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Wo bin ich? : Schanghai will englischsprachige Straßenschilder entfernen

Demnächst wohl ohne Untertitel Bild: Picture-Alliance

Während Städte wie Tokio die englischen Bezeichnungen auf Wegweisern verbessern, geht es in China anders: In Schanghai mit seinen 170.000 Ausländern, könnte es künftig fast nur noch chinesische Straßenschilder geben.

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          Am Montag stellte die Stadtregierung Schanghais einen groß angelegten Entwicklungsplan vor: Auf 154 Seiten geloben die Parteikader, die chinesische Wirtschaftshauptstadt bis zum Jahr 2040 zu einer „hervorragenden globalen Stadt“ zu machen. Also zu einer Weltmetropole wie New York, London oder Tokio, die mit ihrem Finanzmarkt und Niederlassungen internationaler Konzerne fest in der globalisierten Wirtschaft verankert ist.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Tatsächlich ist Schanghai die internationalste Stadt der Volksrepublik. Laut des örtlichen Statistikbüros lebten Stand Ende 2014 dort mehr als 170.000 Ausländer. In Chinas Hauptstadt Peking sind es etwa 40.000 weniger. Seit der Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre betrieben Briten, Amerikaner, Franzosen, Deutsche und Japaner von hier aus Handel mit der Welt und entwickelten die Hafenstadt zur Metropole.

          Einsprachige Weltstadt

          Nach der marktwirtschaftlichen Öffnung Chinas Anfang der 80er Jahre geriet Schanghai aufgrund seiner rasant empor gezogenen Skyline und neuer Stadtviertel zum Symbol für den Aufstieg der chinesischen Nation und einer neuen Weltoffenheit.

          Im Gegensatz zu New York, London und Tokio könnten für die in Schanghai lebenden Ausländer allerdings die Orientierung bald schwieriger werden, falls sie kein Chinesisch können. Denn nahezu zeitgleich mit der Vorstellung des „Plans 2040“ denkt die städtische Verkehrsbehörde darüber nach, die Romanisierung der chinesischen Schriftzeichen auf den Straßenschildern der Stadt zu entfernen.

          Für Ausländer nicht brauchbar?

          Bisher steht auf den Schildern an nahezu jeder Kreuzung Schanghais – so wie in anderen chinesischen Städten – nicht nur der Name der Straße im Hochchinesischen, sondern auch in der phonetischen Umschrift Pinyin.

          Mithilfe von Pinyin lernen chinesische Kindergartenkinder Chinesisch. Pinyin sei aber keine echte Übersetzung, kritisieren Schanghais Beamte. So lautet zum Beispiel der Name auf dem Schild der „Zentralen Tibet-Straße“ nahe des „Volksplatzes“ im Stadtzentrum an vielen Stellen nicht „Central Tibet Road“, sondern „Xi Zang Zhong Lu“. „Xi Zang“ steht für Tibet, „Zhong“ für zentral, „Lu“ für Straße. Das sei kein Englisch, sondern immer noch Chinesisch, sagt der Planungsleiter der Schanghaier Straßenverkehrsbehörde Wang Weifeng. Und aus diesem Grund für Ausländer „nicht sehr brauchbar“.

          Andere Schlussfolgerungen in Japan

          Auch in Japans Hauptstadt Tokio verwirrt auf Schildern die Romanisierung japanischer Bezeichnungen wie etwa für Schrein, der dort als „jinja“ aufgeführt wird, die Ausländer. Allerdings ziehen die Japaner andere Schlussfolgerungen als die Chinesen. So hat Tokios Verwaltung im Februar angekündigt, sie wolle die englische Übersetzung auf der Hälfte aller 20.000 Straßenschilder mit Umschrift verbessern. Die Stadt richtet in vier Jahren die Olympischen Sommerspiele aus, wozu Touristen in Rekordanzahl erwartet werden.

          Was der Schanghaier Verkehrsoffizielle aus der angeblich nicht hilfreichen Romanisierung der chinesischen Straßenschilder folgert, ist das Gegenteil: Wang will nicht die korrekte englische Übersetzung auf die Schilder pressen, sondern alle lateinischen Buchstaben komplett entfernen.

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