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Kaffee : Starbucks und Italien kommen einfach nicht zusammen

Starbucks - nicht in Italien Bild: AP

Latte macchiato, Capuccino, Ristretto. Gibt es in Italien und bei Starbucks. Aber nicht in Italien von Starbucks. Und nicht in der Welt von einer italienischen Kette. Warum eigentlich?

          Der Dienstag ist der Tag des Kaffees. In den Vereinigten Staaten wird dieser Tag ernst genommen.  Viel Cafés geben einen Kaffee aus.  Dass das Getränk inzwischen eine ernst zu nehmende Angelegenheit ist in den Vereinigten Staaten, verdankt das Land der Kaffeehaus-Kette Starbucks.  Das Unternehmen hat binnen 30 Jahren die Kaffeekultur komplett verändert. An rund 11.000  Standorten in Vereinigten Staaten werden heute Heißgetränke verkauft, die den Namen Kaffee verdienen, weltweit gibt es rund 23.000 Niederlassungen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das Unternehmen will weiter kräftig wachsen.  In Großbritannien  hat ein  Franchisenehmer hohe Millionenbeträge akquiriert, um das Expansionstempo des Unternehmens zu beschleunigen. Dort vermeldet der Konzern aktuell schon gut 500 Filialen. Auch in Frankreich hat die Firma aus Seattle große Ambitionen. Sie kooperiert seit diesem Jahr mit den Supermarktketten  Monoprix und Casino, um die vergleichsweise geringe Anzahl von gerade 78 Coffeeshops schnell zu erhöhen.

          Respekt vor italienischer Kaffeekultur?

          In allen großen Ländern Europas ist Starbucks längst vertreten. In allen? Nein. Ein Land wehrt sich erfolgreich gegen den amerikanischen Kaffeehaus-Imperialismus: Italien. Starbucks kann in Italien keine einzige Filiale vorweisen. Drei Mal hat Unternehmensgründer Howard Schultz im Verlauf der 30 Jahre des Bestehens der Firma angekündigt, dass die Expansion nach Italien auf der Agenda stehe. Es ist nie dazu gekommen.

          Für Schultz ist das gewiss nicht leicht zu schlucken. Er hatte nach eigenen Angaben die große Erleuchtung für die weltumspannende Café-Kette ausgerechnet in Mailand im Schatten des Domes. Starbucks nennt keinen Grund, warum, man sich bis heute noch nicht in das Land gewagt hat.  Es könnte Respekt vor der besonderen Kaffekultur Italiens dahinter stecken. Dazu kommt die Herausforderung, in einem stark fragmentierten Markt mit Wettbewerbern höchster Qualität, die zudem den Kaffee zu guten Preisen anbieten,  wirtschaftlichen Erfolg zu haben.

          Wo bleibt Italiens Kaffeehauskette?

          Howard Schultz kann angesichts des Risikos mit dem Schmerz leben, in Italien noch nicht gelandet zu sein. Doch um wieviel größer muss der Schmerz für Italien sein, als Land der höchsten Kaffeekultur nicht selber eine weltumspannende Kette auf die Beine gestellt zu haben. „Wenn es eine Sache gibt, in der Italien wirklich wettbewerbsfähig und besser als jeder andere auf der Welt ist, dann sind es Lebensmittel. Die Tatsache, dass die wichtigste Kaffeehaus-Kette nicht italienisch ist, ist deshalb so schmerzhaft“, sagt Luigi Zingales, Finanz-Professor an der Universität von Chicago und Italiener.

          Aber, warum ist Italien unfähig, die große Fähigkeit zu exportieren und zu expandieren? Nach Zingales Beobachtung wird es um so rätselhafter, wenn man die Produktivität italienischer Wirte in Kalkül zieht. Sie sei fünfmal so groß wie die der Bedienungen von Starbucks, sagt Zingales. Die italienischen Wirte verstünden fünf Bestellungen gleichzeitig, müssten nie nachfragen und keine Namen notieren. Bei Starbucks muss man erst dem Kassierer mehrmals erklären, was man will, dann noch mehrmals dem Zubereiter.

          Hoffnungsträger Lavazza

          Das große italienische Problem ist aber der Diebstahl, die Bedienstete klauen von den Besitzern. Deswegen funktionieren oft nur Familienunternehmen oder kleine überschaubare Betriebe, glaubt Zingales. Da kann die Chefin, hinter der Kasse stehend,  ihr Personal überwachen. Das macht aber die Filialisierung fast unmöglich. Überwachung lässt sich schlecht skalieren. Laut Zingales ist dieses Problem nicht auf italienische Cafés beschränkt. Nach seiner Einschätzung liegt ein großes Problem der gesamten italienischen Wirtschaft darin, dass die Unternehmer es versäumt haben, ihre Betriebe nach oben zu skalieren. Bei Starbucks dagegen ist alles computerisiert. Howard Schultz weiß am Abend, wie viel Cappuccino in Washington getrunken wurde.

          Italien muss aber nicht alle Hoffnung fahren lassen. Das italienische Familienunternehmen Lavazza, in der jetzt die dritte und vierte Generation aktiv ist, hat große Expansionspläne in den Vereinigten Staaten. Bis 2018 will die Firma ihren Umsatz verdreifachen auf 300 Millionen Dollar, vor allem als Lieferant für Supermärkte und Privathaushalte. Ein Cafe der Lavazza-Kette Expression gibt es in Kalifornien. Da ist noch Spiel nach oben.

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