https://www.faz.net/-gqe-8bzdb

Schwäche in Asien : Singapurs Aktienmarkt ist weniger wert als Apple

Zwei Besucherinnen auf der Aussichtsplattform der „National Gallery“ in Singapur. Bild: dpa

Singapur wäre gern der „Tower Asiens“. Doch das Land findet keinen Weg aus der Schwäche der eigenen Industrie und leidet unter den Nachbarländern. Investoren wenden sich von der Börse ab.

          2 Min.

          Die asiatische Metropole Singapur bekommt zunehmend die Schwäche der umliegenden asiatischen Länder und die eigene Produktivitätslücke zu spüren. Deshalb leidet seine Börse: Deren gesamte Marktkapitalisierung ist nun weniger wert als diejenige des Computerriesen Apple. Dies gibt ausländischen Investoren einen ersten Geschmack von einem Asien, das die Phase einer Abkühlung durchläuft.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Im vergangenen Jahr wuchs der Stadtstaat in Südostasien nur noch um 2,1 Prozent im Jahresvergleich – so wenig wie seit sechs Jahren nicht mehr. Im Jahr 2014 hatte die Wachstumsrate noch bei 2,9 Prozent gelegen, im vierten Quartal betrug die Wachstumsrate nur noch 2 Prozent. Die herstellende Industrie schrumpfte dabei um 4,8 Prozent im Gesamtjahr, im vierten Quartal sogar um 6 Prozent.

          Singapur wird aber nicht nur das Abschwächen der Wirtschaft in China spüren, sondern auch die Probleme in den umliegenden Ländern. Malaysia wird von einem politischen Skandal um den Ministerpräsidenten erschüttert, in Thailand finden die Generäle, die sich an die Macht geputscht haben, keinen Weg zu mehr Wachstum. Indonesien, Südostasiens größte Volkswirtschaft, weist für das vergangene Jahr nur noch 4,735 Prozent Wachstumsrate aus. Ein weiterer Tiefschlag für den mit großer Hoffnung auch von internationalen Investoren begrüßten Präsidenten Joko Widodo, der 5,7 Prozent Wachstum als Zielwert hatte ausgeben lassen.

          Auch Indien korrigiert das Wachstumsziel nach unten

          Auch die indische Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi musste ihr Wachstumsversprechen für dieses Fiskaljahr (31. März) gerade deutlich nach unten korrigieren und erwartet nun noch 7 bis 7,5 Prozent nach ursprünglich 8,1 bis 8,5 Prozent.

          Für dieses Jahr spricht die Regierung Singapurs von einem Wachstumskorridor zwischen 1 und 3 Prozent. Die OCBC Bank rechnet mit 2 bis 3 Prozent. „Auf der Entwicklung lasten die Abwertung und die politischen Risiken in China, wie auch die Normalisierung der Zinsen in Amerika“, merken die Analysten an. Das Wachstum des vergangenen Jahres wurde vor allem durch die Bauaufträge der Regierung angeheizt. Auch der Dienstleistungssektor legte weiter zu. Die Herausforderung aber liegt im produzierenden Gewerbe mit einem Minus von 3,1 Prozent im Vergleich des vierten zum dritten Quartal und dessen Produktivitätsrate. Der Ausstoß sinkt nun seit zehn Monaten in Folge. Der Dienstleistungssektor im selbsternannten „Tower Asiens“, von dem aus die Geschäfte der Region gesteuert werden sollen, macht nun schon zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung aus.

          Der Finanzplatz Singapur bekommt die Lage auch an der Börse zu spüren. Im vergangenen Jahr verließ der Börsenchef sein Haus, der Straits Times Index endete mit einem satten Minus von 14,3 Prozent. Das Handelsvolumen sank mit einem Minus von 19 Prozent noch stärker. So wenige Börsengänge wie im vergangenen Jahr hat es dem Bestehen der Singapore Exchange nicht gegeben. Die gesamte Marktkapitalisierung in Singapur ist nun weniger wert, als der Börsenwert des Computerkonzerns Apple. Die staatliche Zeitung The Business Times warnte am Montag schon davor, die Börse am Finanzplatz drohe nun „irrelevant“ zu werden.

          Weitere Themen

          Geldwäsche-Berichte setzen Deutscher Bank zu Video-Seite öffnen

          „Fincen-Files“ : Geldwäsche-Berichte setzen Deutscher Bank zu

          Die Aktien der Deutschen Bank und anderen Großbanken haben zum Wochenbeginn nach Medienberichten über Datenlecks bei der weltweiten Bekämpfung von Geldwäsche an Wert verloren. Im Zentrum: Die Deutsche Bank.

          Topmeldungen

           Visualisierung des Tunneleingangs auf der dänischen Seite in Rodbyhavn

          Streit um die Ostseequerung : Der Bau im Belt

          Unter der Ostsee soll ein langer Tunnel Deutschland und Dänemark verbinden. Der Widerstand ist heftig – aber nur in Deutschland. Ein Ortsbesuch.
          Paul Rusesabagina vor Gericht in Ruandas Hauptstadt Kigali am 14. September

          „Hotel Ruanda“-Star entführt : In der Höhle des Löwen

          Während des Völkermords in Ruanda rettete er Tutsi das Leben. Nun ließ Präsident Kagame den einstigen Helden Paul Rusesabagina entführen. Seinen Prozess will die Juristin Amal Clooney beobachten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.