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Sorgenkind China : Asiatisches Krisengeraune

Bild: REUTERS

Mit Sorge blickt die Welt nach China. Banker und Investoren warnen, dass die Risiken wüchsen. Asien ist auf eine etwaige neue Finanz- und Wirtschaftskrise nicht vorbereitet.

          2 Min.

          Das Wort von der drohenden Krise in Asien wird wieder lauter. Die Blicke richten sich auf China. Zwar hatten die Politiker und Notenbanker aus Peking noch auf dem Treffen der Finanzminister in Sydney am Wochenende versichert, sie hätten die Lage im Griff. Und auch der amerikanische Finanzminister Jack Lew fand beruhigende Worte. Doch Banker und Investoren warnen, dass die Risiken wüchsen.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dabei ist Asien auf eine etwaige neue Finanz- und Wirtschaftskrise nicht vorbereitet. Die Chiang Mai Initiative, nach der Asienkrise 1997 als Regionalbund zur Krisenabwehr geschaffen, habe den Praxistest der Finanzkrise 2007 nicht bestanden, sagte die Asiatische Entwicklungsbank (ADB). Die Versuche der „Finanzintegration“ haben beim „Markttest versagt“, bescheinigt Iwan Aziz, Leiter des Büros für Regionalintegration der ADB dem Vorhaben. Die wachsenden Spannungen in Nordasien zwischen China, Japan, Südkorea und den Philippinen führten zu einer „Rivalität“, die wiederum in einen „Konflikt“ münden könnten, sagte Aziz. Die Finanzarchitektur Asiens reiche aber nicht aus, um ein Sicherheitsnetz zu bieten.

          Die Chiang Mai Initiative bestand zunächst aus bilateralen Swap-Abkommen und wurde dann zu einem multilateralen System weiterentwickelt, das einem kleinen Internationalen Währungsfonds (IWF) entsprechen sollte. Auf einer Konferenz in Tokio wurde es nun von den Fachleuten als „viel zu kompliziert“ gegeißelt. Damit blieben die Staaten Asiens weiterhin von Abkommen mit der amerikanischen Notenbank Fed oder dem IWF abhängig. Es fehle schon an den notwendigen Analysen, die eigentlich das Amro (Asean + 3 Macroeconomic Research Office) genannte Büro der Chiang Mai Initiative in Singapur leisten solle. Aziz warnte, die Risiken für Turbulenzen an den Märkten stiegen aufgrund wirtschaftlicher Probleme und aufgrund der ungelösten Sicherheitsthemen. Die Entwicklung der Mechanismen, die diese Risiken etwa durch Swap-Abkommen auf mehrere Schultern verteilen sollten, bliebe dagegen zurück.

          Die Krisenstimmung wird dadurch angeheizt, dass die chinesischen Banken immer vorsichtiger werden, sich untereinander noch Geld zu leihen. Die Lage erinnere an Amerika vor der Finanzkrise 2008, warnen Banker.  Die Milliardäre George Soros und Bill Gross stoßen ins selbe Horn. Die Kosten für das Leihen von Geld stiegen derzeit so rapide, dass das System gefährdet sei. „Ich sehe wachsende Parallelen zwischen China und dem Amerika, in dem sich die Finanzkrise aufgebaut hat“, sagte Patrick Perret-Green von der ANZ Bank der Agentur Bloomberg. Die Zentralbank hat dem chinesischen Markt in den vergangenen drei Wochen fast 700 Milliarden Yuan (83,1 Milliarden Euro) entzogen, um die ungezügelte Kreditvergabe zu zügeln. Noch aber weiß niemand überhaupt genau, wie viele Schattenbanken es überhaupt gibt, denn es fehlt an Daten und Definitionen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua rechnet etwa mit dem Zusammenbruch von einem Drittel der rund 200.000 Stahlhandelsfirmen Chinas.

          Aktionäre zeigten sich von den Krisendebatten in Asien am Mittwoch nicht wirklich betroffen. Die Aktienkurse pendelten bis zum Mittag in Tokio. Der Regionalindex MSCI Asia Pacific gab 0,2 Prozent ab. Japans Topix-Index verlor 0,5 Prozent. Australiens Index und derjenige in Korea legten leicht um 0,1 Prozent zu. Die Indizes in Hongkong (plus 0,2) und Schanghai (0,1) machten minimal Boden gut. Der Straits Times Index in Singapur gab 0,5 Prozent nach.

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