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Straßenverkehr : Selbstfahrende Autos sind nicht unfallfrei

Ohne Hände: Ein selbstfahrender Toyota-PKW auf einer Teststrecke in Japan Bild: AP

Nach mehr als einer Million Kilometer Testfahrt ist klar: Auch die Google-Autos bauen Unfälle. Aber das ist meistens gar nicht ihre Schuld.

          Nachdem Google und andere Autofirmen nun schon seit einigen Jahren die selbstfahrenden Autos testen, können Wissenschaftler erste Aussagen über die Eigenarten der Fahrzeuge im Verkehr treffen. Die ersten Ergebnisse sind überraschend: Die Fahrzeuge ohne Fahrer sind in mehr Unfälle pro einer Million gefahrener Meilen (1,6 Million Kilometer) verwickelt als konventionelle Fahrzeuge. Sämtliche Unfälle bisher wurden allerdings nicht von selbstfahrenden Autos verursacht, sondern von den Unfallgegnern. Das besagt eine Studie der Universität von Michigan.  

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Ergebnisse sind interessant, verdienen aber eine Relativierung. Eine Million Meilen sind noch nicht so viel Strecke, dass man daraus schon ein abschließendes Urteil fällen könnte. Die selbstfahrenden Autos waren auf einer Million Meilen in elf Unfälle verwickelt - noch eine geringe Menge. Eine weitere Unsicherheit kommt hinzu, was den Vergleichsmaßstab betrifft: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass konventionelle Fahrzeuge mehr Unfälle bauen als registriert, weil die Fahrer Bagatellschäden nicht zur Anzeige bringen. Deshalb haben die Autoren zusätzliche Unfälle angenommen.

          Vor allem Auffahrunfälle

          Die meisten Unfälle der selbstfahrenden Autos waren Auffahrunfälle. Andere fuhren den Google-Autos auf die hintere Stoßstange. Frontalzusammenstöße gab es keine, und womöglich ist die Verletzungsgefahr geringer. Es gab zumindest weniger schwere Verletzungen der Insassen. 

          Es gibt allerdings einen Faktor, der die Ergebnisse der von Michael Sivak und Brandon Schoettle verfassten Studie zugunsten der selbstfahrenden Fahrzeuge schönt: Die selbstfahrenden Autos haben noch nicht den Straßenverkehr in seiner ganzen Härte erlebt. Die Testergebnisse kommen überwiegend aus Kalifornien, wo die Straßen beispielsweise fast nie schneeglatt oder auch nur vereist sind. Wenn möglich, lassen die Tester ihre wertvollen Autos auch noch nicht in ganz heiklen Verkehrssituationen fahren. 

          Überraschendes Verhalten

          Ein Muster für die Unfallursachen der selbstfahrenden Fahrzeuge ist wissenschaftlich noch nicht belegt, aber es gibt ein paar handfeste Vermutungen: Die hohe Anteil der Auffahrunfälle könnte dadurch erklärt werden, dass die selbstfahrenden Fahrzeuge ein für Verkehrsteilnehmer überraschendes Verhalten an den Tag legen, auch wenn sie sich korrekt verhalten.

          Noch etwas anderes  ist interessant: Die Studie zeigt, wie weit die Firmen schon sind. Zehn Unternehmen testen selbstfahrende Autos. Neben Google und Tesla sind das Volkswagen, BMW, Nissan, Delphi und weitere Firmen. Die Angelegenheit wird langsam ernst.

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