milliarden Dollar geschätzt.

          Der australische Umweltminister Greg Hunt hatte zuvor schon sowohl die Erweiterung des Hafens, wie auch das Lagern des Aushubs unter See am Riff genehmigt. Nun spricht der stellvertretende Ministerpräsident von Queensland, Jeff Seeney, freilich davon, dass das Abpumpen auf See „die schlechteste Alternative“ sei. „Die neue Strategie wird ein Gewinn für beide Seiten – sie wird die einzigartigen Werte des Großen Barrier Riff schützen und zugleich den Ausbau des wichtigen Hafens Abbot Point erlauben.“

          Umweltschützer protestieren

          Den Umweltschützern genügt der geänderte Plan allerdings keineswegs – sie sind gegen den Kohlehafen in der Nähe des Riffs, nicht nur gegen das Verklappen des Aushubs. Die Landesregierung will den Investoren den Schlamm jetzt abkaufen, um ihn an Land zu nutzen. Er soll als Füllstoff für neu gewonnenes Land in der Nähe des Hafens eingesetzt werden. „Die gesamte Idee ist doch absurd, dass Steuerzahler in Queensland nun für die Zerstörung des Großen Barrier Riffs zahlen sollen, in dem sie den Aushub für einen noch größeren Hafen in Abbot Point abkaufen“, sagt Greenpeace-Sprecher Adam Walters. „Unter dem Druck des Aufschreis der Menschen hat die Landesregierung den nächsten miserablen Plan vorgelegt.“

          In den vergangenen Monaten hatten sich schon internationale Großbanken aus Sorge um ihren Ruf von der Finanzierung des Projektes verabschiedet: Nach der Deutschen Bank lehnt auch die britische HSBC eine Mitarbeit ab. „Wir unterstützen diese Aktivitäten so lange nicht, solange die Regierung und die Unesco keinen Konsens über das weitere Vorgehen haben. Deshalb werden wir die Anfrage nicht weiterverfolgen“, erklärte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Frühjahr.

          Durch die Absage der Deutschen und der Briten wächst nun aber der Druck auf die vier großen Banken in Australien, bei der Finanzierung abzuwinken. Entsprechend nervös reagierten die Bauherren: „Dies ist eine der Strategien, die diese Gruppen und Individualisten anwenden – sie erhöhen das Risiko für Investoren, indem sie Unsicherheit schaffen und die Wahrnehmung von Risiken bei Investitionen in den Kohlebergbau in den Mittelpunkt rücken“, sagte die Sprecherin des Hafenbetreibers North Queensland Bulk Ports.

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