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„Black Friday“ : Shoppen nach dem Truthahn-Fest

Typisch „Black Friday“: Vor den Läden wie hier in Arlington bilden sich lange Schlangen. Bild: dpa

Der „Black Friday“ ist in Amerika der Startschuss für die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts. Aber viele ungeduldige Amerikaner gehen schon an Thanksgiving einkaufen.

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          Erst Truthahn, dann Shopping: Am Donnerstag feierten Amerikaner das Thanksgiving-Fest, und traditionell ist der darauf folgende Freitag einer der wichtigsten Einkaufstage des Jahres. Dieser „Black Friday“ markiert den inoffiziellen Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Händler locken mit aggressiven Kampfpreisen, der Tage ist berüchtigt für lange Schlangen vor den Geschäften und chaotische Szenen mit Kunden, die sich um Sonderangebote reißen. Der „Black Friday“ hat seinen Namen von der Branchenregel, wonach an diesem Tag Einzelhändler die Gewinnschwelle für das Jahr überschreiten und schwarze Zahlen schreiben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Allerdings scheint der „Black Friday“ etwas von seiner einst überragenden Bedeutung zu verlieren. Nicht nur sparen sich viele Menschen das Gewühl in den Geschäften und kaufen stattdessen im Internet ein. Der Shopping-Rausch erfasst mehr und mehr auch schon den Thanksgiving-Tag selbst. Schon im vergangenen Jahr machte eine Reihe von Händlern ihre Geschäfte am Feiertag auf, und diesmal haben sich viele Türen noch früher geöffnet. Die Kaufhauskette Macy’s zum Beispiel hat ihr New Yorker Flaggschiffgeschäft und andere Läden diesmal schon am Donnerstag um 18 Uhr statt wie im Vorjahr um 20 Uhr eröffnet. Auch der Discounter Target ging von 20 auf 18 Uhr. Die Elektronikkette Best Buy, die im vergangenen Jahr um 18 Uhr Kunden hereinließ, legte diesmal noch eine Stunde früher los.

          Auf Kosten der Feierlichkeiten

          Diese immer früheren Öffnungszeiten sind aber umstritten, weil sie dafür sorgen, dass Verbraucher und Mitarbeiter in den Geschäften die Thanksgiving-Feierlichkeiten mit ihren Familien abkürzen. Ein Mitarbeiter von Target startete auf der Internetseite „Change.org“ eine Unterschriftensammlung, die das Unternehmen auffordert, seine Läden an Thanksgiving geschlossen zu halten. Er schrieb, üblicherweise habe er mitten während des Thanksgiving-Dinners aufbrechen müssen, um zur Arbeit zu gehen, und diesmal werde er gar nicht erst an dem Familienfest teilnehmen können. „Thanksgiving ist eine Zeit für Freunde und Familie. Es ist nicht für Sonderangebote, Sparen und Geld,“ schrieb er. Mehr als 100.000 Unterschriften hat der Target-Mitarbeiter schon für seine Petition gesammelt.

          Der größte amerikanische Einzelhändler Wal-Mart will seine „Black Friday“-Aktionen diesmal über fünf Tage verteilen. Schon am Donnerstag morgen um 6 Uhr ging es mit Sonderangeboten auf der Internetseite los, ab 18 Uhr lockten auch die Läden mit Aktionen, und Wal-Mart verspricht bis zum Montag Niedrigpreise auf viele Produkte. „Es hieß einmal Black Friday, dann wurde daraus der Donnerstag, jetzt ist es eine ganze Woche lang. Vielleicht sollten wir es einfach nur November nennen,“ sagte ein Wal-Mart-Manager kürzlich der Zeitung „Wall Street Journal“.

          Signal für Weihnachten

          Dem „Black Friday“-Wochenende wird in der Branche eine Signalwirkung für das Weihnachtsgeschäft gegeben, es ist aber kein zuverlässiger Indikator. In den vergangenen Jahren gelang zwar oft ein glänzender Start in das Weihnachtsgeschäft, dafür hielten sich die Verbraucher in den Wochen danach umso stärker zurück.

          Die Händler locken mit Sonderangeboten, die Käufer schlagen zu. Der Tag hat Signalwirkung für das Weihnachtsgeschäft.

          Insgesamt sind die Vorzeichen für das diesjährige Weihnachtsgeschäft aber nicht schlecht. Die niedrigen Benzinpreise könnten die Konsumfreude der Amerikaner ankurbeln, die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt und an der Börse könnte ebenfalls helfen. Der Branchenverbrand National Retail Federation erwartet, dass die Umsätze im amerikanischen Einzelhandel im November und Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent auf 616,9 Milliarden Dollar steigen werden. Es wäre das erste Mal seit drei Jahren, dass die Umsätze um mehr als 4 Prozent zulegen. Der Verband hält auch offenbar einen Abgesang an den „Black Friday“ für verfrüht. Er rechnet damit, dass 95,5 Millionen Amerikaner an diesem Freitag die Geschäfte stürmen werden und damit gut 3 Millionen mehr als 2013.

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