https://www.faz.net/-gqe-7n43h

Wall Street : Schadenfreude in den Aufzügen von Goldman Sachs

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Der enttarnte Investmentbanker, der anonyme und falsche Twitter-Meldungen über angeblichen Aufzugstratsch bei Goldman Sachs verbreitete, hat seinen Buchvertrag verloren.

          Die Schriftstellerkarriere des amerikanischen Investmentbankers John Lefevre scheint vorbei, bevor sie richtig begonnen hat. Der Verlag Simon & Schuster, dessen Marke Touchstone den von Lefevre auf Twitter verbreiteten fiktiven Tratsch aus den Aufzügen der Wall-Street-Bank Goldman Sachs als Buch herausbringen wollte, hat den Vertrag mit dem Autor am Donnerstag gekündigt. Lefevre hatte seit zweieinhalb Jahren auf dem Kurznachrichtendienst anonym Sprüche abgesetzt, die er bei Goldman im Lift gehört haben wollte. Die Meldungen bedienten sämtliche Klischees über gierige Investmentbanker – vom Besuch von Striptease-Lokalen bis zu Millionenboni. Der angebliche Aufzugstratsch hatte auf Twitter schließlich fast fünfmal so viele Leser wie das offizielle Konto von Goldman.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Sache hatte nur einen Haken. Der Autor hat nie bei Goldman gearbeitet, wie die „New York Times“ in der vergangenen Woche herausfand. Immerhin kannte Lefevre die Wall Street aus eigener Anschauung. Lefevre war sieben Jahre für den Goldman-Konkurrenten Citigroup im Anleihebereich tätig. Als die Meldung vom abgesagten Buchprojekt am Donnerstagabend die Runde machte, konnten sich die Twitterer bei Goldman einen schadenfrohen Kommentar nicht verkneifen. „Scheint so, als ob Aufzüge hoch und runter fahren“, schrieben die Banker. Während die Zukunft von Lefevre als Chronist der Wall Street nun in Frage steht, läuft das eigentliche Geschäft der Investmentbanken immer besser.

          Angesichts der anhaltenden Aktienhausse sind in den ersten zwei Monaten des Jahres schon 42 Unternehmen an amerikanische Börsen gegangen, mehr als doppelt soviel wie 2013. Nach Angaben des Informationsdienstes Dealogic waren das genauso soviel Börsengänge wie im Jahr 2007, einem Jahr, in dem der Aktienmarkt ebenfalls Höchststände verzeichnet hatte - bevor dann die Finanzkrise für eine Kehrtwende sorgte. Auch Fusionen und Übernahmen, bei denen Investmentbanken Gebühren für Beratung kassieren, machen verstärkt Schlagzeilen. Am Donnerstag gab die Beteiligungsgesellschaft Cerberus die Übernahme der zweitgrößten amerikanischen Supermarktkette Safeway für mehr als 9 Milliarden Dollar bekannt. Cerberus gehört bereits der Konkurrent Albertson’s, die Nummer fünf der Branche. Goldman Sachs hatte ein Beratungsmandat für Safeway.

          Die Aktienkurse an der Wall Street legten unterdessen überwiegend zu. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 stieg am Donnerstag um 0,2 Prozent auf das neue Rekordhoch von 1877 Punkten. Der Dow Jones kletterte um 0,4 Prozent auf 16422 Zähler. Am Freitag werden die Börsianer vor allem auf die Arbeitsmarktdaten für Februar achten. Volkswirte kalkulierten zuletzt mit 152000 neu geschaffenen Stellen in den Vereinigten Staaten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Liveblog zu Wahl in Straßburg : „Es lebe Europa!“

          EVP-Fraktion will von der Leyen geschlossen wählen +++ Kandidatin spricht über Klimakrise, Migration und Gleichberechtigung +++ Am Abend stellt sich CDU-Politikerin zur Wahl +++ Mindestens 374 von 747 Stimmen nötig +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveblog.
          Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell.

          Zu viele Hospitale : Der Patient Deutschland

          Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.