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Wichtige Schifffahrtsroute : Spannungen im Südchinesischen Meer wachsen

Ein chinesisches Kampfflugzeug patrouilliert die Inseln und Riffe des Südchinesischen Meeres. Bild: dpa

Die Philippinen wollen Inseln bevölkern und China entsendet Kampfjets. Und das während sich Chinas Präsident mit Donald Trump trifft.

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          Genau während des Gipfels des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seines chinesischen Gegenübers Xi Jinping wachsen die Spannungen im Südchinesischen Meer, der wichtigsten Schifffahrtsroute der Welt. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte erklärte, er haben Truppen zum Schutz unbewohnter philippinischer Inseln entsandt. Zugleich kursieren Satellitenaufnahmen eines chinesischen Kampfjets auf einer der Inseln, die Peking für seine Armee hatte ausbauen lassen.

          Der wichtigste Seeweg der Welt

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Chinesen haben seit Jahren Inseln in ihrem Anspruchsgebiet massiv entwickelt. Zum Zeitpunkt der Ankündigung Dutertes und des Treffens zwischen Trump und Xi versandte die Denkfabrik Asia Maritime Transparency Initiative (AMTI), eine Tochterorganisation des amerikanischen Center for Strategic and International Studies in Washington, Luftaufnahmen des chinesischen Kampfjets auf der Insel. Der J-11 Jet parkt auf Woody Island, das zur zwischen den Ländern umstrittenen Gruppe der Paracel-Inseln gehört. „Wir können sie nicht aufhalten, sie bauen die Inseln dort aus in der Überzeugung, dass dies ihre seien. China wird (dafür) in den Krieg ziehen“, warnte Durterte vor wenigen Wochen.

          Rund 30 Prozent des Welthandelsvolumens von mehr als 19 Billionen Dollar werden durch das Südchinesische Meer transportiert. Schon der frühere amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter sprach von „wachsenden Spannungen“ im Südchinesischen Meer. Zeitgleich hatte Chinas Marineadmiral Wu Shengli darauf hingewiesen, dass bereits ein „kleinerer Zwischenfall Krieg auslösen“ könne. „Hier handelt es sich um den allerwichtigsten Seeweg der Welt, gemessen an der transportierten Tonnage und am Wert der Waren. Wenn diese Region gefährlicher oder schwieriger wird, wird dies die Gleichung des Welthandels empfindlich treffen“, hatte Kurt Campbell gewarnt. Er hatte die Asienpolitik von Obama geformt und sitzt heute unter anderem im Verwaltungsrat der Standard Chartered Bank. Campbell leitet die Strategieberatung The Asia Group.

          Peking ignoriert Urteil des Internationalen Gerichtshofes

          AMTI erklärte nun, es stünden „wohl mehr dieser Jets in den Hangars“, die China auf Woody Island gebaut hat. Man erwarte nun auch eine Stationierung auf den südlicher gelegenen Spratly Islands, da China dort den Bau der Militäreinrichtungen beendet habe. Ministerpräsident Li Keqiang drehte das Argument der Anrainer-Staaten jüngst um, indem er davon sprach, Verteidigungswaffen seien auf den Inseln stationiert worden, um eine freie Seefahrt zu garantieren. „Freedom of Navigation“ ist die Forderung von Ländern wie Vietnam, den Philippinen, Japan und vor allem der Schutzmacht Amerika, die aber in den vergangenen Jahren kein Mittel gefunden hatte, das Vordringen Chinas zu bremsen. Auch Malaysia, Brunei-Darussalam und Taiwan fordern Einfluss auf Teile des Südchinesischen Meeres. Ein Urteil des Internationalen Gerichtshofes, der auf Klage der Philippinen gegen das Vorpreschen Chinas entschieden hatte, ignoriert Peking.

          Duterte erklärte beim Besuch einer Militärbasis mit Blick auf die Besetzung der eigenen Inseln nun: „Es sieht so aus, als ob jeder sie sich unter den Nagel reißen wolle. Also bevölkern wir die unbewohnten besser. Was nun uns gehört, werden wir ganz sicher behalten.“ Im Oktober vergangenen Jahres hatte Duterte noch einen Bruch mit Washington erklärt und sich an China gewandt, das seine Arme ihm gegenüber weit öffnete. Die Philippinen betrachten acht Erhebungen, Inseln und Riffe im Südchinesischen Meer als die ihren. Dazu zählt auch ein gesunkenes Transportschiff aus dem Zweiten Weltkrieg am Second Thomas Shoal.

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