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TPP und der Yen : Steht Japan im Währungskrieg?

Krise oder nicht? Schlechte Wirtschaftswerte belasten die internationalen Finanzmärkte. Bild: AFP

Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton lehnt das Transpazifische Handelsbündnis TPP ab, weil der Vertrag nicht gegen Währungsmanipulationen vorgehe. Das zielt auf Japan.

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          Hillary Clinton, hoffnungsvolle Präsidentschaftskandidatin der amerikanischen Demokraten, lehnt das Transpazifische Handelsbündnis TPP ab. Der Pakt erfülle nicht die hohen Anforderungen, die sie an einen solchen Vertrag stelle, sagte Clinton bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa. In Asien wird das sehr aufmerksam wahrgenommen, schwinden damit doch die Chancen, dass der Handelspakt von zwölf Pazifikanrainerstaaten schnell ratifiziert wird. Clinton hatte als Außenministerin in der ersten Regierung von Präsident Barack Obama den Pakt noch unterstützt. Nun missfällt ihr unter anderem, dass in der Vereinbarung zu wenig Wert darauf gelegt werde, gegen Währungsmanipulationen vorzugehen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Wünsche aus dem amerikanischen Kongress und von Unternehmen wie Ford, in dem Regelwerk Währungsabwertungen einen Riegel vorzuschieben, hatten bei den Regierungen der TPP-Staaten nur begrenzt Gehör gefunden. In einer ungewöhnlichen, aber doch eher unverbindlichen Erklärung hatten die Finanzministerien der TPP-Staaten diese Woche aber angekündigt, man wolle in den „angemessenen Foren“ die makroökonomische Zusammenarbeit einschließlich in Wechselkursfragen verstärken.

          Japan schwächt den Yen…

          Einer der Adressaten von Clintons Kritik ist Japan, das mit der quantitativen Lockerung der Geldpolitik seit 2013 den Yen deutlich geschwächt hat. Natürlich bestreitet die Bank von Japan, dass diese Abwertung das geldpolitische Ziel sei oder dass sie ein bestimmtes Wechselkursniveau anstrebe. Aber klar ist doch, dass der Versuch, Japan aus der Deflation zu führen und die Inflation in die Höhe zu treiben, auch über den Wechselkurs läuft. Damit werden Importprodukte teurer, was die Verbraucher unter anderem an höheren Nahrungsmittelpreisen spüren. Und es werden die international aktiven Unternehmen gestärkt, die entweder bessere Exportmöglichkeiten gewinnen oder die – in Yen gerechnet - höhere Überweisungen ihrer ausländischen Tochterunternehmen erhalten.

          Wie sehr Japan von dem schwächeren Yen profitiert zeigt der Überschuss in der Leistungsbilanz, der im August fast sieben Mal so hoch war wie vor einem Jahr. Nach Angaben der Regierung betrug der Überschuss 1652,1 Milliarden Yen (etwa 12 Milliarden Euro). Ausschlaggebend dafür ist zum einen eine deutlich niedrigere Energieimportrechnung, weil der Ölpreis drastisch gesunken ist. Doch auch die Yen-Abwertung um fast 20 Prozent gegenüber dem Dollar trägt ihren Anteil dazu bei.

          ...und erlangt so Rekordgewinne

          Der Überschuss in der Einkommensbilanz stieg um 35 Prozent auf 2052 Milliarden Yen und lag damit so hoch wie mindestens seit 1985 nicht mehr. Das spiegelt wider, wie sehr die Japan und die japanischen Unternehmen von ihren Anlagen und Investitionen im Ausland profitieren – und wie sehr der schwache Yen diese Einnahmen in die Höhe treibt. Deshalb gründen die Rekordgewinne der Großunternehmen, aus denen die Notenbank sich mehr Investitionen verspricht, nicht zuletzt in der Yen-Abwertung. Auch die Einnahmen aus dem Tourismus steigen in Japan kräftig, weil mit dem schwachen Yen eine Flut asiatischer Besucher nach Tokio oder Kyoto strömt.

          Führt Japan so mit der Yen-Abwertung einen Währungskrieg? Im Kreis der Siebenergruppe und auch im Kreis der G-20-Staaten ist Japan bislang mit dem Gegenargument durchgekommen, dass die drastische Lockerung der Geldpolitik auf die Binnenwirtschaft abziele. So hatte sich übrigens auch die amerikanische Federal Reserve verteidigt, als sie nach der Finanzkrise 2008 mit der quantitativen Lockerung begann und den Dollar verbilligte. Das hat Hillary Clinton in Iowa nicht erwähnt.

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