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Sprache : Deutschlands längstes Wort hat ausgedient

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Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz Bild: dpa

Das mecklenburg-vorpommerische Landesrecht beherbergte bisher das längste Wort der deutschen Sprache. Die Suche nach einem Nachfolger des Begriffs mit den 63 Buchstaben beginnt.

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          Selbst der glorreiche Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützenschild sah neben ihm alt aus. Außerdem war dies ohnehin nur ein Kunstwort, das sich nahezu beliebig umgestalten und verlängern ließ. Im Guiness-Buch taucht etwa die Donaudampfschiffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft auf, deren Existenz aber nicht belegt ist.

          RkReÜAÜG

          Tatsächlich existierte dagegen in Mecklenburg-Vorpommern bislang ein Gesetz mit dem Kürzel „RkReÜAÜG“ oder ausgeschrieben: „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“, seit 2007 mit 63 Buchstaben das längste Wort der deutschen Sprache, nachdem 2007 die 2003 in Berlin eingeführte Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung aufgehoben wurde, die die Übertragung der Zuständigkeiten des Oberfinanzpräsidenten der Oberfinanzdirektion Berlin auf das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen behandelte.

          Nun wird auch das RkReÜAÜG nicht mehr gebraucht. Der Schweriner Landtag beschloss vergangenen Mittwoch, das Gesetz aufzuheben, das übrigens mit vollem Namen „Rinderkennzeichnungs- und Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ hieß. 1999 war es als Schutz der Verbraucher vor der Rinderseuche BSE eingeführt worden. Weil BSE-Tests für gesunde Rinder an Schlachthöfen auf Vorschlag der EU nun entfallen, fällt auch die Notwendigkeit für das lediglich sechs Paragrafen umfassende Gesetz weg.

          Es soll nun durch eine neue Verordnung ersetzt werden. Sie soll „Landesverordnung über die Zuständigkeiten für die Überwachung der Rind- und Kalbfleischetikettierung“ heißen, berichtet eine Sprecherin des Schweriner Landwirtschaftsministeriums und leider nicht über „Rind- und Kalbfleischetikettierungsüberwachungszuständigkeitenverordnung“, was immerhin 62 Buchstaben hätte.

          Juristen und Chemiker sind  Bandwurmkönige

          Sprachwissenschaftler berücksichtigen nur Wörter, die wirklich schon einmal in veröffentlichten Texten verwendet wurden. Durch die deutsche Liebe zu komplexen Verordnungen und Gesetzen entstehen dem Berliner Sprachforscher Anatol Stefanowitsch zufolge immer neue solcher Bandwurmwörter. „Die meisten richtig langen Worte stammen meistens aus Gesetzestexten.“ Aber auch chemische Fachbegriffe seien manchmal von rekordverdächtiger Länge.

          Das Gesetz zur Rindfleischetikettierung stand so exemplarisch für eine Besonderheit der deutschen Sprache: Theoretisch sind im Deutschen unendlich lange Begriffe erfindbar, ohne dass das Wort ein Ende findet. Um das zu zeigen, hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) einmal spaßeshalber den Begriff „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetzesentw urfsdebattierklubdiskussionsstandsberichterstattungsgeldantragsformular“ ins Leben gerufen.

          Rekordwortsuchkommissionsberufungskreisvorsitzender wird benötigt

          Ähnlich geeignet für wahllose Wortverlängerungen sind auch das Finnische und Ungarische, erzählt GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels. „Da wird jede grammatische Funktion einfach an das Wort angehängt.“ Anders ist es in Sprachen wie dem Türkischen oder Englischen. Dort werden zusammengesetzte Substantive meistens auseinandergeschrieben, erläutert Sprachforscher Stefanowitsch. Laut Oxford English Dictionary ist das längste Wort des Englischen nur 45 Buchstaben lang: pneumonoultramicroscopicsilicovolcanoconiosis ist der Begriff für eine in Deutschland als Quarzstaublunge bekannte Lungenkrankheit. Weil man Schriftsysteme wie das Arabische und Hebräische nicht mit dem lateinischen Alphabet vergleichen könne, ist laut Stefanowitsch unklar, welches weltweit das buchstabenreichste Wort ist.

          Jetzt beginnt die Suche nach einem neuen Rekordhalter. „Nun müssen sich andere Bundesländer um ein langes Wort bemühen“, sagt die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Die Fußstapfen des mecklenburg-vorpommerischen Gesetzes sind jedoch groß - und vor allen Dingen lang. 1999 hat es das Gesetz sogar unter die zehn Wörter des Jahres geschafft, berichtet Ewels. „Weil es eben so schön lang war.“

          In den Duden schaffte es das Gesetz dagegen nie, berichtet Nicole Weiffen vom Duden-Verlag. Der Auswahl neuer Wörter gehe ein komplexes Prozedere voraus, in dem geprüft werde, ob ein Wort mit gewisser Häufigkeit im deutschen Sprachgebrauch auftauche. Duden-Spitzenreiter ist derzeit mit 36 Buchstaben die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung. Das Gesetz aus Mecklenburg-Vorpommern habe es dagegen nie in den täglichen Sprachgebrauch geschafft - verständlich, findet Ewels: „Lange Wörter sind manchmal einfach unbequem.“

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