https://www.faz.net/-gqe-7iobx

Stahlindustrie : Thyssen-Krupp will Steel Americas notfalls behalten

  • Aktualisiert am

Wer soll das bezahlen? Bild: dpa

Es ist ein ewiges Hin und her: Die brasilianischen Stahlwerke von Thyssen-Krupp galten als so gut wie verkauft - jetzt scheint doch möglich, dass die Essener darauf sitzen bleiben.

          1 Min.

          Der Industriekonzern ThyssenKrupp will seine zum Verkauf stehenden amerikanischen Werke notfalls auch behalten. „Wir sind nicht erpressbar“, sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. „Wenn die Bedingungen zu schlecht sind, werden wir es auch ertragen, dass wir nicht verkaufen. Das streben wir nicht an, aber wir haben auch keine Angst davor“, erklärte er weiter.

          ThyssenKrupp bemüht sich schon seit geraumer Zeit, die Sparte Steel Americas zu veräußern. Die Werke in den Vereinigten Staaten und in Brasilien stehen bei ThyssenKrupp noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern. Der Konzern hat bislang mehr als 12 Milliarden Euro für sein amerikanisches Stahlgeschäft ausgegeben. Noch im Frühjahr hatte das Unternehmen einen Verkauf bis zum Geschäftsjahresende im September in Aussicht gestellt, doch die Verhandlungen sind ins Stocken geraten. Im Wesentlichen spricht ThyssenKrupp mit dem brasilianischen Stahlkonzern CSN über einen Verkauf.

          Auf die Frage, ob ThyssenKrupp bei den Verhandlungen die Zeit davonlaufe, sagte Hiesinger: „Natürlich ist unser Wunsch, Steel Americas zu verkaufen. Aber wir müssen ehrlich bleiben. Egal, wie die Verhandlungen ausgehen: Die Investitionen in die Stahlwerke in Amerika sind für unser Unternehmen ein Fehlschlag und eine extreme Belastung für die Finanzen. Unterm Strich können wir nur noch Schadensbegrenzung betreiben.“ Für Thyssen-Krupp gelte bei allem, was man tue, im Sinne des gesamten Unternehmens zu handeln. Das bedeute, die Stahlwerke würden nur dann verkauft, wenn die Verkaufsbedingungen eine tragfähigere Lösung ermöglichten, als ein Fortführen von Steel Americas im Konzern.

          Zum Thema Kapitalerhöhung sagte der ThyssenKrupp-Chef, „in der Tat wäre eine Entscheidung für eine Kapitalerhöhung am besten, wenn wir die Ergebnisse der Verkaufsverhandlungen vorliegen haben.“ ThyssenKrupp habe inzwischen beim operativen Geschäft aber keinen Mittelverbrauch mehr. Das gelte auch für die Sparte Steel Americas. „Es ist nicht mehr so, dass die Schulden steigen, im Gegenteil. Das ist ein großer Fortschritt und gibt uns Gelassenheit in den Verhandlungen zum Verkauf der Stahlwerke in Brasilien und Alabama“, so Hiesinger weiter.

          Er bekräftigte, dass es keine Pläne für einen Abschied auch von der Stahlproduktion in Europa gibt. „Es gibt keinen Automatismus, dass eine Trennung von Steel Americas auch einen Abschied von Steel Europe nach sich zieht. Wie gesagt: Es gibt keine Pläne für einen Abschied von der Stahlproduktion in Europa. Allerdings hängt viel auch vom Umfeld und den politischen Weichenstellungen ab“, fügte er hinzu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson im Dezember in London

          „Partygate“ : Bringt ein Kuchen Boris Johnson zu Fall?

          Neben einer internen Untersuchung nimmt auch Scotland Yard wegen Verstößen gegen Corona-Auflagen Ermittlungen gegen den britischen Premierminister auf. Das könnte Forderungen nach einem Misstrauensvotum befeuern.