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Vorwurf der Geldwäsche : Singapur schließt Niederlassung der Schweizer Falcon Bank

Singapurs Finanzdistrikt: Die Behörden wollen nun entschieden gegen Geldwäsche vorgehen. Bild: Reuters

Singapur zieht in den Kampf gegen Geldwäsche und windige Bankgeschäfte. Zu spüren bekommt das die Schweizer Falcon Bank. Ihr Leiter wird verhaftet. Doch die Verbindungen reichen bis zum Premierminister Malaysias.

          Der Finanzplatz Singapur zieht die Daumenschrauben der Banken weiter an. Am Dienstagmorgen verkündete die Notenbank „Monetary Authority of Singapore“ (MAS), der Singapurer Niederlassung der Schweizer Falcon Private Bank die Marktzulassung zu entziehen. Ihr Leiter, der Schweizer Jens Sturzenegger, sitzt seit dem 5. Oktober in Singapur in Haft. Erst vor wenigen Wochen hatte Singapur die Niederlassung der Schweizer BSI SA dicht gemacht. Drei ihrer Manager wurden angeklagt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Schweizer von Falcon hätten gegen die Gesetze gegen die Geldwäsche verstoßen, das Spitzenmanagement sowohl in Singapur wie in der Schweiz habe sich „nicht angemessen verhalten“, teilte MAS mit. Wie ernst es die Notenbank meint, lässt sich daran ablesen, dass nicht nur die vergleichsweise unbedeutende Falcon Bank bestraft wird: Auch die staatliche DBS Group, die größte Bank Südostasiens, und die Singapurer Niederlassung der Schweizer UBS Bank, ein großer Investor in Singapur, werden wegen des Vorwurfs der Geldwäsche bestraft.

          Sie büßen dafür, am wohl lukrativen Geschäft um den Staatsfonds 1MDB des benachbarten Malaysia teilgenommen zu haben. Dessen Handeln, welches noch viele ungeklärte Fragen um den malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak offen lässt, beschäftigt die Staatsanwaltschaften rund um die Erde. Die Beamten in Bern vermuteten schon Ende Januar, dass es für den Zeitraum von 2009 bis 2013 Anhaltspunkte auf Veruntreuungen im Umfang von bis zu 4 Milliarden Dollar gebe. Gerade erst haben sich die Schweizer Behörden noch einmal beschwert, dass die Malaysier die erwünschte Zusammenarbeit bei der Aufklärung mangeln lassen.

          Der malaysische Premierminister hatte fast 700 Millionen Dollar auf seinem Privatkonto bei Falcon gefunden. Erst nach langem Zögern erklärte er, dies stamme aus arabischen Quellen. Gelder sollen über 1MDB gewaschen und angelegt worden sein, vielleicht wurde der Fonds auch geplündert.

          Schweizer Banker in Haft

          Der Leiter der Singapurer Niederlassung, Jens Sturzenegger, der erst vor zwei Jahren in die Stadt kam, wurde inzwischen verhaftet. „Falcon Bank hat immer wieder und deutlich gezeigt, dass sie die Forderungen und Erwartungen der MAS nicht versteht“, erklärte die Notenbank in ihrem vernichtenden Urteil. Gegen die Bank wurde eine Strafe von 4,3 Millionen Singapur Dollar (2,8 Millionen Euro) verhängt wegen des Verstoßes gegen Geldwäsche und Finanzierung von Terrorismus. Gegen DBS wurde eine Strafe von einer Million Singapur Dollar, gegen die UBS eine Strafe von 1,3 Million Singapur Dollar ausgesprochen. Weiter untersucht wird die Singapurer Niederlassung der Standard Chartered Bank.

          Die Falcon Private Bank dementierte erst Anfang des Monats Gerüchte, sie werde übernommen. Der neue Bankchef Walter Berchtold, ein Zögling des früheren Credit Suisse Chefs Oswald Grübel und Bekannter von Stars wie Roger Federer oder Tina Turner, habe den Auftrag, das Institut zu veräußern, ein möglicher Interessent sei die Genfer Heritage, hieß es. Falcon wurde 2009 vom Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi übernommen und betreut in Zürich, London, Singapur, Abu Dhabi und Dubai wohlhabende Privatkunden und Familien. Ihr Anlagevolumen soll rund 18 Milliarden Schweizer Franken betragen.

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