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Amerikanischer Arbeitsmarkt : Die Zweifel der Notenbank Fed

Die Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Janet Yellen erklärt im Kapitol die Strategie der Fed (Juni 2016). Bild: AP

Die Zentralbanker der Fed wagen keine Leitzinserhöhung. Das jetzt veröffentlichte Ergebnisprotokoll ihrer Junisitzung zeigt, wie verunsichert die Experten sind.

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          Oberflächlich schien alles bestens: Anfang Juni präsentierte das amerikanische Wirtschaftsministerium die Arbeitsmarktzahlen für den Monat Juni. Die Arbeitslosenquote sank auf  4,7 Prozent, was nach der Definition der meisten Volkswirte schon sehr nach Vollbeschäftigung klang. Doch die Zahlen hinter dieser Zahl erwiesen sich schnell als deutlich schlechter.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Denn der vordergründige Erfolg war ganz offensichtlich darauf zurückzuführen, dass ungewöhnlich viele arbeitslose Personen aus der Statistik gefallen sind, weil sie nicht aktiv nach Beschäftigung gesucht hatten. Auch andere wichtige Kennziffern trugen zuletzt zur Ernüchterung bei: Die Beschäftigungsquote, Beschäftige im Verhältnis zur Bevölkerung, sank wieder. Und der Anteil der Leute, die nur eine Teilzeitstelle bekommen konnten, obwohl sie gerne eine Vollzeitstelle hätten, stieg im Mai spürbar an.

          Das war ein zentraler Grund für die Zentralbanker der Fed, die Leitzinsen in ihrer Sitzung Mitte Juni auf dem Niveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent zu belassen. Das jetzt veröffentlichte Ergebnisprotokoll der Junisitzung gibt das Bild frei auf Zentralbanker, die die Daten vom Arbeitsmarkt unterschiedlich deuten und zugleich ein gerüttelt Maß an Unsicherheit zeigen.

          Ihr Blick gilt auch der Brexit-Entscheidung, die an den Tagen der Sitzung (14. und 15. Juni) noch nicht feststand. Mit ihr verbanden die Fed-Banker gleichwohl das Risiko großer Turbulenzen an den Finanzmärkten, das in ihren Augen einen Aufschub der angedachten Zinserhöhung vernünftig scheinen ließ.

          Ein Teil der Geldpolitiker führte die schwachen Mai-Daten vom Arbeitsmarkt auf statistische Sondereffekte und vorübergehende Faktoren zurück wie einen Streik beim Telekomriesen Verizon, der zu einer rein statistischen Erwerbslosigkeit von rund 25.000 Personen geführt hatte. Gleichwohl gelangten viele Zentralbanker zum Ergebnis, dass die Erholung am Arbeitsmarkt im Tempo deutlich nachlässt. Eine Minderheit war allerdings optimistischer. Andere fürchten im Gegenteil, dass die geringeren Beschäftigungsgewinne ein Zeichen sind für eine Abschwächung der Konjunktur.

          Doch es gibt auch eine kleine Gegenfraktion: Sie sieht das Problem nicht in der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, sondern im Angebot. Dieser Hypothese zufolge ist der Arbeitsmarkt inzwischen so eng, dass Firmen kein geeignetes Personal mehr finden. Steigende Löhne und Berichte über Rekrutierungsprobleme stützen diese These.

          So sicher aber scheint sich keiner zu sein. Denn fast alle Teilnehmer der Zentralbanksitzung im Juni räumten ein, dass die überraschenden Kennzahlen vom Arbeitsmarkt die Unsicherheit über die wahre Stärke oder Schwäche des Arbeitsmarktes erhöht haben. Mehr Sicherheit wird der kommende Freitag bringen: Dann werden die Junidaten veröffentlicht. Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten 179.000 neue Jobs für Juni nach einem kümmerlichen Zugewinn von 38.000 im Mai.

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