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Schluss mit Homeoffice : IBM holt die Mitarbeiter zurück ins Büro

Schön gemütlich von Zuhause arbeiten war einmal, der Trend geht wieder zur Büroarbeit. Bild: dpa

Der Technologiekonzern IBM beendet die Telearbeit für tausende Mitarbeiter. Damit ist er nicht allein. Immer mehr Chefs wollen ihre Mitarbeiter wieder in der Zentrale sehen - und wählen dafür bisweilen ungewöhnliche Mittel.

          Telearbeit? War nur so eine Idee. Der amerikanische Technologiekonzern IBM, der jahrelang die Heimarbeit propagiert hat, fordert jetzt seine Beschäftigten auf, zurück in die Bürogebäude des Unternehmens zu kommen. Einen entsprechenden Bericht des Wall Street Journals haben Sprecher des Unternehmens in Grundzügen bestätigt. Der Sinneswandel bedeutet eine Revolution für die Unternehmenskultur des Unternehmens. Früheren Zahlen zufolge arbeiteten 40 Prozent der mehr als 380.000 Beschäftigten von Zuhause.      

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Arbeitnehmer werden demzufolge vor die Alternative gestellt, entweder in Zukunft von einem IBM-Büro aus ihre Arbeit zu verrichten oder aber das Unternehmen zu verlassen. Die Entscheidung betrifft nach unbestätigten Berichten des Fachmagazins Quartz allein 2600 Leute in der IBM-Marketing-Sparte und eine ungenannte Anzahl an Beschäftigten aus anderen Bereichen. Sie können zwischen sechs amerikanischen Städten als Bürostandort wählen: Atlanta, Austin, Boston, New York, Raleigh und San Francisco stehen auf der Liste. Oder sie können sich für eine der offenen Stellen anderen Standorten bewerben. Für viele bedeutet die Aufforderung, dass sie umziehen oder Abschied von IBM nehmen müssen. 

          Der Konzern liefert keine präzise Begründung  für die Abkehr von der Heimarbeit. Eine entscheidende Rolle spielt offenbar die Marketing-Chefin des Konzerns, Michelle Peluso. Sie glaubt, wie sie in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter verdeutlichte, dass Leute schlagkräftiger, kreativer und wirkungsvoller sind, wenn sie Schulter an Schulter arbeiten. Und mehr Spaß mache es hoffentlich auch.

          Um die Jahrtausendwende kam Telearbeit auch für qualifiziere Jobs in Mode. Die Modernisierung von Videokonferenztechnik und andere technische Neuerungen wie die Internettelefonie erleichterten die Kommunikation über weite Distanzen hinweg. Einige Unternehmen fingen an, feste Büroarbeitsplätze zu streichen. Die Firmen erhofften sich große Ersparnisse, weil sie weniger Büroraum bereithalten mussten. Die Arbeitnehmer sparten sich die Pendelei zum Arbeitsplatz.

          Mitarbeiter mit Obst und Yoga in die Zentrale locken

          Doch seit einigen Jahren schlägt das Pendel zurück. Die Manager wollen ihre Leute wieder häufiger im Büro haben. Studien untermauerten das Bauchgefühl vieler Manager, dass gute Ideen häufig durch zufällige, ungeplante Gespräche entstehen, die physische Präsenz erfordern.

          Furore machte die Entscheidung von Yahoo, die Heimarbeit einzuschränken und die Leute wieder in den Niederlassungen des Internetunternehmens zu versammeln. Facebook zahlt einem Medienbericht zufolge einen Bonus, wenn sie sich in der Nähe der Zentrale im kalifornischen Menlo Park ansiedeln. Alle Silicon Valley-typischen  Sondervergünstigungen, wie Fitnessstudios in der Unternehmenszentrale und frisches Obst in jedem Büro dient als Anreiz für die Arbeitnehmer, nicht zu Hause zu bleiben. Apple hat seine 5 Milliarden Dollar teure, gerade eröffnete kreisförmige Zentrale samt Wellness- und Yoga-Bereich nicht so groß angelegt, damit die Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten - so darf man ebenfalls vermuten.

          Über IBMs wahre Beweggründe für die Abkehr von der Arbeitsplatzflexibilität wird munter spekuliert. Das Unternehmen meldet seit 20 Quartalen in Folge sinkende Erlöse. Wegen der neuen Unternehmenspolitik verlassen möglicherweise viele Mitarbeiter IBM und senken so die Personalkosten. Doch als Motiv wird auch der Wunsch der vermutet, dass ein Ruck durchs Unternehmen geht, das doch irgendwie in die Jahre gekommen ist.

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