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Steigender Kohlenstoffausstoß : China prescht im Klimaschutz erst vor und dann zurück

Umweltschutz: China hustet uns eins Bild: dpa

Mit dem schönen Wetter in Peking haben sich bessere Aussichten für das Weltklima angekündigt. Doch eine Deckelung der Emissionen wird es vorerst nicht geben. Die Aktienkurse fallen.

          2 Min.

          Das sonst so smoggeplagte Peking erfreut sich in diesen Tagen eines wunderbaren Wetters. Es ist sommerlich warm, aber nicht zu heiß, eine leichte Brise weht. Zur Erfrischung gehen hin und wieder Gewitterschauer nieder, die die Vegetation ergrünen lassen. Auch die Feinstaubwerte sind auf ein erträgliches Maß gefallen.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Die angenehme Frühsommerzeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass China der größte Energieverbraucher und Treibhausgasemittent des Planeten ist und einen beträchtlichen Anteil zum Klimawandel beiträgt. Was oft totgeschwiegen wird: Nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch je Kopf ist der Ausstoß weit höher als im Weltdurchschnitt.

          Irgendwann mal weniger Emissionen

          Ähnlich wie die Vereinigten Staaten, Japan, Kanada oder Australien hat sich das Land in den internationalen Verhandlungen bisher geweigert, die Kohlendioxidemissionen zu begrenzen oder gar zurückzufahren. Die nationalen Ziele sehen keine absolute, sondern lediglich eine relative  Begrenzung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung vor. Da diese aber mit mehr als 7 Prozent im Jahr wächst, nimmt auch die Umweltverpestung in China weiter zu.

          Angesichts dieser Haltung schlug unter Klimaschützern die Nachricht wie eine Bombe ein, dass die Volkrepublik neuerdings über eine echte Kappung nachdenke. Der Regierungsberater He Jianku sagte vergangene Woche, diese Begrenzung könnte 2016 mit dem neuen Fünfjahresplan in Kraft treten.

          Jetzt allerdings rudern die Verantwortlichen zurück. Erst sagte Xie Zhenhua, Pekings oberster Klimabeauftragter, die Absicht bestehe zwar, aber noch sei unklar, wann die maximale Ausstoßmenge erreicht werde; damit rückte 2016 in weite Ferne.

          Kappung heißt nicht Kappung

          Jetzt legte Sun Cuihua nach, die Vizedirektorin im Büro für den Klimawandel, das dem mächtigen Planungsministerium NDRC unterstellt ist. Es gebe bisher keinerlei Entscheidung über eine Obergrenze, stellte sie klar. Dass eine neue Politik dazu schon in zwei Jahren greifen solle, sei eine „Simplifizierung“.

          Falls es doch zu einer Kappung käme, könnte sie auf verschiedene Weise erfolgen, erläuterte Sun. Entweder würde sie sich auf die ganze Industrie erstrecken oder nur auf solche Branchen, die sich am Emissionshandel beteiligten. Vermutlich werde es auch keine feststehende Obergrenze geben, sondern nur eine schrittweise, die man der jeweiligen Entwicklung anpasse.

          Das freilich, kritisieren Skeptiker, hätte eine ähnlich unverbindliche und willkürliche Wirkung wie bisher. Cui konterte diese Einwände mit dem Hinweis: „Unser Verständnis des Wortes ,Kappung‘ unterscheidet sich von dem in den Industrieländern.“

          Vermutlich liegt die Wahrheit, wie so oft im Reich der Mitte, eben dort: in der Mitte. Bindende Deckelungen dürften zwar kommen, aber erstens recht spät und zweitens auf einem derart hohen Niveau, dass der Wirtschaft genügend Raum bleibt, zu wachsen und die Kosten im Griff zu behalten.

          Erstmal ein Geschäft machen

          Angesichts der stark steigenden Expansion in der Geschäftswelt, im Verkehr, im Energieverbrauch und im Wohlstand entlässt China heute fast viermal so viele Schadstoffe in die Umwelt wie 1990. Mehr als ein Viertel aller Emissionen in der Welt stammen von hier.

          Um gegenzusteuern, will das Land noch im laufenden Jahrzehnt ein nationales Emissionshandelssystem aufbauen. Es gibt bereits sechs Pilotzonen dafür, darunter in Peking, Schanghai und in Kanton (Guangzhou). Der Handelsbeginn an einem weiteren Standort im westchinesischen Chongqing wurde auf kommende Woche verschoben.

          Die relativen Kappungsziele der Regierung sehen vor, dass im Jahr 2020 die Emissionsbelastung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt um mindestens 40 Prozent unter dem Wert von 2005 liegen muss.

          Fallende Kurse

          In Rauch lösen sich heute auch manche Aktienwerte auf. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific fällt bis zum Mittag um 0,4 Prozent. Das ist der stärkste Rückgang seit fast einem Monat. Zuvor hatte sich das Barometer von seinem Jahrestief im Februar aus um 11 Prozent auf den höchsten Stand seit sechs Jahren hochgearbeitet.

          Begründet wurde der Rückschlag mit den schlechten Vorgaben aus den Vereinigten Staaten. Wegen der pessimistischen Prognosen der Weltbank für die globale Wirtschaft war der Leitindex an der Wallstreet gestern um 0,4 Prozent gefallen, so stark wie seit dem 20. Mai nicht.

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