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Apple-Laden in New York : Schlangesteher mit Hintergedanken

Moon Ray hat sich den ersten Platz in der Schlange gekauft. Bild: Roland Lindner

Vor dem Apple-Laden in New York warten Menschen schon jetzt auf das neue iPhone. Aber nicht nur ihre Liebe zu Apple bringt sie hierher.

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          Schlangen vor dem Laden von Apple an der Fifth Avenue in New York sind nichts Ungewöhnliches. Es gab sie 2007, als das iPhone-Handy herauskam, und dann wieder 2010, als der Tabletcomputer iPad seine Premiere hatte. Schon Tage vor dem Verkaufsstart campierten die Menschen vor dem Geschäft. Dabei waren nicht immer nur glühende Apple-Verehrer in der Schlange. Manche stellten sich an, um ihren Platz in der Schlange weiterverkaufen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun ist es also wieder so weit. Apple hat das neue iPhone vorgestellt und außerdem ein ganz neues Produkt, eine Digitaluhr. Das Schlangestehen ist diesmal professioneller als je zuvor. Denn die Schlange besteht bisher weitgehend aus Menschen, die sich zu Marketingzwecken anstellen. Sie werden von Unternehmen gesponsert, die etwas zu verkaufen haben, ob Elektronikprodukte oder Softwareanwendungen („Apps“).

          Diese Firmen wissen, dass die Menschen in der Schlange von Journalisten aus der ganzen Welt interviewt werden. „Das ist wie Guerilla-Marketing,“ sagt der 29 Jahre alte Jonah Wong, der hier im Auftrag von Ravpower ansteht, einem aus Hongkong stammenden Hersteller von Batterieladegeräten. Wong sagt, er habe schon drei Dutzend Interviews gegeben.

          Die ersten in der Schlange waren der 21 Jahre alte Brian Ceballo und der 20 Jahre alte Joseph Cruz. Die beiden kamen schon am 31. August, also lange vor der Pressekonferenz an diesem Dienstag, auf der Apple die neuen Produkte gezeigt hat. „Wir wollten einfach die ersten sein,“ sagt Ceballo. Aber schon einen Tag danach haben sich die beiden überreden lassen, ihre Plätze für insgesamt 2500 Dollar weiterzuverkaufen und damit auf die Positionen drei und vier zurückzurutschen. „Der Deal war einfach zu gut,“ sagt Ceballo.

          An ihre Stelle rückten Moon und Jason Ray, ein Ehepaar aus Mississippi. Der 29 Jahre alte Jason arbeitet für den Anbieter einer Gesundheits-App mit dem Namen „Video Medicine“, und dieses Unternehmen hat das Paar nach New York einfliegen lassen. Die 25 Jahre alte Moon erzählt, der Chef des Unternehmens wollte unbedingt die vordersten Plätze in der Schlange, „was auch immer es kostet.“

          Vor dem Apple Laden in New York

          Zwei Tage nach den Rays gesellte sich auch Wong mit einem Kollegen der Firma aus Hongkong dazu. Von denen wurden in der Zwischenzeit auch die nach hinten gerückten Ceballo und Cruz rekrutiert, die nun ebenfalls ein grünes Sweatshirt mit dem Logo von Ravpower übergezogen haben. Hinter den Vertretern von Video Medicine und Ravpower stehen am Dienstag Nachmittag noch um die zwanzig weitere Stühle, auf denen aber gerade niemand sitzt. Wong erzählt, der größte Teil dieser Stühle sei die meiste Zeit unbesetzt, nur alle paar Tage schaue mal jemand vorbei. Er vermutet, der Besitzer der Stühle wolle die Plätze später weiterverkaufen. „Das ist nicht fair. Wir übernachten hier, während die nur ihre Stühle hinstellen.“

          Solar-Ladegerät für den Laptop dabei

          Das Leben in der Schlange klingt in der Tat nicht gerade gemütlich. Jeden Morgen um fünf Uhr müssen die Wartenden aufstehen und ihre Habseligkeiten zur Seite räumen, weil der Platz vor dem Apple-Laden gesäubert wird. Moon Ray erzählt, wie sie vor ein paar Tagen nur eine Stunde geschlafen hat, weil es geregnet hat. Aber die Wartenden sind gut präpariert gekommen. Die Rays haben Thermo-Schlafsäcke und Luftmatratzen dabei und sogar ein Solar-Ladegerät für ihren Laptop. Sie haben sich eine Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio besorgt, wo sie duschen, und die Toiletten benutzen sie im Apple-Geschäft oder im benachbarten Spieleladen F.A.O. Schwarz. Vom Apple-Personal fühlen sie sich bestens behandelt: „Die sind sehr nett zu uns. Und in der Nacht passen ihre Sicherheitsleute auf, dass uns niemand etwas klaut,“ sagt Moon.

          Sieht edel aus: die Apple Watch Bilderstrecke

          Für ihre Mühen werden die Rays von Video Medicine bezahlt, sie wollen aber nicht sagen, wie viel. Sie wissen, dass sie noch lange ausharren müssen, denn der Verkaufsstart für das iPhone ist erst am 19. September. Dafür können sie sich am Ende der Strapazen auf eine Belohnung freuen, denn das Unternehmen hat ihnen versprochen, sie nach vollbrachtem iPhone-Erwerb für ein paar Tage in einem schicken New Yorker Hotel unterzubringen. „Dann werden wir richtig feiern,“ sagt Moon. Danach wird für sie erst einmal Schluss mit Schlangestehen sein. Denn dass sie Anfang nächsten Jahres wiederkommt, wenn die Apple Watch in die Läden kommt, kann sie sich nicht vorstellen.

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