https://www.faz.net/-gqe-87wl2

Dienst zum Bilderteilen : Snapchat verlangt Geld für Wiederholungen

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Reiz der Smartphone-Anwendung liegt darin, dass sich verschickte Fotos nach Sekunden selbst löschen. Nun können Nutzer mehrere Nachrichten noch einmal anschauen, aber das kostet.

          2 Min.

          Mitunter ist es eine Milliardenfrage: Wie will ein Entwickler von Smartphone-Anwendungen Geld verdienen? Manche App-Produzenten entscheiden sich für den nächstliegenden Weg, und blenden Werbung ein. Andere kassieren am Anfang ab, wenn Nutzer sich die Anwendung auf ihr Smartphone oder ihren Tabletcomputer laden, und bleiben dafür werbefrei.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine dritte Gruppe verfährt nach dem Modell „Freemium“. Das Kofferwort aus den englischen Begriffen free und premium bedeutet: Grundsätzlich ist die Nutzung der Anwendung umsonst, wer Zusatzfunktionen will, muss zahlen. Schließlich gibt es die Anwendungsentwickler, die ein Mischmasch aus allen Strategien vorziehen.

          Die Milliardenfrage stellt sich auch für den amerikanischen Fototeildienst Snapchat. Über die Anwendung können Nutzer ihren Freunden Schnappschüsse senden, die sich nach wenigen Sekunden wieder im Äther des Internets in Luft auflösen. Nach Angaben der Wagniskapitaldatenbank CB Insight ist Snapchat dank mehrerer Finanzierungsrunden von Investoren inzwischen auf dem Papier 16 Milliarden Dollar wert.

          16 Milliarden Dollar ohne Umsatz

          Allerdings hat das Unternehmen bisher erst wenige Versuche gestartet, überhaupt Umsatz zu erwirtschaften. Im Oktober vergangenen Jahres verschickte das Unternehmen dann ein erstes Werbevideo an Nutzer, um zu ergründen, ob denn mit Anzeigenkunden Geld zu verdienen sei. Am Dienstag hat sich Snapchat nun eine weitere Erlösquelle erschlossen: Nutzer können sich Nachrichten, die sie verpasst haben, noch einmal anzeigen lassen – bevor sie sich dann in Luft auflösen. Allerdings gegen Entgelt.

          Drei Wiederholungen schlagen mit 0,99 Dollar-Cent zu Buche. Danach gibt es einen Rabatt. Zehn wiederholte Nachrichten kosten 2,99 Dollar, zwanzig 4,99 Dollar. Die Funktion wird laut einem Blogeintrag erst einmal lediglich Nutzern in den Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen. Ob es auch in anderen Ländern möglich sein wird, sich das „Noch-einmal“ zu erkaufen, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Und: Jede einzelne Nachricht ist nur exakt einmal wiederholbar.

          Dass Snapchat es möglich macht, Nachrichten noch einmal anzuzeigen, ist nicht ganz neu. Vor fast zwei Jahren hatte das Unternehmen die sogenannte „Replay“-Funktion erstmals eingeführt. Allerdings war der Umfang auf eine Wiederholung je Nutzer und Tag beschränkt. Das habe mitunter „Millionen Nutzer frustriert, die viele Nachrichten erhalten, die es wert sind, wiederholt zu werden“, heißt es in dem Blogeintrag. Auch deshalb sei dem Unternehmen aufgegangen, dass ein noch einmal betrachteter Schnappschuss auch eine gewisse Anerkennung widerspiegele. Natürlich seien die Wiederholungen „ein wenig kostspielig, aber: Zeit ist Geld“, schreibt Snapchat augenzwinkernd.

          Nacktfotos mit Selbstzerstörung

          Abseits solcher Wortspiele ändert Snapchat mit den kostenpflichtigen Wiederholungen seinen Charakter. Bisher war der Dienst vor allem gerade deshalb unter jungen Menschen so erfolgreich, weil sie sich über ihre Online-Identitäten nicht allzu viele Gedanken machen mussten. Während unvorteilhafte Bilder in anderen sozialen Netzwerken mit ein wenig Pech lange Zeit überdauern, verschwanden sie in Snapchat binnen Augenblicken – es sei denn ein anderer Nutzer machte davon eine Kopie.

          Dem Dienst wird auch immer wieder nachgesagt, dass Nutzer ihn für Sexting verwenden, also für das Versenden von anzüglichen Fotos oder Nacktbildern. Die kostenpflichtigen Wiederholungen könnten daher auch dazu führen, dass der ein oder andere Nutzer sich es überlegt, bestimmte Fotos und Nachrichten über Snapchat nicht mehr zu teilen.

          Weitere Themen

          Weltraumtouristen sicher gelandet Video-Seite öffnen

          SpaceX : Weltraumtouristen sicher gelandet

          Aus dem SpaceX-Flugkontrollzentrum in einem Vorort von Los Angeles war Applaus zu hören, als sich die ersten Fallschirme öffneten.

          Topmeldungen

          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.
          Zollfahndung im Einsatz in Köln

          Ermittlungen gegen die FIU : Kapitulation vor den Geldwäschern

          Die Spezialeinheit FIU versagt in der Aufdeckung. Das kann nun auch Finanzminister und Kanzlerkandidat Olaf Scholz schaden. Seit Jahren ist die Zahl der verfolgten Geldwäsche-Delikte rückläufig.
          Blick vom Parlamentsberg auf Kanadas Hauptstadt Ottawa

          Riskante Wette : Trudeau gegen Kanadas Trump

          Der Regierungschef will die Wahl zum Referendum über seine Pandemie-Politik machen. Hat er sich damit verzockt? Es scheint auf jeden Fall eng zu werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.