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Smarter Vermögensverwalter : Das Orakel von Tampa

  • -Aktualisiert am

Der Fonds von Harold „Jay“ Bowen hat über die vergangenen 20 Jahre eine jährliche Durchschnittsrendite von 9,88 Prozent. Bild: REUTERS

Der Vermögensverwalter eines Pensionsfonds in Florida schlägt seit vielen Jahren den Aktienindex S&P 500. Das Mantra der meisten Profiinvestoren – eine breite Diversifizierung - schlägt er in den Wind.

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          Harold „Jay“ Bowen III ist kein sonderlich bekannter Name an der Wall Street. Zwar tritt der Präsident des Vermögensverwalters Bowen, Hanes & Company aus Atlanta ab und zu als Experte in den einschlägigen Wirtschaftssendern auf. Auch Zeitungen und Magazine haben schon - zumeist kleinere - Geschichten über ihn gebracht. Aber die Popularität von Bowen ist nicht zu vergleichen mit der von Star-Anlegern wie Warren Buffett, der auch als „Orakel von Omaha“ bekannt ist. Das gilt auch für einen wichtigen Kunden von Bowen, den Pensionsfonds für die Feuerwehrleute und Polizisten der Stadt Tampa im amerikanischen Bundesstaat Florida.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Diese Pensionskasse und der 52 Jahre alte Bowen verdienen aber mehr Ruhm. Wie die „New York Times“ am Wochenende berichtete, liegt der Fonds mit einer jährlichen Durchschnittsrendite von 9,88 Prozent über die vergangenen 20 Jahre im obersten Prozentrang aller Pensionsfonds mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1 Milliarde Dollar. Zum Vergleich: der breitgefasste Aktienindex S&P 500 kommt im gleichen Zeitraum auf eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,8 Prozent. Nur 7,7 Prozent erreichte Calpers, die riesige Pensionskasse für die Angestellten des Bundesstaates Kalifornien.

          Der Pensionsfonds aus Tampa fällt nicht nur wegen der besseren Renditen aus dem Rahmen. Er schlägt auch das gängige Branchenmantra einer möglichst breiten Diversifizierung in den Wind. Pensionskassen wie Calpers beauftragen ein Sammelsurium von Fondsgesellschaften mit der Verwaltung ihres Geldes. Dazu streuen sie das Vermögen über viele Anlageklassen - von Aktien über Anleihen bis hin zu Rohstoffen und außerbörslichen Beteiligungen (Private Equity). Die Anlagen des Tampa-Fonds verwaltet seit vierzig Jahren dagegen nur Bowen, Hanes & Co. Jay Bowen, der die Verantwortung für die Anlagen in den neunziger Jahren von seinem Vater übernommen hat, investiert nur in Qualitätsaktien und -anleihen. Das Portfolio ist mit 70 bis 80 Aktien relativ konzentriert. „Wir verfolgen einen ganz einfachen Ansatz“, sagte Bowen der „New York Times“. „Kein Private Equity, keine Hedgefonds, keine spekulativen Anleihen.“

          Die Verteilung der Anlagen ist auch eher konservativ: 65 Prozent des verwalteten Vermögens stecken in Aktien, der Rest in Anleihen. Vor 1980 hat der Fonds zudem keine ausländischen Wertpapiere besessen, mittlerweile entfällt bis zu ein Viertel des Fonds auf Auslandsanlagen. Aber in Aktien aus Schwellenländern investiert Bowen bis heute nicht. Der Fondsmanager verfolgt einen langfristigen Ansatz. Wie Buffett sucht er nach Unternehmen, die an der Börse unterbewertet scheinen und hält sie dann lange im Portfolio. Bowen bildet sich aber erst eine Meinung über makroökonomische Trends und wählt danach Aktien aus, die von diesen Entwicklungen profitieren können. Im vergangenen Jahrzehnt hatte er mit Erfolg auf einen Aufschwung von Rohstofftiteln gesetzt. Derzeit legt der Fonds einen Schwerpunkt auf global agierende Konsumgüter-Hersteller wie Unilever oder Nestlé. Bowen zeigt sich überrascht, dass seine Anlagephilosophie bei vielen Pensionsfonds als unorthodox gilt. „Es ist so ziemlich dasselbe, was Buffett tut“, sagte Bowen. „Er ist auch nicht diversifiziert. Aber praktisch niemand folgt seinem Vorbild.“

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